«Wir werden um die Flüchtlinge bangen»

Dunant-Freunde aus nah und fern gedenken am 105. Todestag von Henry Dunant auch der vielen Flüchtlinge. Gastrednerin ist die Gemeindepräsidentin von Riggisberg. Sie erzählt, wie aus den fremden Menschen im dorfeigenen Asylzentrum Freunde wurden.

Roger Fuchs
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Landammann Matthias Weishaupt und Norbert Näf legen in Gedenken an Dunant einen Kranz nieder.

Landammann Matthias Weishaupt und Norbert Näf legen in Gedenken an Dunant einen Kranz nieder.

HEIDEN. Der diesjährige 105. Todestag von Henry Dunant am 30. Oktober bildete in Heiden gleichzeitig die Finissage der Kunstaktion «Menschlichkeit ohne Grenzen». Und so wurde heuer auf dem Dunantplatz vor der Kunstinstallation «Leuchtturm für Lampedusa» nicht nur ein Kranz zu Ehren des Rotes-Kreuz-Gründers niedergelegt, die Anwesenden gedachten auch der vielen Flüchtlinge auf der Welt.

Humanitäre Verantwortung

Christine Bär-Zehnder, Gemeindepräsidentin der Berner Gemeinde Riggisberg, zeigte als Gastrednerin den Weg zu einem dorfeigenen Asylzentrum auf. Seit Sommer 2014 verfügt Riggisberg über ein solches, 150 Asylsuchende leben dort. «Auch bei uns waren die Gegner präsent», so Bär-Zehnder. Etliche Gespräche seien nötig gewesen. Letztlich halfen aber viele Freiwillige bei der Eingliederung der Menschen mit. «Dabei wurden aus Fremden Freunde», sagte Christine Bär-Zehnder. Heute grüsse man sich, Skeptiker hätten sich mit der Situation arrangiert. Auch wenn Ende Jahr die Unterkunft schliesse, würden einige Asylsuchende dank einer Aufenthaltsbewilligung im Dorf bleiben. Die Gemeindepräsidentin von Riggisberg: «Humanitäre Verantwortung lässt sich nicht delegieren. Nachrichten von Flüchtlingen werden wir nie mehr unbeteiligt hören und sehen. Sie werden immer ein bisschen unsere Flüchtlinge sein, und wir werden um sie alle bangen.»

Leuchtturm bis im Frühjahr

Gemäss Norbert Näf, Präsident des Dunant-Museums, bleibt die Kunstinstallation «Leuchtturm für Lampedusa» trotz Finissage vorerst in Heiden stehen. Und dies bis im Frühjahr 2016, wie Gespräche mit dem Künstler ergeben haben. Die Zuständigkeit liege fortan aber bei der Gemeinde.

Mit Fackeln ausgestattet, lauschen die Menschen – darunter auch Heidens Gemeindepräsident Gallus Pfister (r.) – den Ausführungen an der Henry-Dunant-Gedenkfeier. (Bilder: rf)

Mit Fackeln ausgestattet, lauschen die Menschen – darunter auch Heidens Gemeindepräsident Gallus Pfister (r.) – den Ausführungen an der Henry-Dunant-Gedenkfeier. (Bilder: rf)