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«Wir werden kein unwürdiges Spiel treiben»: Regisseur Jean Grädel macht in Appenzell Theater in der Kirche

Regisseur Jean Grädel bringt mit «Bilder putzen» die Geschichte der Kapuzinermönche in Appenzell auf die Bühne.
Claudio Weder
Hat auch im Alter von 76 Jahren noch Lust auf Theater: Regisseur Jean Grädel. (Bild: Claudio Weder)

Hat auch im Alter von 76 Jahren noch Lust auf Theater: Regisseur Jean Grädel. (Bild: Claudio Weder)

Seit 2011 der letzte Kapuzinermönch aus Appenzell fortgezogen ist, stehen die Räume des Klosters zum grossen Teil leer. Was mit dem Gebäude geschehen soll, weiss bis heute niemand. Im Theaterstück «Bilder putzen», das zwischen dem 31. Oktober und dem 22. November 13-mal aufgeführt wird, nehmen Regisseur Jean Grädel und Autor Paul Steinmann genau diese Ungewissheit zum Ausgangspunkt, Geschichten rund um das ehemalige Kloster zu erzählen.

Es geht dabei aber nicht bloss um verstaubte Historie. «Theater soll ja schliesslich kein Geschichtsunterricht sein», sagt Grädel. Gegenwärtiges finde darin genauso Platz wie Zukünftig-Visionäres. Und von geistlicher Strenge und Ernsthaftigkeit sei das Stück ebenso weit entfernt.

Die Handlung, die aus mehreren ineinander verwobenen Geschichten besteht, nimmt ihren Lauf im Hier und Jetzt: Für die fiktive Regierungsrätin Kurz stellt sich – zusammen mit der Denkmalpflege – die Frage, wie man die Klosterräume nutzen könnte. Um sich eine Vorstellung vom Wert der Kunstwerke zu machen, beauftragt sie zwei Restauratorinnen, eines der Bilder in der Klosterkirche zu restaurieren.

Ausgehend von dieser «Bilderputzaktion» wird dann die 425-jährige Klostervergangenheit aufgerollt. Dies geschieht häppchenweise. Für Grädel sind es «Verdichtungen, die ein Innehalten im Rasen der Zeit» beschreiben. Dabei verflechten sich die Geschichten der heutigen Menschen mit jenen, die vorher hier lebten und wirkten.

Verliebt in die Appenzeller

«Und wenn schon die Kapuziner wieder in die Nähe gerückt werden, warum nicht gleich am Ort des Geschehens?», fragt Albert Koller, der Präsident der Theatergesellschaft Appenzell, welche das Stück auf die Bühne bringen wird. Oder eben: in die Kirche. Ob das nicht ein Widerspruch sei, ein Theaterstück an einem sakralen Ort wie der Klosterkirche aufzuführen? Der Regisseur verneint und verweist auf das mittelalterliche Theater, das seinen Ursprung in der Liturgie hatte. Auch das griechische Theater sei von religiösen Ritualen ausgegangen.

«Theater und Kirche standen in einem engen Zusammenhang – zumindest solange, bis die Spiele im 16. Jahrhundert aus der Kirche verbannt wurden.»

Weil diese mittelalterlichen Gaukler- und Fasnachtsspiele oft Geistliche verunglimpften, sei das verständlich, so Grädel. Im Hinblick auf die Aufführungen von «Bilder putzen» versichert er aber: «Wir werden kein unwürdiges Spiel treiben.»

Für Jean Grädel ist es nicht das erste Mal, dass er in Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Appenzell ein Schauspiel inszeniert. Schon beim Festspiel «Ueli Rotach» (2005) wie auch beim Stück «Tschingge» (2017) führte er Regie. Er habe sich verliebt in die Appenzeller, sagte er schon damals. Und diese Liebe scheint anzuhalten. Hie und da verfliegt bei Grädel der Thurgauer Dialekt, kippt über ins Appenzellerische.

Auf seinem Gebiet ist Grädel ein Profi. Schon über 180 Inszenierungen im In- und Ausland brachte der Thurgauer auf die Bühne. 2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnet. Auch wenn Grädel sich gewohnt ist, mit Profis zusammenzuarbeiten, schätzt er die Arbeit mit Laien genauso.

Viel Wert legt er darauf, dass die Darstellerinnen und Darsteller eine Rolle spielen können, die ihrem Charakter entspricht. «Das Schwierige dabei ist, die Grenze herauszuspüren, wie weit ich als Regisseur eine Rolle vorgeben kann, ohne dabei die Originalität des jeweiligen Typen kaputtzumachen. Und es hat ein paar richtige Appenzeller Originale unter den Schauspielenden – das ist grossartig.»

Mit der nötigen Ruhe das Projekt angehen

Die grosse Herausforderung besteht im Livecharakter des Theaters, so Grädel weiter. «Das Risiko, dass ein Stück sich ‹verirrt›, ist gerade beim Laientheater gross. Läuft etwas schief, können Amateurschauspieler diese Situation oft nicht mit der gleichen Kaltblütigkeit meistern, wie das Profis können.» Zudem stelle die Kirche als Theaterraum die Mitwirkenden auch vor technische Herausforderungen. Ob man da als Regisseur nervöser ist als die Schauspielenden selbst? Grädel winkt ab. Nach fast 200 Inszenierungen und im Alter von 76 Jahren habe er eine gewisse Ruhe entwickelt.

Hinweis: Spieldauer «Bilder putzen» vom 31. Oktober bis 22. November. Tickets und weitere Infos unter: www.tg-appenzell.ch

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