WOLZEN: Das «Liftli» bleibt in der Familie

Mitten im Skigebiet Wolzenalp liegt der Skilift Stalden. Als Besitzer ist Niklaus Zwingli ab der kommenden Saison alleine für diesen zuständig. Kaspar Zwingli, der den Lift mit seinem Bruder vor 50 Jahren gebaut hat, zieht sich 80-jährig zurück.

Olivia Hug
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Kaspar Zwingli hat den Skilift Stalden am Wolzen während 50 Jahren geprägt. Niklaus «Staldi» Zwingli führt das Werk seines Onkels und seines verstorbenen Vaters weiter. (Bild: Olivia Hug)

Kaspar Zwingli hat den Skilift Stalden am Wolzen während 50 Jahren geprägt. Niklaus «Staldi» Zwingli führt das Werk seines Onkels und seines verstorbenen Vaters weiter. (Bild: Olivia Hug)

Olivia Hug
redaktion@toggenburgmedien.ch

Unterhalb des obersten Abschnitts der Sesselbahn Rietbach–­Wolzenalp verläuft der Skilift Stalden. Das flache, breite Gelände, das sich für Schneesportanfänger gut eignet, präsentiert sich wenige Tage vor Weihnachten grün. Kein Schnee, kein Weiss weit und breit. Von hier geniesst man einen fantastischen Blick in Richtung Wolzen. Auch dieser: grün. Dahinter der Speer: mehrheitlich grau. Säntis, Stockberg und Churfirsten, die sich ebenfalls ohne Sichteinschränkung zeigen: grün-grau mit vereinzelt weissen Flecken.

Der Winter lässt auf sich warten. Und dabei wäre der Skilift parat. Und mit ihm Niklaus Zwingli, von den Einheimischen «Staldi» genannt, der seit dieser Wintersaison alleiniger Besitzer des Skilifts Stalden ist. Er nennt ihn «Liftli», seinen Skilift. Nicht alleine deshalb, weil es kein langer Lift ist – speziell im Verhältnis zum Wolzen-Lift. Nicht nur, weil er sich besonders gut für Kinder, Anfänger und den Trainingsbetrieb der TG Wolzen eignet. Er sagt es liebevoll. «Hier steckt viel Herzblut drin», sagt Niklaus Zwingli. Mit dem Skilift ist er aufgewachsen, er steht nicht nur auf seinem Boden, sondern quasi vor seiner Haustüre. Als Bub wäre er gerne in die JO gegangen, hätte hier seine Spuren durch den Schnee gezogen. Häufig allerdings hat er stattdessen das «Zielhäuschen gehütet».

Sein Vater, der den Lift vor 50 Jahren mit dessen Bruder aufgebaut hatte, hat seine Söhne in den Betrieb eingespannt. Fast so, wie es Niklaus Zwingli heute tut. Seine Frau Elisabeth kümmert sich mit der Schwägerin um die Stalden-Bar, die mitten in der Piste steht, die Kinder helfen aus, wenn’s mal «räbelt». Das tut’s heute, wenn der Schnee erst einmal liegt – und das tat’s früher schon. «Es gab Zeiten, da sind die Leute rund ums Skilift-Häuschen angestanden», erzählt Niklaus Zwingli. Eines hat sich aber nicht geändert: Erwartungen an die Gästezahl aufgrund der Wetterprognose darf man keine haben. Erst wenn er von seinem Haus aus den Sessellift voller Leute sieht, heisst’s sich zu sputen. Oder wie an Heiligabend vor einem Jahr, als Elisabeth Zwingli kurz entschlossen die Bar geöffnet hat beim Anblick der Heerscharen von Wanderern, die den Wolzen hinauf kamen.

Von Grund auf selber aufgebaut

Im Herbst 1966 war die Geburtsstunde des Skilifts Stalden. Die Brüder Kaspar und Hermann Zwingli legten den Grundstein für den Lift beziehungsweise sie betonierten die Sockel. Innert nur eines Tages stellten sie mit eifrigen Helfern die Masten auf, so dass der Lift im Dezember 1966 in Betrieb gehen konnte. Ein Jahr nach der Eröffnung der Sesselbahn Wolzenalp. Warum hier ein Skilift stehen sollte? Ganz einfach: Weil es zuvor schon einen Lift gab. Mit gerade mal zwei Bügeln. Das Skigebiet sei beliebt gewesen, erinnert sich Kaspar Zwingli, die Leute seien mit den Fellen hochgekommen. «Regelrechte Völkerwanderungen waren das. Mit dem Extrazug kamen sie nach Krummenau.» Über 70000 Franken hatten die Gebrüder Zwingli für den Bau des Skilifts aufgeworfen. Eine Menge Geld für die damalige Zeit. Unterstützt wurden sie von Privaten und verwandten Geldgebern. «Über all die Jahre hatten wir den Lift abbezahlt», sagt Kaspar Zwingli nicht ohne Stolz.

Zum Besitzen und Betreiben eines Skilifts gehörte nicht nur das «Anbügeln» der Skifahrer oder der Billettverkauf. Die Piste und das Skilift-Trassee hatte man gepflügt, mit einem selber kon­struierten Pistenrolli. Den Lift hatte man sorgfältig unterhalten. Nie gab’s Schäden. Erst einmal musste das Förderseil ersetzt werden. Das heutige zieht die Skifahrer seit 30 Jahren den Hügel hoch. Nun aber ist für den 80-jährigen Kaspar Zwingli die Zeit gekommen. Nach einem halben Jahrhundert zieht er sich aus dem Liftbetrieb zurück. Seinen Anteil hat er an seinen Neffen verkauft. Niklaus Zwingli, der den Anteil seines verstorbenen Vaters Hermann bereits 1992 – zusammen mit dem Hof – übernommen hatte, verantwortet den Lift nun alleine.

Generationen nach oben gebracht

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Sportbahn Krummenau-Wolzenalp AG hat sich in den Jahren gefestigt. Während Niklaus Zwingli davon profitiert, dass die Mitarbeiter der Sportbahn auch «seine» Piste präparieren, richtet er mit seinem kleineren Fahrzeug den Schlittelweg her. Vom Betrieb im Skigebiet bekommt er wenig mit, denn er widmet sich ganz und gar seinem Lift. Auch was an der Bar geht, kann er nur oft erahnen. Es sei denn, die Gäste sind noch immer dort, wenn die Anlagen längst ausser Betrieb sind. Er schmunzelt, wenn junge Erwachsene, die einst als Kinder hier Ski fahren gelernt hatten, über das «kleine Liftli» spötteln und das Weite in Form der grossen Bündner oder Österreicher Skigebiete suchen. Denn er weiss aus Erfahrung: Sie kommen wieder zurück, sobald sie den eigenen Spross auf die Skis stellen. «So ist’s in unserem Sinn. Der Stalden-Lift ist ein Familien-Lift.»

Der Skilift Stalden vor bald 50 Jahren: Offensichtlich gut besucht mit langen Warteschlangen. (Bild: Archiv Niklaus Zwingli)

Der Skilift Stalden vor bald 50 Jahren: Offensichtlich gut besucht mit langen Warteschlangen. (Bild: Archiv Niklaus Zwingli)