WOLFHALDEN: Einblicke in die Webereitradition

Im Museum «Alte Krone» ist die Saison mit der Sonderausstellung «Spulen und Weben im Appenzeller Vorderland» eröffnet worden.

Peter Eggenberger
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Ernst Züst, Präsident des Museumsvereins, und Vorstandsmitglied Verena Roesli begutachten den 100-jährigen Handwebstuhl. (Bild: PE)

Ernst Züst, Präsident des Museumsvereins, und Vorstandsmitglied Verena Roesli begutachten den 100-jährigen Handwebstuhl. (Bild: PE)

Peter Eggenberger

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Die Seidenweberei war die bedeutendste Heimindustrie im Appenzeller Vorderland. Allein für die Thaler Firma Dufour & Co. (später Schweizerische Seidengazefabrik, heute Sefar AG) standen 1622 hölzerne Handwebstühle im Einsatz.

Platziert waren die Geräte in unzähligen Kellern der typischen Weberhöckli. Der Mann werkte im Webkeller, und seine Frau war in der Stube am Spulrad beschäftigt. Zusätzlich wurde eine Kleinstlandwirtschaft mit wenigen Tieren, Gemüsegarten und etwas Obstbau betrieben. Die Kombination Weben und Bauern sicherte den meist kinderreichen Familie das Überleben.

100 Jahre alter Webstuhl Marke «Kontermarsch»

Die Sonderausstellung im Museum Wolfhalden bietet informative Einblicke in die damaligen Verhältnisse, die mit der Gewebefertigung in Fabriken (in Thal wurde 1937 die erste Fabrik eröffnet) nach und nach verschwanden. Wenig später entstanden auch in Wolfhalden und Heiden Webereien. Die Heimweber hatten sich nun für die Arbeit in der Fabrik oder aber den Ausbau der Landwirtschaft zu entscheiden. Markanter Blickfang der neuen Ausstellung ist der rund hundert Jahre alte Leinenwebstuhl der seinerzeitigen Manufaktur «Kontermarsch». Der Stuhl Modell «Schiers» wurde im Prättigau produziert und fand vor rund fünfzig Jahren den Weg nach Trogen. Die heutige Eigentümerin stellte ihn dem Museum zur Verfügung.

Nach Möglichkeit wird am traditionsreichen Gerät gearbeitet, so dass das faszinierende Entstehen von leinenen Stoffen hautnah mitverfolgt werden kann.

Zahlreiche weitere Gerätschaften, aber auch Bilder und Dokumente wie etwa Exemplare der in Wolfhalden redigierten Zeitung «Der Seidenweber» bereichern die sehenswerte Sonderschau.

Öffnungszeiten

Das Museum ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.