Wohlbefinden ist wichtig

TOGGENBURG. Am nationalen Spitextag von morgen Samstag, 5. September, wird über das Thema Qualität reflektiert. Vier Mitarbeiterinnen der Spitex Mittleres Toggenburg erklären, was sie unternehmen, um die Qualität zu sichern.

Sabine Schmid
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Halten Qualitätsstandards in der Spitex hoch: (Von links) Marlis Haab, Nadine Högger, Trudi Fischer und Annelies Wittenwiler. (Bild: Sabine Schmid)

Halten Qualitätsstandards in der Spitex hoch: (Von links) Marlis Haab, Nadine Högger, Trudi Fischer und Annelies Wittenwiler. (Bild: Sabine Schmid)

Was verstehen Sie bezüglich Ihrer Arbeit unter Qualität?

Trudi Fischer: Das ist vielschichtig. Für mich gehört zur Qualität, dass wir einen Pikettdienst aufrecht erhalten. So können uns die Klienten während 24 Stunden erreichen, wenn es ihnen nicht gut geht oder wenn sie etwas von uns brauchen. Zur Qualität gehört auch, dass wir einen Spätdienst haben, so dass die Klienten nicht mehr um 18 oder 19 Uhr ins Bett gehen müssen, wie das lange Zeit der Fall war.

Marlis Haab: Da ich für die Hygiene zuständig und entsprechend ausgebildet bin, liegt mir am Herzen, dass hier die Qualität stimmt. Dazu gehört mehr als die Hände zu desinfizieren. Ich bringe das Thema immer wieder bei Sitzungen ein und betreibe so Weiterbildung.

Nadine Högger: Wichtig, um die Qualität unserer Leistungen zu sichern, ist auch die Dokumentation. Wir informieren uns so, was bei den Klienten in den Tagen zuvor gemacht wurde und welche Veränderungen es gegeben hat.

All dies betrifft die Qualität der Pflege. Ist es für Sie eine Selbstverständlichkeit, ein gewisses Qualitätslevel zu halten?

Högger: Wir haben Checklisten, anhand deren wir den Betrieb fortwährend durchleuchten und überprüfen, ob wir den Qualitätsstandard erfüllen oder ob wir etwas anpassen müssen.

Fischer: Bei uns arbeiten zahlreiche ausgebildete Pflegefachfrauen, so dass wir eine hohe Qualität aufweisen. Ergänzt werden sie im Team durch weitere Pflegerinnen. So können wir alle Frauen gezielt einsetzen.

Also macht nicht jede alle Arbeiten?

Fischer: Es kommt auf den Klienten an. Die Pflegerinnen wie auch die diplomierten Pflegefachfrauen übernehmen die Grundpflege. Wo aber Medikamente gerichtet oder Spritzen verabreicht werden müssen, stehen diplomierte Pflegefachfrauen im Einsatz.

Högger: Aus meiner Sicht ist es ein Vorteil, wenn sich die Pflegerinnen abwechseln. Dies mag für den Klienten nicht immer angenehm sein. Aber es ist möglich, dass jemandem etwas auffällt, der den Klienten nicht täglich sieht. Ich denke, dass es ein grosser Vorteil ist, dass nicht immer dieselbe Pflegerin zum Klienten geht.

Fischer: Und wir können unser grosses Fachwissen in gewissen Situationen nutzen.

Frau Wittenwiler, Sie arbeiten als Haushaltshilfe. Was ist für Sie Qualität in der Arbeit?

Annelies Wittenwiler: Unser Ziel ist es, dass sich unsere Klienten wohl fühlen und in der Wohnsituation leben, die sie gewohnt sind. Ich wäre froh, wenn mich jemand bei schwereren Hausarbeiten unterstützen würde, wenn ich dies nicht mehr selber erledigen könnte.

Fischer: Die Qualität der Haushaltshilfe besteht auch darin, dass sie das Feeling hat, wie ein Mensch gelebt hat, wie er es gewohnt ist und wie er es gerne hat.

