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Das Trainerpaar sagt Adieu in der Manege

Mitte November steht in Waldstatt wieder das Gymtasia-Zirkuszelt. Hier zeigen junge Mitglieder der Geräteriege ihre Nummern. Priska und Stefan Roth feiern mit dem Anlass Jubiläum und Abschied zugleich.
Karin Erni
Stefan und Priska Roth bei den Vorbereitungen für die Zirkusshow. Bild: Benjamin Manser

Stefan und Priska Roth bei den Vorbereitungen für die Zirkusshow. Bild: Benjamin Manser

«No-ämol» heisst das neue Programm des Zirkus Gymtasia in Waldstatt. Was ist wohl mit diesem Titel gemeint, «nochmals» oder «nur noch einmal»? «Beides stimmt», sagt Organisator Stefan Roth.

«Wir machen es noch einmal und es ist sicher unser letztes Mal.»

Vor vier Jahren haben er und Ehefrau Priska ein Zirkuszelt gemietet, um das 25-jährige Bestehen der Geräteriege des Turnvereins Waldstatt zu feiern. Ein Wochenende lang gab es Vorführungen mit Galadiner. «Die Leute hielten uns im Vorfeld für verrückt oder haben uns belächelt für die Idee», erinnert sich der 48-Jährige. «Für einen Kinderzirkus so einen Aufwand zu betreiben, fanden sie unnötig.» Beim Turnverein habe zudem Unsicherheit geherrscht, dass etwas passieren könnte. Für ein finanzielles Defizit hätte der Verein geradestehen müssen, sagt Priska Roth. «Darum haben wir alles versichert, was irgendwie möglich war und ein sehr ausführliches Notfallkonzept mit Risikoanalysen erstellt.»

Roths feiern 50-Jahr-Jubiläum

Doch alles sei gut gegangen, erinnert sich Stefan Roth. «Das Publikum war begeistert.» Doch die anstrengende Vorbereitungsarbeit hatte an den Kräften gezehrt. Sie entsorgten alles Material und waren fest überzeugt: «Das machen wir sicher nie wieder.» Dieses Jahr nun wird das Ehepaar seinem Vorsatz untreu. Weil sie gemeinsam auf ein 50-jähriges Engagement für die Geräteriege zurückblicken können, haben sie beschlossen, das Jubiläum auf diese Weise zu feiern. Und dieses Mal geht alles etwas einfacher. Die Geldbeschaffung bei den Stiftungen und auch der Vorverkauf laufe schon sehr gut, sagt Roth. «Die Leute wissen nun, was sie erwartet.»

Weil der Zirkus Nock, dem das Zelt bei der letzten Aufführung gehörte, unterdessen verkauft wurde, müssen sie es nun teurer von der Zeltvermietung Monti mieten. Um Geld zu sparen, übernimmt Roth mit einigen Turnern einen Teil der Inneneinrichtungsarbeiten gleich selbst. «Wir konnten zum Beispiel gebrauchte Teppiche von der Hema übernehmen, die wir nur noch etwas anpassen müssen.» 460 Plätze fasst das Zelt. Pro Abendvorstellung werden 180 Essen serviert. Das Budget umfasst einen knapp sechsstelligen Betrag. «Ein Gewinn muss nicht resultieren, wir zielen auf eine Nullrechnung.»

Das Programm unterscheide sich von einem normalen Zirkus, aber auch von einer Turnerunterhaltung. «Es geht nicht um Perfektion, denn wir sind keine Profi-Artisten. «Es darf ruhig etwas verspielt und verträumt sein.» 50 Kinder der Geräteriege Waldstatt sowie zahlreiche Gastturnerinnen und -turner von benachbarten Vereinen wirken an der Vorstellung mit. Sie würden kein Kind zum Mitmachen zwingen, sagt Priska Roth. «Wir müssen sie im Gegenteil eher bremsen, weil sie bei möglichst vielen Nummern mitwirken wollen. Während der Vorstellung ist mehrmaliges Umziehen nötig und das Training ist körperlich anstrengend.»

Applaus als Lohn

Die beiden Organisatoren ergänzen sich bestens. Während Priska die Finanzen unter Kontrolle hält und sich für Organisation und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist der gelernte Zimmermann und Primarlehrer Stefan für das Kreative und Handwerkliche zuständig. «Mir kommen Ideen für neue Nummern oft, wenn ich ein Gerät sehe.» Gerne entwickelt er solche selber. Inspirieren lässt er sich auch von Nummern, die an Gymnaestradas gezeigt werden. Sich selber nimmt er zurück. «Mein Job als Zirkusdirektor ist es, die Besucher persönlich zu begrüssen und zu verabschieden. Aber den Schlussapplaus geniessen wir natürlich schon, es ist unser Lohn.»

Die Zirkusvorstellung ist für das Ehepaar auch die Abschiedsfeier aus dem Trainerleben. «Man muss auf dem Höhepunkt aufhören, dann wenn alle sagen, dass es schade sei, dass man geht», ist Stefan Roth überzeugt. Verbunden sein wird er mit dem Verein auch in Zukunft, sind doch alle drei Kinder begeisterte Turnerinnen und Turner. «Aber ab Sommer 2020 werde ich sie nur noch als Vater und nicht mehr als Trainer begleiten.»

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