«Zivilcourage braucht Mut»

Der gestrige Lehrlingstag an der Hema war der Frage «Zivilcourage – sinnvoll oder gefährlich?» gewidmet. Mit einem Referat und einer Podiumsdiskussion wurden die Lehrlinge aufgefordert, selbst Zivilcourage an den Tag zu legen.

Daniel Thür
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Mitarbeiter der Kantonspolizei im Gespräch mit einem Jugendlichen am Lehrlingstag. (Bild: dan)

Mitarbeiter der Kantonspolizei im Gespräch mit einem Jugendlichen am Lehrlingstag. (Bild: dan)

HERISAU. Rund 350 Lehrlinge und Lehrlingsverantwortliche strömten gestern morgen in das Zelt der Hema, um sich dem Thema Zivilcourage zu widmen. Glen Aggeler, Chef der Jugendkontaktpolizei der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, führte die Anwesenden mit einem Referat in das Thema ein. Anhand von wahren Begebenheiten (unter anderem dem Fall der Münchener S-Bahn-Schläger, die einen Mann wegen seiner Zivilcourage totprügelten) schilderte er verschiedene Varianten von Zivilcourage. Nicht immer müsse Zivilcourage gefährliche Ausmasse annehmen.

Dem eigenen Gefühl vertrauen

«Habt den Mut, früh zu intervenieren», sagte Aggeler. Es sei immer noch besser, auf einen CD- Diebstahl zu reagieren, als auf einen Autodiebstahl zu warten.

Auch Grenzen setzen gehöre dazu. «Grenzen setzen heisst, sein Gegenüber ernst nehmen.» Dazu brauche es aber Mut: Den Mut hin- statt wegzuschauen, schliesslich aber auch den Mut, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen. Denn man habe öfter recht, als man selbst glaubt.

Podiumsdiskussison

Nach einer Pause, den die Lehrlinge für einen ausgiebigen Rundgang durch die Hema nutzten, gab es noch eine Podiumsdiskussion zum Thema.

Es diskutierten Anne Barbey, Leiterin des Jugendzentrums Herisau, Regula Badertscher, Quartiersarbeiterin des Herisauer Projektes «Selewie», Hanspeter Schläpfer, Rektor des BBZ, Glen Aggeler, Chef Jugendkontaktpolizei, und Marco Tolmei, der Zivilcourage am eigenen Leib erfahren durfte. Dieser schilderte seine Geschichte, wie er im Ausgang in St.

Gallen war, viel zu viel getrunken hatte, in eine Auseinandersetzung geriet und zusammengeschlagen wurde. «Ich selbst kann mich an nichts mehr erinnern. Nur dank der Zivilcourage von Zeugen wurde Schlimmeres verhindert und der Täter identifiziert.» Auf die Frage, wie er selbst über Zivilcourage denke, antwortete Tolmei: «Ich würde mich nicht in eine Schlägerei einmischen, aber heute würde ich die Polizei anrufen und Hilfe holen.»