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Zeitreise ins alte Herisau

Der im Kanton Zürich lebende Hans Rohner hat ein Buch verfasst. Darin lässt er Erinnerungen an seine Jugendzeit aufleben. Er hat damit ein interessantes Zeitdokument geschaffen.
Karin Erni
Der fast blinde Hans Rohner schrieb die Buchtexte mit Hilfe eines speziellen Lesegerätes. (Bild: PD)

Der fast blinde Hans Rohner schrieb die Buchtexte mit Hilfe eines speziellen Lesegerätes. (Bild: PD)

«Meine Jugend in Herisau» heisst ein Bändchen, das im Appenzeller Verlag erschienen ist. Das Buch enthält Aufzeichnungen von Hans Rohner, der 1926 in Herisau geboren wurde. In verschiedenen Episoden von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenen beschreibt er sein Aufwachsen im Herisauer Industriequartier. Das Buch wird auf unterhaltsame Weise zum Zeitzeugnis und ist nicht nur für Herisauer interessant.

Der Leser nimmt Teil am damaligen Leben der Kinder, erfährt von ihren Lausbubenstreichen und erlebt geschichtliche Ereignisse wie den Ausbruch des 2. Weltkriegs aus deren Perspektive. So bastelten Hans Rohner und sein Bruder einmal einen veritablen Störsender gegen den Radioapparat der Nachbarin, weil diese überlaut Hitlerreden durchs Quartier schallen liess. Es gelang den Buben, das Gerät zum Verstummen zu bringen, brockte ihnen aber anschliessend Besuch von der Polizei ein.

Rohner wurde als zweiter Sohn eines Heizers und einer Stickerin geboren. «Meine Mutter erlebte ich stets als sehr fürsorglich», erinnert sich der 90-Jährige, der seit dem Ende seines Studiums im zürcherischen Küssnacht lebt. Den Vater hat er als bestimmt, fast autoritär in Erinnerung. Das habe in der Pubertät zu etlichen Kämpfen geführt. Er habe ihm und seinem Bruder aber auch viel beigebracht, erinnert sich Rohner. «Als kleine Buben lehrte er uns, wie wir im Wald mit einem Sackmesser ein Waldhorn oder eine Pfeife herstellen können.» Beim Hausumbau müssen die beiden Knaben mithelfen und erlernen dabei, viele Handwerksarbeiten fachgerecht auszuführen. Hans Rohner muss ein Musterschüler gewesen sein. Stets wies sein Zeugnis Bestnoten auf. In einem gewissen Kontrast dazu stehen Experimente mit Waffen und Sprengstoff, die aus heutiger Sicht doch eher gewagt anmuten. Doch steckte nie böse Absicht dahinter. Dem Knaben wohnte einfach ein grosser Entdeckergeist inne. Als im Krieg die Kohle zur Mangelware wird, beschliesst er, sich selbst auf die Suche nach dem begehrten Brennmaterial zu machen. Er bricht mit dem Velo auf, um einen alten Kohlestollen im Urnäschtobel zu suchen, von dem er einmal gelesen hat und von dem niemand mehr Kenntnis hat. Zu seiner grossen Freude findet er den verlassenen mannshohen Stollen tatsächlich und bringt eine paar Brocken Kohle nach Hause.

Beschränkungen haben ihn angespornt

Was wäre aus ihm geworden, wenn er in «besseren Verhältnissen» aufgewachsen wäre? «Ich habe das Gefühl, ich hatte eine gute Jugend. Das Industriequartier bot uns Kindern eine anregende Umgebung.» Dass materielle Güter oft Mangelware waren, habe ihn eher angespornt. Weniger gut wäre die Sache für den aufgeweckten Burschen wohl herausgekommen, wenn er in die Fabrik gesteckt worden wäre, wie das zu jener Zeit normal war. Hans Rohner durfte hingegen eine Lehre als Maschinenzeichner absolvieren. Diese habe ihm die entscheidenden Impulse vermittelt, anschliessend ein Studium zum Maschineningenieur in Angriff zu nehmen, sagt er. «Zuerst war Vater dagegen, schliesslich war er aber doch stolz, dass er seinen Söhnen eine Ausbildung ermöglichen konnte.»

Um das Buch zu schreiben, nutzte der stark sehbehinderte Rohner eine spezielle Apparatur, die die Handschrift auf kariertem Blockpapier auf einen grossen Bildschirm übertrug, so dass die Buchstaben lesbar wurden. Sein Augenlicht hat er übrigens nicht beim Experimentieren verloren, was naheliegend wäre. Das fast vollständige Erblinden wurde durch häufige Aufenthalte im hellen Sonnenlicht Griechenlands ausgelöst.

Das Buch ist beim Appenzeller Verlag erschienen. (Bild: PD)

Das Buch ist beim Appenzeller Verlag erschienen. (Bild: PD)

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