Wohneigentum frühzeitig übertragen?

Das pensionierte Ehepaar F. macht sich schon länger Gedanken, wie es mit ihrem selbstbewohnten Haus weitergehen soll. Verschiedene Möglichkeiten haben sie in Diskussionen unter sich oder mit Bekannten bereits erwägt.

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Das pensionierte Ehepaar F. macht sich schon länger Gedanken, wie es mit ihrem selbstbewohnten Haus weitergehen soll. Verschiedene Möglichkeiten haben sie in Diskussionen unter sich oder mit Bekannten bereits erwägt.

Es wird viel erzählt

Schon mehrmals haben sie den Rat bekommen ihr Haus vorsorglich an den Sohn abzutreten. Bei einem allfälligen späteren Pflegeheimaufenthalt würde sonst auf das Haus zurückgegriffen und sie könnten dieses verlieren. Wenn die Eigentumsübertragung aber bereits fünf Jahre zurückliege, würde dies nicht mehr zählen, erzählte man ihnen.

Schenkung schmälert Vorsorge

Um sicher zugehen wendet sich das Ehepaar an Pro Senectute, wo ein Beratungsgespräch vereinbart wird. Der Sozialarbeiter hört sich das Problem und die Fragen der beiden an. Er erklärt die Zusammenhänge zwischen Altersvorsorge, einer allfälligen Finanzierung eines Pflegeheimes und einer Schenkung. Dies stellt sich hier wie folgt dar: Die Altersvorsorge besteht aus AHV, Rente der Pensionskasse und dem Vermögen, welches zum grössten Teil im Wohneigentum liegt. Das Haus hat einen Marktwert von 450 000 Franken und es lastet darauf eine Hypothek von 120 000 Franken. Wird die Liegenschaft nun günstig auf den Sohn übertragen, so haben die Eltern einen Teil ihres Vermögens verschenkt. Übernimmt der Sohn das Haus beispielsweise zum Vorzugspreis von 300 000 Franken, so haben die Eltern auf Einnahmen von 150 000 Franken verzichtet. Dies ist eine Schenkung zulasten der eigenen Altersvorsorge.

Ergänzungsleistung wird kleiner

Im Fall des Ehepaares F. wäre dies gut machbar, verbliebe ihnen nach Rückzahlung der Hypothek doch immer noch ein Erlös von 180 000 Franken. Zusammen mit AHV und Pensionskasse hätten sie weiter eine sorgenfreie Existenz. Nun muss der Sozialarbeiter aber auf das Risiko einer Heimfinanzierung hinweisen. Was wäre, wenn im höheren Alter tatsächlich ein Pflegeheimaufenthalt nötig würde? Monatliche Selbstkosten von 6000 Franken und mehr sind keine Seltenheit. Im Normalfall können diese aber in Kombination aus eigener Altersvorsorge und zusätzlichen Leistungen der Sozialversicherungen gedeckt werden. Eine Anmeldung für AHV-Ergänzungsleistungen (EL) wäre nötig. Und nun kommt die Schwierigkeit: Die EL prüft, zu welchen Bedingungen Wohneigentum verkauft wurde und ob Schenkungen erfolgt sind. Und das nicht nur auf fünf oder zehn Jahre zurück, wie irrtümlich häufig angenommen wird. Nein, auf unbeschränkte Zeit. Wird nun eine Schenkung festgestellt, in unserem Beispiel 150 000 Franken, so wird diese beim Vermögen angerechnet, wie wenn das Geld noch vorhanden wäre. Nur pro vergangenes Jahr seit erfolgter Schenkung wird der errechnete Betrag um 10 000 Franken reduziert. In unserem Beispiel wird die Schenkung somit erst nach 15 Jahren getilgt sein. Dieses hypothetische Vermögen in der EL-Berechnung führt dazu, dass die Zusatzrente der EL für die Pflegeheimfinanzierung kleiner ausfällt oder sogar verpasst wird. Vielleicht kann schliesslich die Heimrechnung nicht mehr bezahlt werden.

Andere Möglichkeiten

Herr und Frau F. nehmen im Gespräch bei Pro Senectute zur Kenntnis, dass beim Verschenken von grösseren Vermögensteilen Probleme bei einer allfällig nötigen Pflegeheimfinanzierung entstehen könnten. Die Altersvorsorge inklusive Vermögen ist primär für den eigenen Lebensunterhalt, auch in besonderen Situationen, bestimmt. Und Garantien oder Tricks, dass man den Kindern Vermögen hinterlassen kann, gibt es nicht. Allerdings bleibt die Möglichkeit, das Haus bereits heute zu einem marktüblichen Preis an die Angehörigen zu verkaufen. Wird dann im Vertrag noch ein lebenslängliches Wohnrecht eingeräumt, so senkt dies den Verkaufspreis erheblich. Dies ist ein Lösungsvorschlag, den das Ehepaar mit ihrer Familie besprechen will. Herr und Frau F. sind froh, sich fachlichen Rat eingeholt zu haben.

Urs Meier, Sozialarbeiter Pro Senectute Toggenburg-Wil

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