WOLFHALDEN: Zwischen Papas Bäumen

Daniela Pizio hat vor drei Jahren das Geschäft ihres Vaters übernommen. Zu Beginn machte sie es als Andenken an ihn. Mittlerweile ist es ihre Passion und bereitet ihr grosse Freude.

Arcangelo Balsamo
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Daniela Pizio verbringt einen grossen Teil ihrer Freizeit in ihrem «Wäldli» zwischen Tannenbäumen. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Daniela Pizio verbringt einen grossen Teil ihrer Freizeit in ihrem «Wäldli» zwischen Tannenbäumen. (Bild: Arcangelo Balsamo)

«Pflotschnass» sei sie gewesen, sagt Daniela Pizio. Schuld ist der Schnee, der in der Nacht von Sonntag auf Montag fiel. «Ich wurde komplett überrascht. Da kein Schnee angesagt war, standen die Christbäume im Freien. Deshalb musste ich sie heute in der Früh alle schütteln, um sie vom Schnee zu befreien.» Am Nachmittag waren die geschnittenen Nadelbäume dann wieder vom Schnee befreit und bereit für die Kundschaft.

Die Bäume stammen aus dem «Wäldli» hinter dem Elternhaus von Daniela Pizio, das auf dem Weg von Wolfhalden in Richtung Heiden liegt. Gepflanzt wurden die Tannenbäume von ihrem Vater Fermo, der über zwanzig Jahre lang Christbäume verkauft hatte. Wie viele es genau seien, wisse sie nicht. «Es sind Tausende», sagt sie, während ihr Blick über das «Wäldli» wandert. «Mein Vater hat jeden seiner Bäume geliebt», erinnert sie sich. Deshalb war für sie vor drei Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, rasch klar, dass jemand das Geschäft weiterführen müsse. «Da meinen drei Geschwistern die Zeit dazu fehlte, habe ich mich der Sache angenommen.»

Zu Beginn habe sie es besonders als Andenken an ihren verstorbenen Vater gemacht. Mittlerweile ist es zu ihrer Passion geworden und bereitet ihr Freude. Sie könne nun nachvollziehen, warum ihr Vater, den sie liebevoll «Bappe» nennt, jede freie Minute zwischen den Nadelbäumen verbrachte, sagt Daniela Pizio. «Es ist so friedlich im Wald und es gibt mir die Möglichkeit, aus dem Alltagsstress auszubrechen. Ausserdem gibt es viel zu entdecken: Rehe, Eichhörnchen, Füchse, ja sogar einen Dachsbau habe ich gefunden.»

Das Schöne an ihrer Aufgabe sei jedoch nicht nur, dass sie viel Zeit in der Natur verbringen könne, sondern natürlich der Verkauf an den Tagen vor Weihnachten. «Besonders das Zwischenmenschliche macht es aus. Oft erzählen die Kunden, wer an Weihnachten zu Besuch kommt und was gekocht wird», sagt die 49-Jährige, die als Kosmetikerin arbeitet. Ab und zu müsse sie auch Schiedsrichterin spielen, wenn sich Paare nicht einigen können. «Es ist erstaunlich, wie pingelig manche Leute bei der Auswahl des Christbaumes sein können», sagt sie dazu. Doch schlussendlich finde jeder den passenden Baum. «Wenn man unter den bereits geschnittenen nicht den richtigen findet, dann besteht die Möglichkeit, sich einen im Wald auszusuchen. Einige kommen bereits im Oktober, um das zu tun.»

Kaffee, Punsch, Glühwein und Guezli
Viele ihrer Kunden kommen jährlich vorbei, um sich einen Christbaum zu kaufen und bei einem Schwatz eine Tasse Kaffee, Punsch oder Glühwein zu trinken. Dazu gibt es Weihnachtsguezli. «Das gehört einfach dazu», so Daniela Pizio. Oft erinnern sich die Leute während der Gespräche an ihren Vater. «In solchen Momenten spüre ich, wie gern ihn die Leute hatten.»

Daniela Pizio schmeisst den Laden aber nicht ganz alleine. «Gute Freunde von mir und meine Familie helfen mir dabei», sagt sie. Sie nennt sie «ihre Engeli». «Wichtig ist, dass es ihnen Freude bereitet. Schliesslich ist Weihnachten ein Fest, das aus dem Herzen kommt.»