WM-Début als letzter Weltcupsieger

Am Wochenende findet in Kreischberg (Steiermark) die Skicross-WM mit dem Oberegger Marc Bischofberger statt. Der bald 24-Jährige startet zum ersten Mal an internationalen Titelkämpfen, nach seinem Sieg vor zwei Wochen dürften ihn aber einige auf der Rechnung haben.

Yves Solenthaler
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Sternstunde in Val Thorens: Auf dem Weg in den Final setzte sich Marc Bischofberger (roter Dress) unter anderem gegen Olympiasieger Jean-Frédéric Chapuis (rote Startnummer) durch. (Bild: ky)

Sternstunde in Val Thorens: Auf dem Weg in den Final setzte sich Marc Bischofberger (roter Dress) unter anderem gegen Olympiasieger Jean-Frédéric Chapuis (rote Startnummer) durch. (Bild: ky)

SKICROSS. Mit dem Weltcupsieg im französischen Val Thorens hat Marc Bischofberger den Durchbruch zum Spitzen-Skicrosser geschafft. Der Sieg kam aus dem Nichts: Die ersten zwei Weltcuprennen der Saison – eines davon ebenfalls in Val Thorens – sind für den Innerrhoder enttäuschend verlaufen, und seine bisher beste Weltcup-Klassierung war ein siebter Platz, den er im Dezember 2013 in Innichen (Italien) erreicht hatte.

6. Platz im Gesamtweltcup

Die letzte, alles in allem erfolgreiche Saison war Bischofbergers erste im Weltcup. Mit dem siebten Platz erfüllte er überraschend die B-Limite für die Olympischen Spiele in Sotschi. Dass der Oberegger in Russland dann doch nicht starten durfte, lag daran, dass Mike Schmid (Olympiasieger 2010) das Olympia-Ticket nach langer Verletzungspause in letzter Sekunde noch löste.

Schmid ist wieder verletzt, aber damit hat die erste WM-Teilnahme von Bischofberger nichts zu tun: Der Oberegger belegt in der Weltcup-Gesamtwertung den sechsten Platz, nur ein Schweizer (Armin Niederer als Vierter) ist weiter vorne klassiert. Die anderen zwei Schweizer WM-Starter Alex Fiva, Weltcup-Gesamtsieger 2013/14, und Peter Stähli, der zweite Youngster im Aufgebot, belegen die Plätze 16 und 24. Gemäss Statistik müsste Bischofberger also ein Trumpf des Schweizer Teams sein, dessen Anspruch ein Medaillenplatz sein muss.

Bischofberger sieht dies anders: «An meinem Ziel hat der Sieg nichts geändert: Meine primäre Vorgabe ist noch immer, die Qualifikation zu überstehen.» Diesen Cut hat er an den bisherigen zwei Weltcup-Destinationen – bei Doppelveranstaltungen wie in Val Thorens findet jeweils nur eine Quali für beide Rennen statt – einmal verpasst: Beim Saisonstart in Nakiska (Kanada) fehlten Marc Bischofberger sieben Hundertstel auf den benötigten 32. Platz. Und in Val Thorens qualifizierte er sich als Sechzehnter: «Ich bin also eindeutig kein regelmässiger Top-5-Fahrer, für den die Quali eine Formsache sein sollte.»

Alle Olympia-Helden besiegt

Es kann schnell gehen im Skicross, in beide Richtungen: Der Kampf Mann gegen Mann birgt Unvorhersehbarkeiten, die beim Einzelstart fehlen. Da kann sich eine Lücke öffnen, weil der Fahrer vorne einen Fehler macht. Oder man wird von der Strecke gedrängt, weil der Fahrer hinten einen Fehler macht. Auf diese Weise kann man auch den Weltcupsieg von Bischofberger relativieren, muss man aber nicht: Auf dem Weg zum ersten Platz hat Bischofberger im Halbfinal die Franzosen Jean-Frédéric Chapuis und Arnaud Bovolenta ausgeschaltet, die an den Olympischen Spielen 2014 Gold und Silber gewonnen hatten. Und im Final besiegte er mit Jonathan Midol (Fra) und Brady Leman (Kan) den Dritten und Vierten von Sotschi.

Wenn Journalisten vor einem Grossanlass die Favoriten festlegen, sind die Weltcup-Ergebnisse der bisherigen Saison ein relevantes Kriterium. Andreas Schauer aus Deutschland, Thomas Zangerl aus Österreich und eben Marc Bischofberger sind die bisherigen Sieger.

Die Konkurrenten betrachten Bischofberger als gefährlicheren Widersacher, als er sich selbst wahrnimmt.

Bloss keine Nervosität

«Ich bin noch überhaupt nicht nervös», sagt Marc Bischofberger am Tag vor der Abreise, die am Dienstag war. Wenn das annähernd so bleibt, geht sein Plan auf: «Ich habe mit vorgenommen, die WM als ganz normales Rennen zu betrachten.» Auf diese Weise hat er es im zweiten Rennen von Val Thorens geschafft, locker zu bleiben: «Im ersten Rennen war ich extrem nervös, darüber hatte ich mich am Abend geärgert.» Dass er mehr kann, bewies Bischofberger am nächsten Tag mit seinem ersten Weltcupsieg.

«Ich habe dabei kaum Nervosität gespürt – nicht mal vor meinem ersten Weltcup-Final», sagt er. Das Rezept soll auch an der WM funktionieren: Sich nicht unter Druck setzen lassen.

Wenn es nur so einfach wäre.