Erinnerung
Vor 125 Jahren starb Johannes Niederer - Durch seine Witze bleibt der Rehetobler Dorfarzt unvergessen

1819 erblickte Johannes Niederer in Walzenhausen das Licht der Welt. Er machte sich nicht nur einen Namen als beliebter Arzt, sondern auch als Witzbold. Viele seiner oft groben Sprüche fanden Einzug ins Buch «Der Appenzeller Witz».

Peter Eggenberger
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Mit seinen schlagfertigen Antworten ging Johannes Niederer als Lieferant neuer Appenzeller Witze in die Geschichte ein.

Mit seinen schlagfertigen Antworten ging Johannes Niederer als Lieferant neuer Appenzeller Witze in die Geschichte ein.

Bild: Peter Eggenberger

Der Appenzeller Witz gehört zu den immateriellen Unesco-Kulturgütern. Für Witze sorgte eine Reihe origineller Menschen wie etwa der pfiffige Rehetobler Dorfarzt Johannes Niederer aus Rehetobel. Er verstarb am 9. Januar 1896. Vielfach waren es bekannte Dorforiginale wie etwa der Zwerg Seppetoni in Oberegg oder «Rägelis Babette» in Heiden, deren träfe Aussagen später als Witze die Runde machten. Zur Kategorie der Witzlieferanten gehörte ebendieser Johannes Niederer, der am 11. April 1819 in Walzenhausen das Licht der Welt erblickte. Später absolvierte er in Bern und Wien ein Medizinstudium, und in den 1840er-Jahren eröffnete er eine Praxis in Rehetobel.

Mit seinen Patienten pflegte er einen überaus direkten Umgang, und viele seiner oft groben Sprüche leben bis heute weiter. Dies nicht zuletzt dank des Buches «Der Appenzeller Witz». Als eine Patientin in der Sprechstunde klagte, sie habe starke Schmerzen, wenn sie auf den Bauch drücke, antwortete Niederer kurz und bündig:

«So truck doch nöd, du Baabe!»

Als ein Bub spätnachts den Arzt herausklingelte und rief: «Herr Tokter, min Vatter häd 44 Grad Fieber, wa sölid mer mache?», gab Niederer zurück: «Am beschte d Füürwehr hole!» Und dem über sein schlechtes Gehör jammernden Jock Holderegger beschied der Arzt: «Bis doch froh, as du nomme alls ghöörscht!»

Militärarzt im Sonderbundskrieg

1847 wurde Niederer als Militärarzt im Sonderbundskrieg eingesetzt. Politisch betätigte er sich im Gemeinderat, und von 1864 bis 1868 gehörte er dem Ausserrhoder Obergericht an. Zu seinen Patienten gehörten immer auch schlagfertige Leute wie etwa Rosette Zähner. Kaum hatte sie das Sprechzimmer betreten, fuhr sie der Arzt an:

«Jumpfere Rosette, ier gfallid mer nomme!»

«Jo, weg em schö si mond ier o nöd bralle, Herr Tokter», erwiderte die Frau. Auch die Haushälterin blieb dem ledigen Dorfarzt nichts schuldig. Als er eines Mittags voller Zorn die Suppenschüssel aus dem Fenster warf, beförderte die Magd auch die Fleisch- und Gemüseplatte ins Freie. Als der Arzt aufbegehrte, meinte sie: «Aha, ich dachte, der Herr Doktor beliebe heute im Garten zu speisen!»

In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre hatten das Doktorhaus und das benachbarte Restaurant Krone dem heutigen, 1978 eröffneten Alters- und Pflegeheim Krone zu weichen. Niederers träfe Aussagen aber sind bis heute unvergessen.