Wer passt sich an, die Spitex-Mitarbeiterin oder der Klient?

Wittenwiler: Wir sind es, die sich dem Klienten anpassen. Wenn jemand selber abstauben will, dann nehmen wir das an und machen es nicht. Bei vielen Arbeiten richten wir uns aber nach Standards.

Fischer: Dabei geht es vor allem um die Reihenfolge und um das Tempo.

Sowohl in der Pflege als auch in der Hauswirtschaft stehen Sie unter einem zeitlichen Druck. Besteht da nicht die Gefahr, dass die Qualität darunter leidet?

Fischer: Die Aufgabe, die nach Bedarfsabklärung ausgeführt wird, leidet nicht unter dem Zeitdruck und dafür ist genügend Zeit eingerechnet. Es reicht aber nicht aus für einen gemütlichen Kaffeeplausch, da die Mitarbeiterin zum nächsten Klienten gehen muss.

Högger: Man kann aber viel zwischendurch hineinpacken. Wenn ich einen Klienten wasche, rede ich mit ihm und das geniesst er dann auch.

Wittenwiler: Ist es nicht so, dass sich die Klienten schon ein bisschen daran gewöhnt haben, dass unsere Zeit begrenzt ist?

Fischer: Ja, viele haben bereits Routine und wissen, dass sie ihre Anliegen am Anfang unseres Besuchs formulieren müssen.

Haab: Es gibt Klienten, die wir zwar täglich pflegen, aber weniger häufig duschen. Die freuen sich dann auf diesen Tag, wenn wir mehr Zeit zum Reden haben.

Ist ein Qualitätsanspruch von Seiten des Spitexverbandes vorgegeben?

Fischer: Wir mussten innerbetrieblich gewisse Aufgaben im Bereich der Qualität in Angriff nehmen, die uns der Schweizerische Spitexverband vorgibt. Ein Bereich ist die Sicherheit. Wir haben Mitarbeiterinnen, die sich in Wundversorgung, Hygiene, Sicherheit und als Ausbildungsverantwortliche weitergebildet haben. So ist es uns möglich, die Qualität zu gewährleisten.

Frau Haab, schauen Sie im Bereich Hygiene nun Ihren Arbeitskolleginnen vermehrt auf die Finger?

Haab: Nein, vieles wird bereits jetzt gemacht und ist selbstverständlich. Es geht in erster Linie um interne Schulungen und dass das Thema bei uns immer präsent ist. Ich stütze mich da auf Unterlagen.

Fischer: Im Bereich der Hygiene wird uns Frau Haab überprüfen, damit sie gewährleistet ist.

Sie hinterfragen und kontrollieren Ihre Arbeitsqualität auch immer wieder?

Fischer: Wir probieren laufend, uns zu verbessern und aktuelle Themen an unseren monatlichen Teamsitzungen aufzugreifen. Jede Mitarbeiterin hat dabei die Möglichkeit, ein Problem auf die Traktandenliste zu formulieren. Das wird rege genutzt, diskutiert und nachher auch umgesetzt. Wir haben zum Beispiel die Kontrolle der Medikamentenabgabe verbessert und das Vier-Augen-Prinzip eingeführt. Mit der Konsequenz, dass die Medikamente nicht mehr bei den Klienten zu Hause, sondern auf dem Stützpunkt gerichtet werden. Da wir auch ein Ausbildungsbetrieb sind, ist es für uns immer wieder eine Herausforderung, uns mit neuem Fachwissen auseinander zu setzen.

Werden Sie von den Klienten auch direkt auf das Thema Qualität angesprochen?

Fischer: Für die Klienten ist die höchste Qualität, dass sie sich aufgehoben fühlen.

Högger: Der 24-Stunden-Service trägt dazu bei, denn die Klienten wissen, dass wir erreichbar sind und bei Problemen jederzeit Hilfe leisten.

In welchen Fällen wäre dies der Fall?

