Womit wir unsere Seelen nähren

Noch klettern die letzten Samichläuse die Hauswände hoch, bereits bekommen sie aber Konkurrenz: Narren, Kobolde, Indianer und Hexen sitzen auf den Dächern, vor den Häusern und bevölkern Strassenecken. Fasnachtschüechli und Schenkeli lösen Zimtsterne und Mailänderli ab.

Pfarrer Andreas Schönenberger
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Andreas Schönenberger Pfarrer der katholischen Kirche Wattwil (Bild: pd)

Andreas Schönenberger Pfarrer der katholischen Kirche Wattwil (Bild: pd)

Noch klettern die letzten Samichläuse die Hauswände hoch, bereits bekommen sie aber Konkurrenz: Narren, Kobolde, Indianer und Hexen sitzen auf den Dächern, vor den Häusern und bevölkern Strassenecken. Fasnachtschüechli und Schenkeli lösen Zimtsterne und Mailänderli ab. Der Glitzer der Sterne glänzt jetzt auf den Wangen der Kinder. Der Zauber von Weihnachten ist längst verflogen. Für viele bereits schon, wenn sie unter dem Christbaum sitzen und Geschenke auspacken und das eigentliche Fest erst richtig beginnt. Die Feierlichkeit von Weihnachten steigert sich kontinuierlich in die Ausgelassenheit von Silvester hin zum närrischen Treiben der Fasnacht.

Alltag nistet sich wieder ein

Und wer sein Firmengeschäftsessen nicht mehr im vergangenen Jahr veranstaltet hat, holt dies irgendwo zwischen den Jahren noch nach und muss sich beeilen, damit die Kosten im Jahresabschluss des vergangenen Jahres noch verbucht werden können. Vielleicht sind auch erste Vorsätze fürs neue Jahr schon in der Luft verpufft. Der Alltag nistet sich wieder ein. Wir sind wohlbehalten zurück im alten Trott des neuen Jahres. Die Jahreszeiten mit ihren Festen und Bräuchen überschneiden sich immer häufiger. Zum Dreikönigskuchen können wir gleich noch einen Pack Berliner in Aktion mitkaufen. Der Handel ist immer schon gnadenlos einen Schritt voraus und wir Konsumenten rennen diesem Trend hinterher.

Ähnlich ist es mit unserer Wochen- und Freizeitgestaltung. Wenn am Freitagabend Feierabend ist, beginnt der Feier-Abend. Samstag und Sonntag ziehen wir gleich wieder los und bespassen uns selbst. Ein Event löst den nächsten ab. Nicht wenige stopfen ihr Wochenende voll mit allerlei Aktivitäten. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, was das mit uns und unserer Seele macht? Burn-out und Erschöpfung ist in aller Munde. Es gibt kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein Artikel zu diesem Thema geschrieben wird. Kaum jemand, der nicht direkt oder indirekt davon betroffen ist.

Seelen brauchen Ruhe

Der Heilige und Philosoph Augustinus von Hippo (354–430) hat einmal gesagt: «Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.» Es ist an uns ganz persönlich, womit wir unsere Seele nähren. Braucht es immer Aktivität und Rummel? Oder täte es uns nicht gut, mehr Zeiten der Ruhe und Erholung zu schaffen? Vergessen wir nicht: Unsere Seelen brauchen ihre Ruhe, um sich erholen zu können. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Das närrische Treiben hat bereits begonnen, wir dürfen uns auch daran freuen, hoffen wir einfach, dass danach nicht schon gleich der Osterhase ums Eck hoppelt.