WOLFHALDEN: Mit Spenden zum zweiten Kind

Emil und Martina Koller wünschen sich Nachwuchs. Da dies auf natürlichem Weg nicht möglich ist und sie nicht genug Mittel für die nötigen Eingriffe haben, lancieren sie einen Spendenaufruf.

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Emil und Martina Koller und ihre acht Monate alte Tochter Alina. (Bild: PD)

Emil und Martina Koller und ihre acht Monate alte Tochter Alina. (Bild: PD)

Arcangelo Balsamo
arcangelo.balsamo@appenzellerzeitung.ch

«Adressiert an alle lieben Mitmenschen» steht auf dem Brief, der in den vergangenen Tagen in den Briefkästen der Region gelandet ist. Im Innern des Umschlags befindet sich ein Schreiben, in dem Emil und Martina Koller, wohnhaft in Wolfhalden, um Hilfe für das «Projekt pro Baby – ein Geschwisterchen für Alina» bitten. Bisher haben sie 190 Briefe in Heiden, 70 in Rheineck und auch einige in St.Margrethen verteilt. «Es liegen noch 200 weitere bereit, die wir in den kommenden Tagen in Briefkästen einwerfen werden», kündigt Martina Koller an.

Im Schreiben bitten sie um finanzielle Hilfe für die Zeugung eines zweiten Kindes. Dem Paar ist es aus medizinischen Gründen nämlich unmöglich, auf natürliche Weise ein Kind zu bekommen, und deshalb sind sie auf die Reproduktionsmedizin angewiesen. Ein solcher Eingriff kostet 13000 Franken und glückt statistisch gesehen nur in einem von drei Fällen. Bis Martina Koller schwanger wurde, waren vier Versuche notwendig. «Der Weg zu unserem Wunschkind war beschwerlich und nervenzehrend», schreibt das Paar im Brief.

Reaktionen, sowohl negative als auch positive, haben sie bisher kaum erhalten. «Als Erstes hat sich die Polizei bei uns gemeldet», sagt Emil Koller. «Sie wollten sicher sein, dass es sich dabei um kein Schneeballsystem handelt. Als sie festgestellt haben, dass wir reale Personen sind und uns nicht einfach mit einer linken Masche bereichern wollen, legten sie den Hörer wieder auf.» Dass die Polizei dies überprüft habe, sei für die beiden kein Problem. «Ich weiss bei Spendenaufrufen schliesslich auch nie, ob es sich um echte Hilfsorganisationen handelt», sagt Emil Koller. «Neben dem Anruf der Polizei haben wir noch einen Umschlag mit 20 Franken erhalten», so der 47-Jährige, der als Logistiker arbeitet.

Bevor sie sich entschlossen, den Brief in Umlauf zu bringen, hätten sie mehrere Optionen überprüft, sagt das Paar. «Einen Kredit aufnehmen oder in der Familie nach Geld fragen wollten wir nicht.» Stattdessen versuchen sie nun mit ihrem Brief, an die nötigen finanziellen Mittel zu gelangen. Dass die Aktion auch negative Reaktionen hervorrufen könnte, nehmen die beiden in Kauf. «Wir mussten uns bereits verteidigen, als wir begonnen haben, es mit der künstlichen Befruchtung zu versuchen. In den ganzen Jahren legt man sich eine dicke Elefantenhaut zu», so die 45-jährige Martina Koller. Seit dem fünften Monat der Schwangerschaft mit Alina ist sie nicht mehr berufstätig und kümmert sich seither um den Haushalt. Sie schaue sich jedoch mittlerweile nach einer Stelle um, wo sie abends putzen oder Büroarbeiten erledigen könne.

Nur im Ausland möglich

«Weil es in der Schweiz Über-40-Jährigen nicht möglich ist, die Reproduktionsmedizin zu nutzen, müssen wir dafür jeweils ins Ausland», erklärt Martina Koller und fügt an, dass dadurch weitere Kosten entstünden. «Insgesamt haben wir in den letzten Jahren 70000 Franken ausgegeben», sagt ihr Ehemann und fügt an, dass es bei der Aktion um ihre achtmonatige Tochter Alina gehe. «Wir leben in einem Quartier, in dem es keine anderen Kinder hat, und möchten nicht, dass sie ohne Gspänli aufwächst», so Emil Koller. Er betont, dass es nicht auf Biegen und Brechen neuerlich Nachwuchs geben müsse. «Aber wir wünschen es uns für unsere kleine Tochter.»

Ein Umzug in ein Quartier mit mehr Kindern oder eine Adoption schliesst das Paar aus. «Wir haben das Haus vor zwanzig Jahren gekauft und seither mit eigenen Mitteln umgebaut. Und eine Adoption ist sehr umständlich und auch nicht günstig.»