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Interview

CVP-Parteipräsidentin Claudia Frischknecht über das Manko der eigenen Partei: «Wir werden zu wenig wahrgenommen»

CVP-Parteipräsidentin Claudia Frischknecht blickt selbstkritisch auf die vergangenen Wahlen zurück und sieht Handlungsbedarf für die Partei.
Interview: Alessia Pagani
Claudia Frischknecht ist seit 2016 Präsidentin der CVP Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Claudio Weder)

Claudia Frischknecht ist seit 2016 Präsidentin der CVP Appenzell Ausserrhoden. (Bild: Claudio Weder)

Die CVP Appenzell Ausserrhoden nimmt sich im Hinblick auf die Nationalratswahlen im Herbst aus dem Spiel und schiebt den Ball den grösseren Parteien zu. Im Interview erklärt Parteipräsidentin Claudia Frischknecht, weshalb dies so ist, und sagt, warum es für die CVP schwierig ist, im reformierten Ausserrhoden Fuss zu fassen.

Die CVP Schweiz ist seit längerem in einer Abwärtsspirale. Wie sehr macht da das Amt der Kantonalpräsidentin noch Spass?

Claudia Frischknecht: Natürlich hören wir von den sinkenden Mitgliederzahlen der CVP Schweiz, aber wir konzentrieren uns primär auf die Entwicklung der CVP in unserem Kanton. In erster Linie geht es um die Frage, was wir als CVP AR bewirken können und müssen. Wenn ich auf meine Zeit als Parteipräsidentin zurückblicke, kann ich sagen, dass wir gute Arbeit geleistet und gute Vorstösse gemacht haben. Wir werden gehört und unsere Anliegen werden aufgenommen. Wir haben bei den Gesamterneuerungswahlen einen fairen Wahlkampf geführt, bei dem wir neue Wege beschritten haben. Mit unserer Frage-Ausrufezeichen-Kampagne konnten wir auf unkonventionelle Weise auf uns aufmerksam machen und sind mutig neue Wege gegangen. Wir müssen uns also nicht verstecken. Das gemeinsame Nach-Vorne-Gehen ist es, das Spass macht und immer wieder motiviert.

Ist die Wahrnehmung der CVP AR im Kanton wirklich so gross, wie Sie beschreiben?

Wir werden sicher in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen und müssen noch mehr daran arbeiten.

Fehlt es an einer bekannten, profilierten Persönlichkeit?

Nein, wir haben gute Leute in unserer Partei. Wir wollen auch niemandem die Parteimeinung aufdrücken oder uns verstellen. Wir müssen authentisch bleiben und unsere Arbeit gut erledigen. Dabei können wir uns nicht noch Gedanken darüber machen, wie und wo wir uns am besten profilieren können. Wir bringen uns in diversen Geschäften ein. Jedoch müssen wir uns unserer personellen Ressourcen bewusst sein.

2015 nannten Sie als Ziel die Steigerung der Mitgliederzahlen und die Stärkung der Wahrnehmung. Dies ist Ihnen allerdings nicht wirklich gelungen. Weshalb?

Wir haben Mitglieder gewonnen. Zwar wenige, dafür aber junge Leute. Dadurch, dass unsere personellen Ressourcen nicht allzu gross sind, müssen wir die Konzentration bündeln. Bei den Gesamterneuerungswahlen im Frühling haben wir unser Augenmerk auf den Kantonsrat und den Herisauer Einwohnerrat gelegt. Dorthin, wo unsere Sitze gefährdet waren.

Sie sind in Herisau und Heiden mit Ortssektionen vertreten. Hat die CVP keine Absichten, auch im Mittelland präsent zu sein?

Wir haben sicher Potenzial, um auch an anderen Orten aktiv zu werden. Unsere Mitglieder sind im ganzen Kanton verteilt, so beispielsweise auch in Teufen oder Speicher. Wir könnten also durchaus auch im Appenzeller Mittelland Ortssektionen gründen. Es ist auch unser Anliegen, dort aktiver zu sein. Eines unserer Ziele ist und bleibt, auch dort Fuss zu fassen.

Das tönt einfach. Warum ist dies nicht bereits geschehen?

Wie bereits angedeutet: Wir mussten unsere Kräfte im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen bündeln und uns auf die Sitzerhalte konzentrieren. Wir wollten uns nicht verzetteln und irgendwo Ortssektionen gründen. Wir hätten beide Aufgaben nur halbherzig erledigen können.

Hat die CVP AR auch Vorteile im Gegensatz zu Parteien mit mehr Mitgliedern?

Es geht nicht nur um Mitglieder. Es geht um Personen, die mitarbeiten, mittragen und mitdenken. Da habe ich lieber einen kleineren engagierten Kreis von Personen um mich als einen grossen, bei dem jeder Zweite sich nicht beteiligt. Aber klar, bei einer grösseren Fraktion im Kantonsrat wäre es einfacher. Wir könnten die Arbeit auf mehr Personen aufteilen. Vor allem bei Voten und Sachgeschäften wäre dies manchmal wünschenswert.

