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Wollsocken sortieren

Brosmete

Wollsocke eins, Wollsocke zwei, Wollsocke drei... Fein säuberlich räume ich Paar für Paar in meine Schublade und merke, dass es jedes Jahr mehr werden. Egal ob grau, grün, rot-blau-gestreift – ich besitze alle Variationen. Möglichst dick müssen sie sein. Meist strickt sie mir meine Tante mit viel Liebe. Ich besitze sogar solche mit meinem Namen darauf. Aber es ist nicht so, wie Sie denken. Ich mag viele Ticks haben, aber einen für Wollsocken habe ich nicht. Ich leide am Eis-Füsse-Syndrom. Sobald die Temperaturen im Herbst sinken, geht es los: Die Zehen werden taub und kalt. Es ist, als ob sie in den Winterschlaf gehen würden. Sie verabschieden sich von meinem restlichen Körper. Sockenlose Nächte sind nur noch schwer zu ertragen. Nichts ist schlimmer als Eis-Zehen, die zufällig meine Beine berühren. Ich fühle mich jeweils, als hätte ich eine Tatort-Leiche neben mir liegen. So kalt sind sie. Lautes Fluchen und Schlaflosigkeit sind meist die Folge. Doch bei meiner Hamburger Freundin ist es noch schlimmer. Als ich kürzlich bei ihr zu Besuch war, hielt ich ihre dickgefütterten Schuh-Socken erst für Finken. Erst als sie sich damit neben mich ins Bett legte, war ich irritiert. «Wollsocken alleine helfen schon lange nicht mehr», sagte sie und streckte ihre Füsse unter die warme Bettdecke. Sollte ich mir vielleicht auch warme, flauschige Hausschuhsocken für ins Bett kaufen? Der Gedanke liess mich nicht mehr los – bis ich meine Wollsocken zu Hause einräumte. «Vier, fünf, sechs», zähle ich zu Ende. Ich sortiere sie nach Farbe und muss über mich schmunzeln. Die Wollsocken gehören zu mir wie die Hauben und Hüte zu den Silvesterchläusen. Es wäre doch schade, sie zu ersetzen. Bis im Frühling müssen sie mir noch ihre Dienste erweisen. Dann sind meine Zehen hoffentlich aus dem Winterschlaf zurück.

Stephanie Sonderegger

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