«Wohin mit der zweiten Kirche?»

Der Evangelischen Kirchgemeinde Ebnat-Kappel mangelt es an Räumlichkeiten für die Verwaltung und Veranstaltungen, dafür hat sie für Gottesdienste zu viel Platz. Die Kirchenvorsteherschaft versucht nun herauszufinden, wie sich das kirchliche Zentrum konzentrieren liesse.

Olivia Hug
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Zwei Kirchen, eine Kirchgemeinde: Die evangelischen Bürgerinnen und Bürger Ebnat-Kappels diskutieren darüber, was mit den Räumlichkeiten in Ebnat (links) und Kappel geschehen soll, damit ein einziges kirchliches Zentrum geschaffen werden kann. (Bilder: Olivia Hug)

Zwei Kirchen, eine Kirchgemeinde: Die evangelischen Bürgerinnen und Bürger Ebnat-Kappels diskutieren darüber, was mit den Räumlichkeiten in Ebnat (links) und Kappel geschehen soll, damit ein einziges kirchliches Zentrum geschaffen werden kann. (Bilder: Olivia Hug)

EBNAT-KAPPEL. Im Idealfall verfügen die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger der evangelischen Kirchgemeinde künftig über ein einziges kirchliches Zentrum. Es seien keine Überlegungen, die man sich aus finanziellen Gründen gemacht hat, welche diesem Wunsch vorausgehen, betonte Huli Bolt, Präsident der evangelischen Kirchenvorsteherschaft, am Dienstagabend anlässlich eines Diskussions- und Austauschforums über die Weiterentwicklung der kirchlichen Gebäude in Ebnat-Kappel. «Die Ausgangslage ist folgende: Unsere Raumsituation ist unbefriedigend.» Philippe Müller, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde, fügte an: «An einem Kirchen-Kaffee nach dem Gottesdienst in der Kirche Kappel wird es schnell eng im Pfarrhaus. Wir könnten nach Ebnat ausweichen, wobei auch dort Platz für höchstens 40 Personen vorhanden ist.»

Damit kurbeln die Verantwortlichen der evangelischen Kirchgemeinde ein Thema wieder an, über welches schon vor rund 40 Jahren diskutiert wurde: Man hat einen Kirchgemeindesaal zu wenig und eine Kirche zu viel im Dorf. Anders als damals, wird heute nicht mehr über den Abbruch der Kirche Kappel gesprochen – sondern über die Umnutzung einer der beiden Kirchen, bestenfalls deren Verkauf.

Einstimmig für Veränderung

Noch ist das Zukunftsmusik. Vorerst gilt es, herauszufinden, wie die evangelische Kirchbürgerschaft über die räumlichen Verhältnisse befindet. «Wir sind heute hier, um sowohl über unsere Überlegungen zu informieren als auch die Bedürfnisse der Bevölkerung herauszuspüren», sagte Paul Baumann, der als Vertreter der Kantonalkirche die rund hundert Anwesenden in der Kirche Kappel als Moderator durch den Abend führte. Wie sich während der rund zweistündigen Diskussion herausstellen sollte, haben die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger die Problematik weitgehend erkannt und stehen hinter dem Entscheid der Kirchenvorsteherschaft (Kivo), etwas zu ändern und künftig nunmehr über ein kirchliches Zentrum zu verfügen – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Grossen Applaus erntete das Votum des ehemaligen Pfarrers Markus Roduner, welcher aufforderte, den Spaten jetzt in die Hand zu nehmen und umzudenken, anstatt «ziellos ein bisschen herumzustechen».

In welche Richtung die Veränderung gehen soll, hat eine Arbeitsgruppe um die Kivo und den Wiler Architekten Bruno Rüegger als technischen Berater vorgängig anhand dreier Szenarien skizziert. Eines sieht die Kirche Ebnat als Zentrum vor, eines die Kirche Kappel und eines die Kirche Ebnat als kleines Zentrum, ergänzt durch die als Kirchgemeindesaal genutzte Kirche Kappel. Im Anschluss ans Diskussionsforum hatten die Anwesenden die Möglichkeit, ihre Stimme für die von ihnen bevorzugte Variante abzugeben, womit sich ein deutliches Stimmungsbild zeigte. Die meisten befürworteten die Variante «Zentrum Ebnat».

Nicht im Alleingang

Die Kirchbürgerschaft äusserte sich rege zum Vorhaben. Insbesondere die Frage danach, was mit der Kirche, die nicht als Zentrum genutzt würde, passiere und an wen sie verkauft würde, beschäftigte. Man sprach sich dafür aus, die Umnutzung der übrigbleibenden Kirche mit derselben Priorität zu behandeln wie die «Zentrumsschaffung» der anderen Kirche. «Die Varianten sind nicht als konkrete Projekte zu verstehen», betonte Kivo-Präsident Huli Bolt, «sondern als Stossrichtung. Als Basis, auf die wir uns stützen und anhand derer wir weiterdenken und weiter planen können.» Entsprechend seien die Szenarien noch nicht auf ihre bauliche Realisierbarkeit geprüft worden. Ein konkretes Projekt unter Miteinbezug eines Architekten und anderen Fachleuten wie beispielsweise Denkmalschützern sowie die Kostenfrage werde erst nach weiteren Gesprächen mit der Kirchbürgerschaft angegangen.

Ein grosses Anliegen war den Kirchbürgern auch, dass man keinen «evangelischen Alleingang» beschliesse, sondern sich mit anderen Körperschaften zusammenschliesse, welche ebenfalls Bedarf an mehr Räumlichkeiten bekunden. Als Beispiele wurden Biblio- und Ludothek sowie der Jugendtreff oder Vereine genannt, aber auch die politische Gemeinde und die Schule seien wichtige Partner. Die Kirchenvorsteher versprachen, sich der Inputs der Bürgerinnen und Bürger für ihre nächsten Planungsschritte zu beherzigen.