Sie sprachen von stagnierenden Mitgliederzahlen. Mag das auch mit der katholischen Ausrichtung Ihrer Partei zusammenhängen?

Das mag ein Mitgrund sein. Natürlich vertreten wir die abendländische Kultur, aber das macht der Grossteil der Schweizer Bevölkerung auch. Und wir vertreten christliche Werte, welche jedoch nicht nur mit der Kirche beziehungsweise dem Katholismus zu tun haben. Im reformierten Ausserrhoden scheint die Verbindung CVP gleich katholisch allerdings noch immer in den Köpfen der Bevölkerung verankert zu sein. Diese kleine zusätzliche Hürde haben wir im Gegensatz zu anderen Parteien noch. Aber auch bei den grösseren Parteien hat sich in der nahen Vergangenheit gezeigt, dass keine Türen eingerannt werden. Es scheint einfach nicht mehr sexy zu sein, einer Partei anzugehören.

Ist die ablehnende Haltung Parteien gegenüber ein Mitgrund, dass die Parteiunabhängigen und das Gewerbe in Herisau bei den Gesamterneuerungswahlen derart steil eingestiegen sind?

Natürlich kommt uns das allen in die Quere und es kostet uns Parteien Stimmen. Wir wollen nicht die Schuld abschieben und hätten wohl mehr machen müssen. Wir als CVP sind überrascht über den Erfolg der Gruppierung vor allem in Herisau – auch wenn wir damit gerechnet haben, dass der ein oder andere an die neue Gruppierung gehen könnte. Auf die nächsten Wahlen hin müssen wir uns Gedanken machen, was wir ändern können. Für uns als CVP ist es eher störend, dass Personen gewählt werden, die keiner Partei angehören. Wir haben in der CVP eine breite Meinungsvielfalt, welche von links über die Mitte bis rechts reicht. Man teilt zwar die gleichen Werte, aber in der Meinungsbildung sind alle unsere Mitglieder frei.

Unerwartete Erfolge, Abwahlen und Sitzverluste – ist die Politik unberechenbarer geworden?

Ja, vor allem in Herisau. Die neue Gruppierung Gewerbe/PU hat ihren Teil dazu beigetragen. Wir wissen nicht, wofür die Mitglieder stehen und müssen abwarten, wie sie sich einbringen werden. Wir als CVP nehmen sie ganz klar in die Pflicht und sind auf die künftige Entwicklung und Arbeit in den Räten gespannt.

Kommen wir auf die Nationalratswahlen zu sprechen. Auch Sie propagieren die Auswahl, nun scheint es, als würde David Zuberbühler konkurrenzlos antreten...

Es wäre sicher wünschenswert, wenn die Stimmbürger eine Auswahl hätten. Wir werden sehen, ob in nächster Zeit doch noch eine weitere Kandidatur erfolgen wird.

Hat die CVP AR keine Ambitionen auf den Nationalratssitz?

Was heisst Ambitionen? Natürlich haben auch wir uns Gedanken gemacht. Wir als CVP fühlen uns allerdings nicht in der Pflicht, jemanden stellen zu müssen. Bei nur einem National- beziehungsweise Ständeratssitz in unserem Kanton würde vermutlich jeweils auch eine parteiübergreifende Kandidatur Sinn machen, um eine möglichste breit abgestützte Ausserrhoder Vertretung in Bern zu haben.

Früher hat Ihre Partei immer wieder einen Regierungsratssitz angestrebt, zuletzt 2015 mit Norbert Näf. Warum in diesem Jahr nicht?

Wir hatten schlicht niemanden parat. Klar gäbe es Personen, die grundsätzlich fähig wären. Aber wir mussten ehrlich sein: Es war einfach zu früh. Wir wollen auf keinen Fall jemanden verheizen, es hätte eine ernsthafte Kandidatur sein müssen. Damals mit Norbert Näf war es anders. Wir hatten Zeit, um den Kandidaten aufzubauen. 2015 wäre unsere Chance gewesen.

Inmitten der jetzigen Frauenbewegung hätte es das weibliche Geschlecht wohl relativ einfach gehabt...

Wenn jemand eine Frau aufgestellt hätte, wäre diese vermutlich gewählt worden. Für uns war die Zeit aber nicht reif. Ich bin der Meinung, dass Personen wegen ihrer Fähigkeit in die Räte gewählt werden sollen. Dabei spielt es für mich eine untergeordnete Rolle, ob dies nun eine Frau oder ein Mann ist. Ich würde nie gewählt werden wollen, nur aufgrund meines Geschlechts.

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