Wo Junge miteinander reden

EBNAT-KAPPEL. Seit 15 Jahren treffen sich Oberstufenschüler in Ebnat-Kappel zu einer Talknight. Die Themen, die mit den Moderatoren Philipp Kamm, Barbara Fischer und Marc Nyffeler angesprochen werden, sind vielfältig.

Sabine Schmid
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Talknight auf den gemütlichen Sofas mit den Moderatoren (von links) Marc Nyffeler, Barbara Fischer und Philipp Kamm. (Bild: Sabine Schmid)

Talknight auf den gemütlichen Sofas mit den Moderatoren (von links) Marc Nyffeler, Barbara Fischer und Philipp Kamm. (Bild: Sabine Schmid)

Im Jugendtreff in Ebnat-Kappel laden die Sofas zum gemütlichen Sitzen ein. Einmal im Monat nehmen Oberstufenschüler darauf Platz und führen eine Talknight durch. Die Moderatoren Barbara Fischer, Philipp Kamm und Marc Nyffeler bereiten Gedanken, Fragen und teilweise provokative Aussagen zu einem Thema vor. Diese bieten ihnen und den Jugendlichen eine Diskussionsgrundlage. «Die Themen, die wir an den Talknights ansprechen, sind vielfältig», blickt Philipp Kamm zurück. Es geht aber vor allem um Themen, welche das Zielpublikum – Jugendliche der Oberstufe – beschäftigen. Die Liebe, der Sinn des Lebens, Sucht oder Gewalt werden immer wieder thematisiert. Welche Themen bei den Jugendlichen am beliebtesten sind und sie dazu bringen, bei der Talknight mitzureden, können die Moderatoren nicht sagen. «Unser Rekord war eine Talknight mit 30 Teilnehmern», erinnert sich Philipp Kamm, der dieses Angebot vor 15 Jahren gemeinsam mit Barbara Fischer ins Leben gerufen hat. Die Gruppe sei aber zu gross gewesen. Barbara Fischer erzählt von einem Abend zum Thema Schönheitsideale. Die Diskussion sei so anregend gewesen, dass sie nicht alles hätten besprechen können, was sie vorbereitet hatten. «So haben wir spontan beschlossen, die nächste Talknight demselben Thema zu widmen.»

Respektvoller Umgang

Philipp Kamm, Barbara Fischer und Marc Nyffeler legen jeweils einige Monate im Voraus die Themen fest und geben den Abenden möglichst originelle Titel. Sie bereiten sich dann sorgfältig vor, damit die Diskussion im Fluss bleibt. «Wir wissen aber nie, wie sich die Diskussion entwickelt», sagt Marc Nyffeler. Es sei jedem Teilnehmer selber überlassen, wie viel er von sich preisgeben wolle. Wichtig ist den Moderatoren, dass die Teilnehmer einen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Den anderen ausreden lassen und die Meinung des anderen zu respektieren, sind nur zwei Regeln, die selbstverständlich sind. Seit einigen Jahren, fügt Philipp Kamm an, müsse auch darauf hingewiesen werden, dass die Handys ausgeschaltet werden. Der Umgang sei sehr respektvoll und was an den Abenden besprochen werde, werde nicht ausgeplaudert. Nur zweimal mussten sie eingreifen und Talkgäste vor die Türe stellen.

Jugendliche wechseln sich ab

Auch wenn in den vergangenen 15 Jahren Hunderte von Oberstufenschülern die Talknights besucht haben, eines hat sich nicht gewandelt: Die Mehrheit der Teilnehmer sind Buben. Unter ihnen sind Bauernkinder genauso wie Kinder von Akademikern, auch Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen die Veranstaltung. Barbara Fischer, die als Schulsozialarbeiterin tätig ist, sieht einen guten Berührungspunkt zwischen ihrer Arbeit an der Schule und der Talknight, die von der Jugendarbeit organisiert wird. Die Themen seien häufig dieselben. Ursprünglich, erinnert sie sich, war die Talknight ein Jugendarbeitsprojekt von den Kirchgemeinden und der Jugendarbeit. Heute obliegt die Organisation der Jugendarbeit. Dennoch können Jugendliche, die sich konfirmieren lassen, dort Kredits holen.

Talknights mit Gästen

Im Laufe der Jahre hat sich die Talknight immer wieder gewandelt. Einige Male schon wurden Gäste eingeladen, wie beispielsweise ein ehemaliger Junkie, der den Jugendlichen von seiner Sucht erzählt hat.

Ein anderes Mal haben die Jugendlichen mit Gemeinderätin Rosa Geisser gesprochen, die im Gemeinderat für die Jugend zuständig ist. Immer wieder kommt es vor, dass die Talknight an einem speziellen Ort durchgeführt wird. «Wir waren schon am Eichweiher, in der Kirche Kappel oder diskutierten auch mal, während wir spazierten», erzählt Marc Nyffeler. Zur Abwechslung finden auch sogenannte Speed-Talknights statt. Dort werden zu jedem Buchstaben verschiedene Begriffe genannt, aus denen die Jugendlichen einen auswählen können. Über diesen wird dann geredet. Reden verbunden mit Spielen, mit Essen oder zu ganz persönlichen Dingen gehören ebenfalls zur Talknight.

Barbara Fischer, Philipp Kamm und Marc Nyffeler, der seit sechs Jahren zum Moderatorenteam gehört, sprudeln vor Ideen. Auch nach 15 Jahren sind sie noch motiviert, den Jugendlichen eine Diskussionsplattform zu bieten. «Wir finden es mega cool», sagen sie. Nun sind sie gespannt, wie viele Jugendliche – und ehemalige Talknight-Besucher – am Montagabend zur Jubiläumsfeier kommen werden (siehe Kasten).

Eines wissen sie aber aus Erfahrung: Würden sie dafür eine Anmeldung verlangen, wären es lange nicht so viele.