WOHNEN: Zeitzeugen mit vier Wänden

Im Toggenburg sind so viele Gebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt worden, wie sonst nirgends im Kanton. Seit zwei Jahren wird stärker auf Neubauten gesetzt.

Ruben Schönenberger
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Trendwende: wachsende Zahl von Neubauten, hier am Thurufer bei Wattwil. (Bild: Ruben Schönenberger)

Trendwende: wachsende Zahl von Neubauten, hier am Thurufer bei Wattwil. (Bild: Ruben Schönenberger)

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger

@ toggenburgmedien.ch

Könnten die Wohngebäude im Toggenburg sprechen, sie könnten von längst vergangenen Zeiten erzählen. Fast die Hälfte aller Gebäude (rund 46 Prozent oder 6788 Gebäude) wurde vor dem Ende des zweiten Weltkriegs erbaut. Der Grossteil davon (5606 Gebäude) gar vor 1919. Fast jedes vierte Gebäude im Thur- und Neckertal wurde also vor oder während des ersten Weltkriegs erbaut. Nirgends sonst im Kanton St. Gallen ist eine vergleichbare Situation anzutreffen. Dies zeigen die neusten Zahlen der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen.

Auch auf Gemeindeebene zeigt sich wenig überraschend ein ähnliches Bild. Betrachtet man die Anzahl Gebäude, die vor 1919 erbaut wurden, finden sich in den Top Ten nur gerade drei Gemeinden, die ausserhalb des Thur- und Neckertals liegen. Spitzenreiter in dieser Betrachtung ist Hemberg, dicht gefolgt von Neckertal. In den beiden Gemeinden wurde fast jedes zweite Haus vor 1919 erbaut. In der Gemeinde Hemberg sind das 222 von 445 Gebäuden, in Neckertal 751 von 1506. Selbst die Toggenburger Gemeinde mit dem geringsten Anteil so alter Häuser, Wildhaus-Alt St. Johann, weist noch einen Anteil von rund 27 Prozent aus und liegt nur ganz knapp ausserhalb des obersten Drittels.

Betrachtet man alle Gebäude, die vor 1946 erbaut wurden, ändert sich das Bild nur geringfügig. Wieder sind sieben Toggenburger Gemeinden in den kantonalen Top Ten zu finden. Allerdings muss das Thur- und Neckertal den ersten Platz Richtung Bodensee abtreten. In Rorschach sind beinahe zwei von drei Gebäuden vor 1946 erbaut worden.

Trendwende könnte sich abzeichnen

Die Spitzenplätze des Thur- und Neckertals sind auch darauf zurückzuführen, dass die Bautätigkeit in den letzten knapp 20 Jahren unter derjenigen im restlichen Kanton liegt. Die Fachstelle für Statistik weist den Wohnungsbestand jeweils zum Jahresende aus. Im Vergleich zum 31. Dezember 1996 hat sich der Bestand im Toggenburg bis zum Ende des Jahres 2015 um rund 14 Prozent gesteigert. In allen anderen Wahlkreisen ist die Steigerung grösser. Teils beträchtlich grösser: Im Sarganserland hat sich der Bestand um fast 40 Prozent gesteigert. Allerdings könnte sich eine Trendwende abzeichnen. Während der Wohnungsbestand bis Ende 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit einer Ausnahme immer um weniger als ein Prozent gewachsen ist, zeigen die Zahlen der letzten zwei Jahre auf, dass mehr gebaut wurde. Der Bestand hat sich in diesen um 1,57 Prozent (2014) beziehungsweise 1,36 Prozent (2015) gesteigert.

Nachfrage nach Neubauten unklar

Unsicher ist jedoch, wie stark die Nachfrage nach solchen Neubauten ist. Trotz leichtem Bevölkerungswachstum standen 2016 so viele Neubauten leer wie seit 1998 nicht mehr. Und das trotz einer leicht gesunkenen Leerwohnungsziffer. Diese bezeichnet den Anteil an nicht vermieteten Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand. 2016 betrug sie 1,9 Prozent (Vorjahr: 1,97).

Entsprechend hat sich auch der Anteil der unbewohnten Neubauten an sämtlichen leeren Wohnungen vergrössert. Rund jede zehnte leer stehende Wohnung wurde erst in den letzten zwei Jahren erstellt. Bei dieser Betrachtung ist allerdings Vorsicht geboten. Einerseits ist das eine Momentaufnahme, andererseits handelt es sich in absoluten Zahlen um lediglich 49 neu erstellte Wohnungen, die zu diesem Zeitpunkt leer standen.