Wohnheim Steig hat Finanzsorgen

APPENZELL. Der Kanton Appenzell Innerrhoden setzt beim Wohnheim Steig zur Abgeltung der Leistungen auf ein neues Finanzierungsmodell. Dies sorgte für Diskussionen an der diesjährigen Generalversammlung.

Esther Ferrari
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Präsident Jakob Signer, der neue Kassier Lukas Enzler und der abtretende Fefi Sutter. (Bild: ef)

Präsident Jakob Signer, der neue Kassier Lukas Enzler und der abtretende Fefi Sutter. (Bild: ef)

An der am Donnerstag abgehaltenen GV der Werkstätte und des Wohnheims Steig in Appenzell waren 48 Stimmberechtigte anwesend. Die Jahresrechnung wurde einstimmig genehmigt, ebenso der Voranschlag 2015, obwohl dieser einen Verlust von 311 000 Franken ausweist. Grund dafür ist der Wechsel von der Defizit- zur Pauschalfinanzierung.

Grund für Finanzloch

Präsident Jakob Signer ist in Sorge wegen der kommenden Finanzlage. «Wir wissen nicht, ob das Finanzloch nur eine Folge des Systemwechsels ist und sich die Situation in zwei, drei Jahren wieder einpendelt.» Er bat Antonia Fässler um ihre Stellungnahme. «Ich halte fest», so Antonia Fässler, «dass der Kanton seine Verantwortung hinsichtlich der Steig und seiner Bewohner jederzeit wahrgenommen hat und weiterhin wahrnimmt, auch mit dem vorliegenden Finanzierungsangebot.»

Der Kanton setzt den festen Rahmen. Im Jahr 2014 bezahlte er 931 000 Franken Kantonsbeiträge an die Steig. Im Voranschlag 2015 ist der Kantonsbeitrag auf 644 000 Franken reduziert worden. Die Begründung dieser Reduktion ist der Paradigmenwechsel von der Defizitfinanzierung zur Pauschalfinanzierung. In diesen Pauschalen werden die anrechenbaren Abschreibungen gegenüber den Vorjahren gekürzt. Die Kosten von Belegungslücken werden nicht mehr gedeckt. Unterstützt bei der Einführung des neuen Finanzierungssystems wurde Innerrhoden vom Sozialamt des Kantons Graubünden.

Zu diesem Thema nahm auch Fefi Sutter, der an diesem Abend zurücktretende Kassier, Stellung. Er bedauerte den Paradigmenwechsel. «Der Kanton hat neue Leistungen bestellt, welche die Stääg wunschgemäss umsetzte, die dann aber trotz vorgängiger Zusicherung nicht entschädigt wurden.» Die Kosten, meinte er, sollten mit dem Grossraum St. Gallen verglichen werden und nicht mit einem Kanton ausserhalb der Region.

Rücktritt und Neuwahl

Präsident Jakob Signer wies trotz den Sorgen auf die weiterhin erfreuliche finanzielle Situation der Stääg hin: hohe Liquidität und schuldenfreie Immobilien. Gutes wusste er aus dem Wohnheim und der Werkstatt unter der Leitung von Geschäftsführer Heinz Brander zu berichten. Aber auch da seien die Löhne und Sozialleistungen gestiegen, was ebenfalls Mehrkosten verursache. In der Werkstätte stieg die Zahl der Betreuten von 47 auf 50. Im Wohnheim wurden im vergangenen Jahr 22 Personen betreut. In der Werkstatt wie im Heim sind noch zwei Plätze frei. Arzt Andreas King vom Aufsichtsrat warnte vor zu viel Aufwand für die Administration. Der Fokus sollte auf die Betreuung der Bewohner gerichtet sein.

Auf den zurücktretenden Fefi Sutter folgt Lukas Enzler.