Zehn Sekunden entscheiden

Der 15jährige Fabian Friedli aus Libingen hat sich als Sieger des Kantonalfinals beim Swiss Athletic Sprint in St. Gallen für das schweizerische Finale qualifiziert. Am 19. September geht es in Langenthal um den Schweizer-Meister-Titel.

Beatrice Bollhalder
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Fabian Friedli ist bereit für den Swiss Athletics-Sprint-Final vom kommenden Samstag. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Fabian Friedli ist bereit für den Swiss Athletics-Sprint-Final vom kommenden Samstag. (Bild: Beatrice Bollhalder)

LIBINGEN. Der sportliche junge Mann hat die Leichtathletik für sich entdeckt. Und er weiss, dass er beim Sprint noch über Potenzial verfügt. Zudem ist er bereit, seine ganze Freizeit für den Sport zu opfern. Einmal an ganz grossen Wettkämpfen teilnehmen zu können, das ist das langfristige Ziel von Fabian Friedli. Der Start am Swiss-Athletic-Sprint-Final in Langenthal ist es dem 15-Jährigen wert, in diesen Tagen noch häufiger zu trainieren als bisher schon.

Motivierende Trainer

Bevor Familie Friedli ins Toggenburg gezogen ist, spielte Fabian in einer Handballmannschaft mit. Als Fünftklässler hat er dann nach einer anderen Sportart gesucht und ist in der Leichtathletik fündig geworden. Wegen einer Knieverletzung verfolgte er den Sport vorerst aber nicht weiter. In der zweiten Oberstufe ist der in Libingen wohnhafte junge Athlet zum Sport zurückgekehrt. Mit dem STV Mosnang hat er einen Verein gefunden, bei dem er einmal pro Woche trainieren kann. Für Mosnang ist Fabian Friedli denn auch am UBS Kids Cup gestartet und hat beim Kantonalfinal in St. Gallen knapp das Podest verpasst. «Die Disziplin Ballwurf hat mich am Weiterkommen gehindert. Den Sprint habe ich gewonnen und auch im Weitsprung reichte es aufs Podest», sinniert der junge Athlet. Weil dem ambitionierten Sportler aber ein Training pro Woche nicht mehr genügte, hat er sich ausserdem als Mitglied des KTV Bütschwil eingeschrieben. «Ich möchte noch weiter kommen», erklärt Fabian Friedli, «ich spüre, dass noch mehr drin liegt.» In Bütschwil kann er so viel trainieren, wie er will und wie es ihm nebst des Schulunterrichtes möglich ist. Er strahlt, wenn er davon erzählt, dass sowohl sein Mosnanger Trainer Beni Locher als auch Urs Göldi aus Bütschwil ihn motivieren und ermuntern. «Die beiden wissen, dass ich Spass daran habe und noch mehr erreichen kann.» Auf die berühmte Vereinskollegin Selina Büchel angesprochen strahlt der Sportler und versichert, dass es fördernd sei, gemeinsam mit der grossen Sportlerin trainieren zu dürfen.

Top Ten als Ziel

Fabian Friedli konnte vor zwei Wochen in Altstätten beim Kantonalfinal des Swiss Athletic Sprint an den Start gehen. Obwohl es ein sehr heisser Tag war, hat er den Vorlauf souverän für sich entscheiden können. Die Zeit bis zum Halbfinal sei ihm dann aber unendlich lange vorgekommen. Den Finallauf hat er anschliessend hauchdünn für sich entschieden und damit das Ticket für die Reise an den schweizerischen Final gelöst. Am 19. September wird er in Langenthal an den Start gehen. Was er sich für ein Ziel gesetzt hat? «Ich habe genau studiert, wer dort am Wettkampf teilnimmt, und habe festgestellt, dass es ein paar Konkurrenten gibt, die mich herausfordern werden. Ich rechne aber mit einem Rang in den Top Ten», setzt sich Fabian Friedli ein realistisches Ziel. Er hofft, an diesem Tag in guter Form zu sein. Da er weiss, dass ein souveräner Start viel ausmacht, wird ein solcher täglich trainiert und verbessert. Und dies, obwohl Starts bereits bisher eine Stärke von ihm waren. Für die nur 80 Meter lange Strecke sei es entscheidend, dass der gesamte Ablauf stimme, ist er überzeugt. Die Technik ist das A und O, denn der Wettkampf dauert nicht einmal zehn Sekunden. Der Start muss passen, die Kraft aber auch, um bis zum Ziel durchzuziehen. Es ist eine sehr kurze Zeitspanne, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. Fabian Friedli setzt jedenfalls alles auf die Karte Sport und trainiert deshalb täglich. Wenn nicht mit dem Verein, dann mit Kollegen oder allenfalls allein. Zu Hause stehen morgens und abends Kraftübungen auf dem Programm des 177 Zentimeter grossen Athleten. Er sei ja eigentlich durchschnittlich gross, gibt aber zu bedenken, dass körperlich längere Athleten doch einen gewissen Vorteil hätten.

Ausbildung passt zum Sport

Und was passiert nach dem grossen Wettkampf? «Dann ist es wichtig, auch im Winter zu trainieren», sieht er in die Zukunft. Mit Kraft- und einem angemessenen Aufbautraining will sich der Oberstufenschüler auch im nächsten Jahr Sprintwettkämpfen stellen. Im kommenden Sommer ist das Ende seiner Schulzeit erreicht. Die Lehrstelle hat der 15-Jährige bereits im Sack, er ist einer der ersten in der Schweiz, die die Ausbildung zum «Fachmann Bewegung und Gesundheit» im Fitpool in Wattwil in Angriff nehmen werden. Fabian Friedli hofft, dass ihm auch dann noch genügend Zeit für die Trainings bleibt und ihm die benötigte Zeit fürs Absolvieren der Wettkämpfe zugesichert wird.

Nebst dem Libinger Fabian Friedli stehen mit Sibylle Hollenstein, einer Teamkollegin aus dem KTV Bütschwil, Hannah Lindauer (TV St. Peterzell) sowie Nicolas Jöhl und Simon Lieberherr (beide Jugi Ganterschwil) vier weitere junge Toggenburger Athleten am 19. September in Langenthal am Start.