Wirtschaftsförderung
Die Teufner Firma HPB ist für den Bau einer Produktionsanlage im Appenzellerland auf der Suche nach öffentlichen Fördergeldern – diese Möglichkeiten hat sie

Die Teufner Firma High Performance Battery (HPB) will für den Bau einer neuen Produktionshalle im Appenzellerland öffentliche Fördergelder beantragen. Was ist diesbezüglich in den Kantonen Ausserrhoden und Innerrhoden möglich? Die Wirtschaftsämter äussern sich zurückhaltend. Speziell in Innerrhoden: Ab einer gewissen Fördersumme muss die Landsgemeinde entscheiden.

Claudio Weder
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Käme die Produktionshalle der Firma HPB zustande, könnten 100 Personen beschäftigt werden.

Käme die Produktionshalle der Firma HPB zustande, könnten 100 Personen beschäftigt werden.

Symbolbild: Christian Beutler / KEYSTONE

Drei Tüftler aus Deutschland wollen mit ihrer Firma High Performance Battery (HPB) umweltfreundliche Feststoffakkus auf den Markt bringen. Die Firma forscht und entwickelt in Bonn, wird aber seit 2018 von Teufen aus gesteuert. Für den Bau einer neuen Produktionshalle liebäugelt die HPB mit dem Appenzellerland. Finanziert werden soll das 55-Millionen-Franken-Projekt unter anderem mit öffentlichen Fördermitteln.

Daniel Lehmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit AR.

Daniel Lehmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit AR.

Bild: PD

Daniel Lehmann, Leiter des Ausserrhoder Amts für Wirtschaft und Arbeit, freut sich, wenn Unternehmen Interesse an einem Produktionsstandort im Appenzellerland zeigen: «Besonders dann, wenn diese auch Wertschöpfung im Kanton generieren würden.» Käme die Produktionshalle der HPB zustande, könnten gemäss den Inhabern rund 100 Personen beschäftigt werden.

Ob der Kanton Appenzell Ausserrhoden im konkreten Fall der HPB Fördergelder zur Verfügung stellt, kann Lehmann aber nicht sagen. «Die Gespräche zwischen dem Kanton und dem Unternehmen sind vertraulich.» Grundsätzlich gebe es in Ausserrhoden diverse Möglichkeiten, Fördergelder zu sprechen, auch wenn der finanzielle Hebel des Kantons letztlich bescheiden sei. Welche Förderung in welcher Höhe gesprochen werden kann, sei aber schwierig, pauschal zu sagen, so Lehmann. «Das hängt sehr vom Einzelfall ab.»

Das Gründer- und Leitungstrio der Firma High Performance Battery (von links): Verkaufschef Sebastian Heinz, der operative Leiter (COO) Thomas Lützenrath sowie CEO und VR-Präsident Günther Hambitzer.

Das Gründer- und Leitungstrio der Firma High Performance Battery (von links): Verkaufschef Sebastian Heinz, der operative Leiter (COO) Thomas Lützenrath sowie CEO und VR-Präsident Günther Hambitzer.

Bild: PD

Steuerliche Entlastungen wären denkbar

Bezüglich Fördermöglichkeiten verweist Lehmann zum einen auf die Plattform Innosuisse, die Förderagentur für Innovation des Bundes. Diese fördert wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte von kleineren und mittleren Unternehmen. Ebenso besteht für Ausserrhoder Firmen die Möglichkeit, im Rahmen der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) Fördergelder zu beantragen. Konkret handelt es sich um Darlehen und A-fonds-perdu-Beiträge, mit denen «wertschöpfungsintensive Projekte angestossen werden können», so Lehmann. Dazu müssen die jeweiligen Unternehmen aber einen überbetrieblichen Nutzen vorweisen können und vorzugsweise im Tourismus angesiedelt sein. Nicht zuletzt sind gemäss Lehmann auch Entlastungen im steuerlichen Bereich denkbar – wenn auch im bescheidenen Rahmen.

Neben finanziellen Anstössen bietet der Kanton Appenzell Ausserrhoden aber auch Unterstützung bei der Standortwahl. «Dies ist quasi die ureigenste Aufgabe der Standortförderung des Kantons», sagt Lehmann. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hilft zum Beispiel, die Erweiterung eines Betriebes voranzutreiben, einen Standort für einen Neubau oder eine Umnutzung über das Arbeitszonenmanagement zu suchen und zu vermitteln oder Beziehungen zu Investoren zu knüpfen.

«Alles in allem steht der Kanton bezüglich Fördermöglichkeiten für Unternehmen gut da», sagt Lehmann. Er verweist auf den Freiheitsindex von Avenir Suisse, der ökonomische und zivile Freiheit in den Schweizer Kantonen misst. Im Jahr 2020 hat Ausserrhoden bei diesem Index eine Spitzenposition erreicht, nur das Fürstentum Liechtenstein hat noch besser abgeschnitten. Lehmann sagt:

«Diese Positionierung zeigt, wie attraktiv Appenzell Ausserrhoden für Unternehmen ist.»

Ab einer gewissen Summe entscheidet die Landsgemeinde

Markus Walt, Leiter des Amtes für Wirtschaft AI.

Markus Walt, Leiter des Amtes für Wirtschaft AI.

Bild: Sandra Ardizzone / MAN

Im Kanton Appenzell Innerrhoden gibt es nach Angaben des Amts für Wirtschaft ebenfalls diverse Möglichkeiten zur Förderung von Unternehmen. Innerrhoden kennt die einzelbetriebliche Förderung. «Es ist also möglich, einzelne Unternehmen gezielt zu unterstützen», sagt Amtsleiter Markus Walt.

Beantragt werden können Finanzierungsbeiträge, Zinskostenbeiträge oder Starthilfen für Jungunternehmen. Dafür steht in Innerrhoden der Fonds für Wirtschaftsförderung zur Verfügung. Dieser hatte gemäss Staatsrechnung Ende 2020 einen Bestand von 3,6 Millionen Franken.

Um Unterstützungsgelder zu erhalten, müssen die Antragstellenden aber bestimmte Kriterien erfüllen: Zum einen muss das Vorhaben mit dem Umweltschutz und der Raumplanung verträglich sein. Im Weiteren sollen neue Arbeitsplätze geschaffen oder die Zukunftsaussichten bestehender Arbeitsplätze verbessert werden. Ebenso wird der Innovationsgrad eines Unternehmens beurteilt.

Der Entscheid über Förderbeiträge wird je nach Höhe der beantragten Gelder von unterschiedlichen Instanzen getroffen: Über Beträge von bis zu 250'000 Franken entscheidet die Wirtschaftsförderungskommission, bei Beträgen bis 500'000 Franken entscheidet die Standeskommission, bei Beträgen bis zu einer Million der Grosse Rat. Über höhere Beiträge muss die Landsgemeinde entscheiden.