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Kantonsrätin mit VPM-Vergangenheit: Wirth Barben muss Klarheit schaffen

0Leitartikel zur Mitgliedschaft der neuen Speicherer Kantonsrätin Gabriela Wirth Barben beim Verein zur PM.
Jesko Calderara
Jesko Calderara

Jesko Calderara

Im Wahlkampf für den Kantonsrat wählte der «Standpunkt Speicher» grosse Worte. Als intelligente Powerfrau und eigenständige Persönlichkeit verkaufte die Gruppierung Gabriela Wirth Barben den Stimmberechtigten. Im Wahlflyer nannte diese die Gesundheitspolitik als persönliches Steckenpferd, zudem hob sie ihre Erfahrungen in der beruflichen Verbandsarbeit hervor. Mit keiner Zeile erwähnte Wirth Barben hingegen die ehemalige Mitgliedschaft beim umstrittenen Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Seit die NZZ diese publik machte, gibt sich die parteiunabhängige Kantonsrätin wortkarg. Fragen dieser Zeitung zur VPM-Vergangenheit möchte sie partout nicht beantworten. Unterdessen sprang ihr immerhin der «Standpunkt» mit einer Medienmitteilung, die jedoch wesentliche Fragen offen lässt, zur Seite.

Dieses Schweigen nährt Spekulationen. Das ist kontraproduktiv, denn Klärungsbedarf gäbe es einigen. Immerhin handelte es sich beim VPM um eine Organisation, die vor allem in den 1990er-Jahren mit pädagogischen Heilslehren und gar Verschwörungstheorien für zahlreiche Schlagzeilen sorgte. Er zeichnete sich durch eine kompromisslose Haltung in der Bildungs-, Gesundheits- und Drogenpolitik aus. Homosexualität beispielsweise sah der Verein als zu heilende Krankheit an. Fachleute stuften den VPM, der seine Anhänger unter Lehrern, Psychologen und Ärzten rekrutierte, als Psychosekte mit autoritären Strukturen ein.

Gabriela Wirth Barben teilte die Werthaltung des VPM offensichtlich. Im Widerspruch dazu steht ihr angeblich liberales Profil, wie es der «Standpunkt» in seiner Stellungnahme untermauerte. In einem Punkt irrt sich die Speicherer Gruppierung. Das Kapitel VPM ist für die frisch gewählte Kantonsrätin keineswegs abgeschlossen, wie sie dies gerne hätte, obschon der Verein vor 17 Jahren zumindest offiziell aufgelöst wurde. Entscheidend ist vielmehr, ob das VPM-Gedankengut Wirth Barbens Politik heute noch beeinflusst. Es gibt Hinweise, dass dies der Fall ist. So kämpft sie als Vorstandsmitglied der Ärztevereinigung Hippokratische Gesellschaft Schweiz (HGS) gegen die Sterbehilfe. Die Krux an der Sache: Experten sehen in der HGS eine der VPM-Nachfolgeorganisationen. Solche waren zuletzt auch auf anderen Gebieten aktiv, unter anderem gegen den Lehrplan 21.

Bei der Nicht-Kommunikation ihrer früheren Zugehörigkeit zu einer Psychosekte offenbart Wirth Barben ein seltsames Demokratieverständnis. Als gewählte Volksvertreterin ist sie gegenüber ihren Wählern rechenschaftspflichtig, zumal es sich hier um keine private Angelegenheit handelt. Durch ihre Verweigerungshaltung den Medien gegenüber hat es die Politikerin bis anhin verpasst, für Transparenz zu sorgen. Diese herzustellen, ist noch aus einem anderen Grund notwendig. Dass Wirth Barben einst dem VPM angehörte, sollen in Speicher viele nicht gewusst haben. Dabei wollen Stimmberechtigte wissen, wen sie wählen. Nun haben sie die Katze im Sack gekauft.

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