WM als Türöffner für Juniorinnen

Lorena Baumann aus Wattwil hat mit dem FC Zürich die Meisterschaft und den Cupfinal gewonnen. Trotz einer mehrmonatigen Verletzungspause ist der Verteidigerin die Freude am Fussball nicht vergangen.

Urs Huwyler
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Lorena Baumann (links) erhofft sich durch die Weltmeisterschaft eine grössere Akzeptanz des Frauenfussballs. (Bild: pd)

Lorena Baumann (links) erhofft sich durch die Weltmeisterschaft eine grössere Akzeptanz des Frauenfussballs. (Bild: pd)

FUSSBALL. Der Frauenfussball erhielt während der letzten Wochen durch die erstmalige WM-Teilnahme der Schweizerinnen (0:1 im Achtelfinal gegen Kanada) und die EM-Finalqualifikation des U17-Teams (2:5-Niederlage) eine bisher nie dagewesene Medienpräsenz. Dies wurde genutzt, um Werbung für den Frauenfussball zu betreiben. «Insgesamt war die Weltmeisterschaft wichtig für unseren Sport. Viele hatten noch immer ein falsches Bild», zieht die Wattwilerin Lorena Baumann als U19/U20- Kaderangehörige Bilanz. Es seien attraktive Tore und spannende Spiele zu sehen gewesen. «Der Kunstrasen hat für ein höheres Tempo, aber auch zu mehr technischen Fehlern geführt. Ich meinerseits spiele lieber auf Rasen.»

Für die 18jährige Verteidigerin des FC Zürich enttäuschten die Schweizerinnen nicht, obwohl sie statistisch gesehen mit drei Niederlagen und einem Kantersieg nicht restlos zufrieden sein durften. «Die Leistungen waren besser als die Resultate», betont Lorena Baumann. Sie bekam vorwiegend positive Rückmeldungen zu hören, geht jedoch davon aus, dass es in der Meisterschaft kaum mehr Zuschauer haben wird als bisher. «Bei Spielen in der Champions League könnte es anders aussehen», hofft die Absolventin der «United School of Sport» in Zürich. Während der nächsten zwei Jahre wird sie in einem Praktikum ideale Bedingungen für die Doppelbelastung Ausbildung und Sport vorfinden.

Aufbautraining und Comeback

Ob sich die Weltmeisterschaft nachhaltig auf das Interesse auswirkt und den kickenden Frauen als Sportlerinnen mehr Beachtung und Anerkennung geschenkt wird als bisher, lässt sich kaum abschätzen. Aber es gab auch im Toggenburg Männer, die es erfrischend empfanden, dass sich die Frauen weder selbst inszenierten noch dauernd wie sterbende Schwäne am Boden lagen. Auch die Tattoo-Shows der Stars und Sternchen scheint vermehrt Freunden der Weltsportart auf den Geist zu gehen. Eine markante Zunahme bei den fussballverrückten Mädchen habe es ihres Wissens bisher trotzdem nicht gegeben, fügt Lorena Baumann an. Die Kader des FCZ oder anderer Nationalliga-A-Clubs würden jedenfalls nicht serienweise mit ausländischen WM-Heldinnen verstärkt. «Dazu fehlt im Schweizer Frauenfussball weiterhin das Geld. Wir Spielerinnen werden», so Lorena Baumann, «wegen der gestiegenen Popularität kaum mit lukrativeren Verträgen ausgestattet.» Wer ein Engagement im Ausland erhalte, könne als Profi leben. Irgendwann möchte auch sie den Sprung über die Grenze schaffen.

Derzeit befindet sich «Pechvogel Leonie» erneut im Aufbautraining. Ende Oktober 2014 zog sie sich beim Derbysieg gegen GC einen Mittelfussbruch zu. Im Februar befand sie sich auf dem Weg zurück – und verletzte sich im Training erneut am Fuss. Am 7. März wurde bei der amtierenden Schweizer Meisterin und Cupsiegerin eine Operation nötig. Inzwischen muss sie seit acht Monaten pausieren und steht jetzt vor dem Comeback. «Am Ball trainiere ich bereits mit dem Team, bei Zweikampfübungen absolviere ich ein Spezialprogramm.»

Freude nicht verloren

Die Freude am Fussball habe sie wegen der verletzungsbedingten Rückschläge nicht verloren. Im Gegenteil, bei der nächsten Meisterfeier oder im Cupfinal möchte die 2013 über Wattwil, Wil und St. Gallen zum FCZ gestossene Lorena Baumann auf dem Platz fighten. Sie will nicht zum Zuschauen verdammt sein und im Matchtelegramm wochenweise als «verletzt» gemeldet werden müssen. «Ich bin zuversichtlich, dass die Verletzung heilt und ich den Anschluss in den nächsten Wochen schaffe.» Der Start zur erfolgreichen Titelverteidigung erfolgt am 9. August gegen GC.

Und wie geht Lorena Baumann damit um, dass sich gewisse Medien nicht auf das fussballerische Können, sondern auf die Frau als Frau konzentrierten, sich Schweizerinnen an der WM vor allem zu ihrer Lebensform äusserten und sich die Berichterstattung teilweise auf die fraulichen Werte konzentrierte? «Was andere machen, betrifft mich nicht. Ich konzentriere mich auf den Fussball, möchte sportlich erfolgreich sein», kontert sie. Dafür arbeitet Lorena Baumann hart. Auf dem Weg nach vorn und für noch mehr Akzeptanz als Fussballerin.

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