WOLFHALDEN: Ärger über tote Hühner

Das Veterinäramt hat 70 Hühner schlachten lassen - sie wurden bei der Hofräumung beschlagnahmt. Dies kritisiert der Anwalt des Bauern scharf. Kantonstierarzt Sascha Quaile verteidigt die Vorgehensweise.

Jesko Calderara
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Für 18 der 90 beschlagnahmten Hühner fand das Veterinäramt ein neues Zuhause. (Bild: Donato Caspari)

Für 18 der 90 beschlagnahmten Hühner fand das Veterinäramt ein neues Zuhause. (Bild: Donato Caspari)

Der Fall sorgte Anfang September schweizweit für Schlagzeilen. In Wolfhalden wurde ein Hof mit 52 Schafen, 8 Ziegen und knapp 200 Hühnern geräumt. Grund für diese Massnahme war ein Tierhalteverbot gegen den Besitzer, das bereits seit 2012 bestand. Unter anderem stellte das kantonale Veterinäramt in der Hühnerhaltung Mängel im Tierschutz fest.

Den Abtransport eines Teils der Tiere organisierte der fehlbare Bauer selbst. 90 Hühner wurden beschlagnahmt. «Der Tierhalter und die Eigentümerin der Tiere haben es unterlassen, diese rechtzeitig vom Hof zu bringen», sagt Kantonstierarzt Sascha Quaile. Unterdessen ist das Schicksal der Hühner bekannt: 70 wurden zu Lebensmittelzwecken geschlachtet, zwei mussten aus gesundheitlichen Gründen getötet werden und die übrigen haben ein neues Zuhause erhalten

Schwierige Vermittlung von Hühnern

Laut Quaile hat der Kanton keine Möglichkeit, beschlagnahmte Tiere bei sich unterzubringen. Das Veterinäramt sei aber bemüht gewesen, die Hühner über Bauernverbände, Tierschutzorganisationen, Landwirtschaftsamt und Privatpersonen zu vermitteln. 18 Stück hätten auf diese Weise weitergegeben werden können, sagt Quaile. Er weist aber gleichzeitig auf die Schwierigkeiten dieses Unterfangens hin. Oftmals führten die unklaren Gesundheitszustände dazu, dass Tierhalter Hühner aus seuchenhygienischen Gründen nicht in bestehende Haltungen integrierten wollten, betont Quaile.

Zwar hat das Veterinäramt die relevanten Tierseuchen abgeklärt, andere Krankheiten jedoch konnten nicht ausgeschlossen werden. Auch das Alter und die Legeleistung von Hühnern seien Anschaffungskriterien für einen Tierhalter, sagt Quaile.

Rechtsstreit geht vor dem Obergericht weiter

Kein Verständnis für die Vorgehensweise des Veterinäramtes zeigt Werner Ritter. Er ist der Anwalt des Bauern. Die Hühner hätten jedoch dessen Tochter gehört, sagt Ritter. «Ich frage mich, warum für die Tiere kein neues Zuhause gesucht wurde.» Es sei widersinnig, unter dem Deckmantel des Tierschutzes die Hühner einfach zu schlachten, betont Ritter. Zumal diese bei der Hofräumung gesund gewesen seien. Dies bestätigte der Kantonstierarzt auch an der Medienkonferenz. Danach sollen allerdings Teile der Tiere unter der Obhut des Kantonstierarztes krank geworden sein, weil sie ungeeignet unterbracht waren. Dies behauptet jedenfalls Ritter. «Der Transport und das Gewöhnen an die neue Umgebung waren für sie ein Stress.» Dieser Einschätzung ­widerspricht Quaile. Die Hühner seien nicht erst im neuen Betrieb krank geworden. Drei Tage nach der Hofräumung habe das Veterinäramt die Hühner im neuen Bestand kontrolliert und mehrere Tiere mit Schnupfensymptomen festgestellt.

Ritter ärgert sich noch über einen weiteren Aspekt. Er habe über den Verbleib der beschlagnahmten Hühner keine Auskunft erhalten. «Von der Tötung habe ich von dritter Seite erfahren.» In der nach der Räumung versendeten Medienmitteilung versprach der Kanton dagegen, dass die Eigentümerin bestimmen könne, was mit den Tieren geschehen soll. Dies sei auch erfolgt, entgegnet der Kantonstierarzt. «Die Eigentümerin verzichtete von sich aus schriftlich auf die Tiere.» Damit habe sie sich ihrer Verantwortung entledigt. Eine Rückkehr in die geräumte Tierhaltung schloss das Veterinäramt aus.

Noch ist der jahrelange Streit um das Tierhalteverbot nicht beendet. Die involvierten Parteien treffen sich im Januar 2018 vor dem Ausserrhoder Obergericht.