WOLFHALDEN: Geistliche Lieder

Das jährliche Frühlingskonzert gestaltete der Kammerchor der Universität Heidelberg.

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Am frühen Sonntagabend lud der Verein «kukkik – Kirche und Kultur, Kultur in der Kirche» zu einem Konzert mit geistlichen Liedern aus dem Norden ein. Ausführend war die Camerata Carolina, der rund vierzigköpfige Chor der Universität Heidelberg. Auf dem Programm standen kirchliche Gesänge aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts bis hin zu den neuesten Werken des noch jungen 21. Jahrhunderts. Auch geografisch deckte das Programm eine breite Region ab.

Die Heimat der Komponisten erstreckt sich von Dänemark über Skandinavien und die baltischen Staaten bis nach Russland. Die Vorträge der Heidelberger waren geprägt von einer starken dynamischen Gestaltung der Liedwerke. Das machte das Liedgut für das Publikum lebendig. Die unterschiedlichen Stilrichtungen der Epochen und die verschiedenen Einflüsse der Liturgien – katholisch, evangelisch, lutheranisch oder russisch-ortho­dox – machten das Konzert ab­wechslungsreich und im Vergleich interessant. Für die Sänger, aber auch für das Publikum anspruchsvoll waren etwa die modernistischen Klangwelten des estnischen Komponisten Arvo Pärt (geboren 1935) in seinem «An den Wassern Babels sassen wir und weinten» und seinem «Da pacem, domine». Fröhlich, fast in der Tonsprache eines Wanderliedes, kam dagegen «Ära vare gud i höjden» (Ehre sei Gott in der Höhe) des Schweden Johann Geord Lotscher (1733 bis 1805) daher. Und interessante Rhythmen kamen in «Ave vera virginitatis» des 1954 in Vilnius geborenen Litauers Vytautas Miškinis zur Geltung.

Insgesamt trug der Chor der Universität Heidelberg unter der Leitung von Franz Wassermann am Konzert in Wolfhalden 19 geistliche Lieder aus dem Norden vor und begeisterte damit sein Publikum. Mit stürmischem Applaus verlangten die Zuhörer nach dem Verklingen des kraftvollen Rufs nach gesungenem Gottesdienst mit «Cantate Domino» (Singet dem Herrn!) von Vytautas Miškinis eine Zugabe. Der Chor gewährte sie gerne, obwohl die Sänger bereits rund 90 Minuten pausenlos im Einsatz waren. Alleine das war schon bewundernswert!

Als Zugabe hatte der Chor ein selten aufgeführtes Werk von Gustav Mahler (1860–1911) vorbereitet. «Ich bin der Welt abhanden gekommen» stammt aus dem Liederzyklus «Kindertotenlieder» nach Texten von Friedrich Rückert. Rückert hatte den Tod zwei seiner Kinder zu verarbeiten, Mahler hatte elf Geschwister, von denen sechs im Kindesalter starben. Die Camerata Carolina interpretierte dieses Lied in einem Arrangement für 16-stimmigen Chor und Klavier von Clytus Gottwald. Am Flügel wurde das formschöne Klagelied von Sören von Bülow begleitet. Und noch einmal wurde die virtuose Leistung der Heidelberger mit tosendem Applaus bedacht.

Max Pflüger

redaktion@appenzellerzeitung.ch

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