Högger: Wenn sich der Klient unwohl fühlt und plötzlich erbrechen muss, oder wenn er stürzt.

Fischer: Auch in der terminalen Situation sind wir für die Klienten da. Einige haben Ängste und sind froh, wenn jemand da ist und sie unterstützt. Dabei geht es oft nicht ums Helfen, sondern ums Begleiten.

Haab: Zu dieser Begleitung der Klienten gehören auch die Angehörigen. Auch ihnen vermitteln wir Sicherheit, denn sie können uns anrufen, wenn sie unsicher sind.

Unterscheiden sich die Erfahrungen aus der Pflege vom Bereich Hauswirtschaft?

Wittenwiler: Ich denke schon. Im Haushalt sind die meisten Menschen mobiler. Für viele unserer Klienten ist es wichtig, dass die Haushaltshilfe regelmässig kommt, die Aufgaben erledigt und mit ihnen redet. Weil immer dieselbe Person hingeht, entsteht so auch ein Vertrauensverhältnis.

Fischer: Ich denke, das ist im Bereich Hauswirtschaft ganz wichtig. Die Haushaltshilfe dringt tiefer in die Privatsphäre der Klienten ein als die Pflegerin, darum ist das Vertrauensverhältnis so wichtig.

Wittenwiler: Ich finde das schön. Wir kennen unsere Klienten oft jahrelang und bauen unsere Leistung immer weiter aus.

Fischer: Wir geben vielen auch die Sicherheit, dass wir eine entsprechende Dienstleistung anbieten können, wenn ein gesundheitliches Problem auftaucht. Die Haushaltshilfe kann die Pflege kontaktieren und nachfragen, ob man Hilfe anbieten kann. Das ist den Klienten wichtig.

Wittenwiler: Das Vertrauen der Klienten in die Haushaltshilfe ermöglicht es ihnen, sich auch bei gesundheitlichen Problemen an sie zu wenden.

So sind Sie von der Pflege und von der Hauswirtschaft immer auch im Austausch über die Klienten?

Fischer: Wir haben regelmässig gemeinsame Sitzungen und alle können ihre Eindrücke einbringen, wenn sie bei einem Klienten Handlungsbedarf erkennen. Letztlich entscheidet aber der Klient, ob er Hilfe möchte. Weder wir noch die Kinder können das anordnen.

Wittenwiler: Am Anfang kann es für eine Hausfrau schwierig sein, Hilfe anzunehmen, wenn es die Kinder wollen.

Haben sich die Ansprüche der Klienten verändert?

Wittenwiler: Heute sagen die Klienten sehr wohl, was sie möchten und was nicht. Das war früher anders, da haben sich die Klienten weniger getraut, ihre Wünsche zu äussern.

Fischer: Ich bin seit etwa 15 Jahren dabei, und in dieser Zeit sind die Klienten selbstbewusster geworden. Früher waren sie einfach dankbar, dass die Spitex kommt, heute sind sie dies noch immer, formulieren aber vermehrt ihre Bedürfnisse.

Gibt es keine Forderungen, die die angebotenen Leistungen übersteigen?

Haab: Hier kommt unser Sicherheitskonzept zum Tragen. Wir haben eine klare Linie, wie weit unsere Leistungen gehen.

Fischer: Natürlich gibt es immer Leute, die gerne mehr hätten, gerade im hauswirtschaftlichen Bereich. Hier sind aber unsere Leistungen von der Krankenkasse definiert und die zahlt nur bei entsprechender Zusatzversicherung. Das führt mitunter zu schwierigen Situationen, vor allem, wenn jemand plötzlich krank wird.

Wittenwiler: Wir machen auch keine Fahrten zum Arzt oder in die Therapie.

Fischer: Das würde zu weit führen und mit dem Tixi und dem Rotkreuz-Fahrdienst gibt es für diese Fälle bereits Angebote. Da sind wir bei der Organisation behilflich, aber wir fahren nicht selber.