Zementierte Rollenmuster hinterfragen

Frauen und Männer sollen für einige Tage ihre Rollen tauschen. Für dieses Projekt vom Amt für Gesellschaft sucht das «ForumMann» Paare und Firmen. Vor allem junge Eltern würden schnell in starre Rollenmodelle hineinrutschen, sagt Mediator Christian Hofmänner.

Roger Fuchs
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AUSSERRHODEN. Fernsehsendungen wie Frauentausch sind in aller Munde. Mit dem anlaufenden Projekt Rollentausch vom ForumMann ist allerdings nicht der Austausch von Frauen gemeint, sondern Paare sollen für einige Tage ihre Rollen tauschen. Oder wie es der Mediator Christian Hofmänner formuliert: «Der Mann, der oft die Geldverdienerrolle innehat, soll mit der Frau, die häufig die familienbetreuende Rolle wahrnimmt, tauschen.» Rollentausch ist eines von mehreren Projekten, die im Rahmen der bis 2016 dauernden Männerkampagne «Dann ist ein Mann ein Mann» vom Amt für Gesellschaft durchgeführt werden.

Gibt kein richtig und falsch

Christian Hofmänner, der zusammen mit Männerberater Cornel Rimle interessierte Paare und Firmen begleiten wird, zeigt sich überzeugt, dass gerade junge Eltern häufig in die traditionellen Rollenmuster zurückkehren. Zum einen, weil es praktisch sei, zum anderen wegen der herrschenden Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen oder wegen fehlender Betreuungsplätze für Kinder. «Einmal im Rollenmuster drin, bleibt es vielfach über Jahre zementiert», sagt Hofmänner. Mit dem Projekt Rollentausch sollen die Rollen lustvoll hinterfragt werden. Nur: Erachtet es das ForumMann denn als dermassen schlecht, wenn Paare in die klassischen Muster fallen? «Überhaupt nicht», sagt Christian Hofmänner. «Es gibt auch kein richtig oder falsch.» Gut fände er aber, wenn sich Paare einer solchen Diskussion nicht verschliessen würden. Eine faire und partnerschaftliche Rollenverteilung setze einen offenen Diskurs voraus.

Neue Teilzeitarbeitsmodelle

Beim ForumMann herrscht die Überzeugung, dass Paare wie auch Firmen auf vielfache Art und Weise vom Rollentausch profitieren können. Das eigene Mann- und Frausein soll wieder ins Bewusstsein gerückt und das Verständnis für die jeweilige andere Rolle gefördert werden. Firmen könnten ihre Stellen vor dem Hintergrund von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinterfragen. Möglicherweise könnten daraus gar neue Modelle im Bereich der Teilzeitarbeit resultieren.

Die Suche nach fünfzehn oder mehr interessierten Paaren und mindestens sieben interessierten Firmen läuft bis Ende Jahr. 2015 soll das Projekt Rollentausch dann in die Umsetzungsphase gehen. Unterstützt wird das Projekt, wie Christian Hofmänner abschliessend sagt, vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann.

Mehr Infos: www.ar.ch/rollentausch Kontakt: info@forummann.ch / chancengleichheit@ar.ch

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