Wird Bauherr Sutter wieder von einem Sutter beerbt?

Kommentar

Roger Fuchs
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Die Chance ist gross, dass nächste Woche ein erster offizieller Kandidat für die Nachfolge des Innerrhoder Bauherrn feststeht. Fefi Sutter (Bezirk Schwende) ist interessiert. Inzwischen hat er seine Lebenssituation analysiert und will in diesen Tagen entscheiden. Falls er antritt, wäre dies sein zweiter Anlauf für das Bauherrenamt. 2005 unterlag Fefi Sutter gegen den jetzt abtretenden Stefan Sutter, notabene sein Cousin. Ginge das Amt von einem Sutter zum nächsten, bliebe es sozusagen in Familienhand. Auch bei der Wahl von Stefan Sutter vor zwölf Jahren brauchte man sich keinen neuen Namen zu merken. Er folgte damals auf den zurücktretenden, aber nicht mit ihm verwandten Hans Sutter. «Es sutteret an der Landsgemeinde», war angesichts dieser Begebenheiten in den Medien zu lesen.

Zweifelsfrei wäre Fefi Sutter keine schlechte Option. Er ist Immobilienökonom bei der Altrimo AG in Appenzell. Überdies ist er als langjähriges Grossratsmitglied mit politischen Abläufen und aktuellen Entwicklungen im Bauwesen vertraut. 2013/14 präsidierte er das Parlament. Er ist umgänglich und vom Alter her wäre es ebenfalls passend. Fefi Sutter ist Jahrgang 1963, bis zum Pensionsalter blieben ihm noch knapp zwölf Jahre, eine gute Perspektive. Falls Fefi Sutter antritt, dürfte er dies mit Unterstützung des Gewerbeverbandes tun, der stärksten Gruppierung im Kanton.

Als Kandidat abgewunken hat in dieser Woche der demissionierende Arbeitnehmerpräsident Thomas Mainberger. Und auch der von vielen als Wunschoption genannte Bruno Huber, Bezirkshauptmann von Rüte, dürfte aus dem Rennen sein. Aktuell sei es eher kein Thema, lässt er ausrichten. Verschrien werden soll an dieser Stelle aber nichts. Eine Landsgemeinde ist immer für Überraschungen gut, schliesslich werden die Namen aus dem Ring herausgerufen.

Zu den Sachgeschäften gehört am 30. April nebst drei Initiativen unter anderem ein zweiter Anlauf für ein neues Hallenbad. Das derzeitige Agieren der Innerrhoder Standeskommission ist ein klares Signal dafür, dass man ein Debakel wie 2015 vermeiden will. Es wird alles daran gesetzt, mit einer breiten Kommunikation das Volk zu informieren. Nebst einer eigens eingerichteten Website wurde in dieser Woche eine Broschüre herausgegeben. Beiderorts werden Ausführungen zu den Bauvarianten, zum Rahmenkredit, zum künftigen Betrieb oder beispielsweise auch zu den künftigen Eintrittspreisen gemacht. Trotz allem ist nicht auszuschliessen, dass Herbert Räss, der allseits bekannte Kämpfer für eine Sanierung des alten Hallenbades, auf dem Landsgemeinde-Stuhl das Volk ein weiteres Mal auf seine Linie trimmen will. Den Inner­rhodern ist bereits heute zu wünschen, dass sie im Sinne der heranwachsenden Generationen handeln und sich für den Neubau entscheiden. Die wenigen Franken Unterschied zur Sanierung müssten es dem schuldenfreien Kanton wert sein.

Interessant wird es heuer auch angesichts dreier Initiativen. Die Namhafteste ist jene von Kantonsrichter Rolf Inauen aus Schlatt-Haslen. Verlangt wird die Aufhebung der Bezirke im Inneren Land. Die Initiative geht damit einen Schritt weiter als 2012, als eine Bezirksfusion knapp abgelehnt wurde. So gewichtig und komplex das Thema ist, so notwendig wäre eine breite Diskussion einige Wochen, wenn nicht sogar Monate vor der Abstimmung. Gefordert in dieser Hinsicht wären der Initiant und seine Mitstreiter. Doch Veranstaltungen oder Informationsmaterialen wie eben beim Hallenbad sind keine in Sicht. Das Landsgemeindemandat und die offiziellen Landsgemeindeversammlungen der Parteien und Verbände genügen der Meinungsbildung nicht. Ohne öffentliche Debatte und Auseinandersetzung mit der Initiative werden viele mit Halbwissen entscheiden. Und was man nicht so genau kennt, macht Angst und wird abgelehnt. Dabei würde in der Strukturreform auch das Potenzial stecken, um den Kanton neu aufzustellen. Dass dies mit grossen Anstrengungen verbunden wäre, ist klar. Doch wie konkret sehen diese Anstrengungen aus, wie verändert die Reform die Behördentätigkeit, wie die Finanzströme, was passiert mit Oberegg, was ist mit den Schul- und Kirchgemeinden, was mit der Institution Landsge­meinde? Es gäbe so vieles, über das sich die Bürgerinnen und Bürger informieren können müssten, um letztlich zu einer fundierten Entscheidung zu finden — der Zug dazu ist vermutlich abge­fahren.

Bei den zwei weiteren Initiativen kann mit einiger Sicherheit der Ausgang der Abstimmung schon heute verkündet werden. Die Initiative des Betriebswirtschaftsstudenten Pascal Neff aus Steinegg, der am Strassenrand Hinweise auf Radarkontrollen will, dürfte vor dem Landsgemeindevolk ebenso abblitzen wie im Grossen Rat. Dieser hat auch keine zweite Lesung gewünscht und auf einen Gegenvorschlag verzichtet. Leichter hat es die von den Pfarrherrn Andreas Schenk und Lukas Hidber eingereichte Initiative zur frei­willigen Einführung des Ausländerstimmrechts für Kirchgemeinden. Die Standeskommission findet zwar den Weg über Einbürgerungen besser, respektiert aber den Wunsch der Kirchgemeinden. Auch ein Grossteil des Innerrhoder Parlaments steht hinter dem Begehren.

Eine Revision des Schulge­setzes, des Baugesetzes und des Sportgesetzes finden sich ebenso auf der Traktandenliste der Landsgemeinde 2017. Für längeren Diskussionsstoff sorgte im Parlament jene des Baugesetzes, wird damit doch die Mehrwertabgabe eingeführt. Widerstand gab es aus bäuerlichen Kreisen. Wie offen die Wunden noch sind, wird sich im Ring ­zeigen.

Gut eineinhalb Monate bis zum Showdown bleiben. Eines ist gewiss: Die kürzeste Landsgemeinde wird es diesmal nicht.

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch