«Wir werden weiter auf den guten Geist im Team bauen»: Wie sich der SC Herisau auf die kommende Saison vorbereitet

Der SC Herisau verzeichnet wenige Kaderveränderungen und einen von Individualität geprägten Trainingsstart.

Lukas Pfiffner
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Die Saisonvorbereitung für die Mannschaft um Captain Roman Popp ist nicht die gewohnte.

Die Saisonvorbereitung für die Mannschaft um Captain Roman Popp ist nicht die gewohnte.

Bild: Lukas Pfiffner

Die schwierigste Frage an Captain Roman Popp gleich zu Beginn: Denken Sie derzeit mehr an die vergangene oder an die nächste Saison? «Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Im Moment an beide nicht», antwortet der bald 32-jährige Stürmer des SC Herisau. Die Saison 2019/20 gebe wenig her für wirklich gute Erinnerungen. «Und was die nächste betrifft, ist noch so viel unklar. Im Moment hängen wir im leeren Raum.»

Das Kader steht mit wenigen Ausnahmen. Der Verein hat die Abgänge von Alexander Jeitziner und Ivan Hausammann (beide zu den Pikes) sowie jene von Marc Grau und Pascal Rotzinger (beide zu den Eisbären St. Gallen) bekanntgegeben. Ebenso den Zuzug von Gian Reto Kobler, einem 20-jährigen Stürmer aus Chur, und die Aufnahme der eigenen Junioren Max Baumer und Ramon Hohl ins Kader der ersten Mannschaft. Offen sei die Zukunft von Stürmer Michell Speranzino, sagt Sportchef Matthias Popp, der Bruder des Captains. «Und natürlich hoffen wir, sowohl in der Abwehr als auch vorne noch den einen oder anderen Zuzug tätigen zu können. Aber leicht ist es nicht, Spieler zu finden.»

«Eigentlich alle Finger abschlecken»

Auf der Torhüterposition plant der SCH mit dem bisherigen Trio. Praktisch alle bisherigen Leader haben für eine weitere Saison zugesagt. In Jeitziner, der in Romanshorn wohnt, verlieren die Herisauer allerdings 34 Skorerpunkte aus 2019/20 und einen der dominantesten 1.-Liga-Verteidiger der Region. Die Playoffs der 1. Liga wieder zu erreichen, werde trotzdem das Ziel sein, meint der Sportchef. «Wir dürfen uns eigentlich alle Finger abschlecken, dass wir noch ein derart gutes Kader beisammenhaben, obwohl andere Clubs mit Entschädigungen oder Spesen locken können und wir nicht.» Man werde weiter auf den guten Geist im Team bauen.

Den letzten Match absolvierte der SCH am 15. Februar. Den nächsten (Trainings-)Eiskontakt hätte er eigentlich im Juni gehabt. Wie es diesbezüglich aussieht, wird sich weisen. Die Testspiele für den Herbst seien fix, erzählt der Sportchef und lächelt dabei. Zunächst gilt es, den Betrieb der nächsten Zukunft zu regeln.

Trainingspläne verschickt

Eigentlich hätte mit dem Monat Mai das reguläre Sommertraining begonnen. Jetzt würden vom neuen Trainer René Stüssi und dem Betreuer Jack Holderegger Trainingspläne verschickt. Zwar sagt der Sportchef, er zweifle nicht an der seriösen Einstellung seiner Spieler, und den anderen Clubs würde es gleich gehen. «Aber die Koordination ist jetzt schon eine Herausforderung. Schade ist es vor allem für Stüssi, dass man nicht im grossen Kreis direkt informieren darf.» Der Trainingsbetrieb ruhte (wie üblich nach dem Ausscheiden aus den Playoffs) bis Ende April. «Ich bekam aber ab und zu Filme oder Fotos zugeschickt», erzählt Matthias Popp. Einige Spieler hätten auf freiwilliger Basis etwas gemacht.

Warum es im Teamchat ruhig wurde

Das bestätigt Bruder Roman, der vor seiner neunten Saison beim SC Herisau steht. Manche seien in den vergangenen Wochen regelmässig aktiv gewesen, erzählt er und spricht unter anderem «Wald-Fit» an – eine Trainingsform, die den Spielern vor einem Jahr nähergebracht wurde. Eine Art Vita-Parcours sei das, aber mit eigenen Übungen. «Andere waren beim Joggen oder Inline-Skaten unterwegs.» Dass er als Captain derzeit eine besondere Funktion habe, glaubt Roman Popp nicht. «Die meisten von uns kennen sich schon lange, sind in Kontakt miteinander oder treffen sich gemäss den Regeln.»

In den vergangenen drei Wochen sei es im Teamchat aber verhältnismässig ruhig gewesen, ergänzt der Captain. Dies hat einen tragischen Hintergrund: Torhüter Gianluca Raganato ist an Ostern nach langer Krankheit im Alter von 30 Jahren verstorben. Er hatte sich 2015 dem SCH angeschlossen und kam bis 2018 zu einzelnen Einsätzen in der ersten Mannschaft.