Wo wachsen alte Quitten?

Fructus inventarisiert seit Jahren seltene und alte Obstbaumsorten in der Schweiz. Nun bittet der Verein die Rheintaler Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach robusten Quittensorten.

Heini Schwendener
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Mit über 3,10 Metern Stammumfang steht Europas dickste Quitte an der Dornacherstrasse 185 in der Stadt Basel. (Bild: PD)

Mit über 3,10 Metern Stammumfang steht Europas dickste Quitte an der Dornacherstrasse 185 in der Stadt Basel. (Bild: PD)

Erste Nachweise über kultivierte Quitten aus dem Kaukasus reichen 4000 Jahre zurück. In Mitteleuropa werden Quitten erst seit dem 9. Jahrhundert angebaut. Die fehlende Wirtschaftlichkeit, die Verstädterung und Pflanzenkrankheiten wie die Quitten-Blattbräune und der Feuerbrand haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass Quittenbäume in unserer Region immer mehr von der Bildfläche verschwinden. Michel Brunner macht sich nun auf, krankheitsrobuste Quittensorten zu suchen, um diese dann gezielt zu vermehren und der Nachwelt zu erhalten. Doch wo überall finden sich solche Exemplare?

Alte, grosse und robuste Quittenbäume melden

Um das herauszufinden, hat Michel Brunner von Pro Arbore in der Region Rheintal einen Aufruf an die Bevölkerung gestartet. Wer einen alten, robusten Quittenbaum kennt oder in seinem Garten stehen hat, kann sich bei ihm (Adresse am Schluss des Artikels) melden. Bei der Meldung einer Quitte sind einige Vorgaben besonders zu beachten: «In erster Linie spielt das Alter des Baums eine wichtige Rolle», sagt Michel Brunner, «denn je älter der Quittenbaum ist, desto grösser ist die Chance, dass es sich dabei um eine alte, seltene Sorte handeln könnte.» Alte Stämme von Quitten sind typischerweise fragmentiert. Oft stehen mehrere Stammleisten aufgesplittet nebeneinander (vgl. Bild). Der Stammumfang der Quitten, die gemeldet werden, sollte in einem Meter Höhe ab Boden gemessen mindestens 1,30 Meter betragen. Primär unwichtig ist es, ob es sich bei den gemeldeten Bäumen um eine Apfel- oder eine Birnenquitte handelt. Brunner ist auch dankbar über Angaben zur Sorte und zum Alter der Quitte, sofern diese bekannt sind.

Was passiert mit den Meldungen? Michel Brunner erklärt, dass in einem zweiten Schritt Früchte und drei gesunde Blätter eines Quittenbaums in einem Labor untersucht werden, um die Sorte zu bestimmen. Den Besitzern der Quittenbäume entstehen dadurch keine Kosten. Werden bei diesem Untersuch Sorten gefunden, die noch nicht bekannt sind, erhalten sie einen Namen. Von gesunden, robusten Quittensorten werden dann vor Ort einjährige Triebe abgenommen. Ziel ist eine Samenbank von seltenen und widerstandsfähigen Sorten, um diese gezielt vermehren zu können. Pro Arbore hat festgestellt, dass die mächtigsten und ältesten Quitten in wärmeren Gegenden stehen. In Basel und im Rheintal scheint das milde Klima für das Wachstum der Quitten förderlich zu sein. Doch leider hat die durch einen Pilz hervorgerufene Quitten-Blattbräune zu erheblichen Ernteverlusten geführt. Stark zugesetzt hat dem Bestand der Quittenbäume auch die Pflanzenkrankheit Feuerbrand, die 1989 auch in der Schweiz entdeckt wurde. Wird Feuerbrand diagnostiziert, wird ein Baum fast immer ersatzlos gefällt.

Quitten waren in der Schweiz vor rund 30 Jahren noch weit verbreitet. Seit 1989 setzt der Feuerbrand auch den Quittenbäumen zu. So wurden im Jahr 1994 gemäss Angaben des Schweizerischen Obstverbandes noch auf 19 Hektaren Quitten angebaut. 2014 betrug die Anbaufläche jedoch nur noch sechs Hektaren.

Quittenbäume melden E-Mail: lindenbaum@gmx.ch