«Wir stehen auf dem Meeresboden»

Die Begabungsförderungs-Klasse Lütisburg/Ganterschwil wurde vom SAC Toggenburg für die Projektwoche vom 24. bis 29. Juni ausgelost. Am Dienstag lernten sie Neues über die Entstehung des Alpsteins und die Höhlen. Am Mittwochmorgen erlebten sie eine «Hötteträgetä».

Christiana Sutter
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Die Viert- bis Sechstklässler der Begabungsförderungs-Klasse Lütisburg/Ganterschwil meisterten die 17 Serpentinen hinauf zur Zwinglipass-Hütte in Regen und Schneegestöber. Von links: Nadine Roth, Valerie Hirt, Pascal Schmucki, Robin Merz, Marina Ramsauer, Céline Leuenberger, (kniend) Ruth Landolt Lehrerin, Nicolas Reichmuth, Raffael Wagner, Tristan Scherrer, Fredi Gmür. (Bilder: Christiana Sutter)

Die Viert- bis Sechstklässler der Begabungsförderungs-Klasse Lütisburg/Ganterschwil meisterten die 17 Serpentinen hinauf zur Zwinglipass-Hütte in Regen und Schneegestöber. Von links: Nadine Roth, Valerie Hirt, Pascal Schmucki, Robin Merz, Marina Ramsauer, Céline Leuenberger, (kniend) Ruth Landolt Lehrerin, Nicolas Reichmuth, Raffael Wagner, Tristan Scherrer, Fredi Gmür. (Bilder: Christiana Sutter)

WILDHAUS/TOGGENBURG. Ausgerüstet mit einem Rucksack, gefüllt mit Proviant für zwei Tage und trockenen Kleidern zum Wechseln, guten Wanderschuhen, Regenjacken und -hosen, warteten die vier Mädchen und fünf Knaben zusammen mit ihrer Lehrerin Ruth Landolt und deren Ehemann Fredi Gmür, auf die Bahnfahrt hinauf zum Gamplüt. Den neun Schülern der Begabungsförderungs-Klasse aus Lütisburg und Ganterschwil war die Spannung anzumerken. «Sie freuen sich auf dieses Erlebnis», sagt Ruth Landolt.

Stoff fürs Allgemeinwissen

Die Heilpädagogin Ruth Landolt betont, dass die Förderung begabter Schüler wichtig sei. «In der Schule sind sie schon sehr gut und haben auch keine Probleme bei den Hausaufgaben oder den Prüfungen. In diesen Begabungsförder-Stunden geht es darum, diesen Schülern zusätzlichen <Stoff> zu vermitteln.»

Jeweils am Donnerstagnachmittag treffen sich die Schüler. Es seien keine Schulstunden mit Aufgaben und Prüfungen. Gefördert werde lediglich das Allgemeinwissen. Den verpassten Schulstoff des Donnerstagnachmittags müssen die vier Mädchen und fünf Knaben nachholen. Die Möglichkeit für solche Erfahrungen, die den Schülern durch das Projekt des SAC Toggenburg ermöglicht werden, passe genau zu dieser Klasse. «Sie werden bestimmt Neues zu sehen und hören bekommen. Und verbunden mit der Wanderung und der Übernachtung auf der Zwinglipasshütte, wird es ein ganz spezielles Erlebnis», ist die Heilpädagogin überzeugt. Obwohl diese beiden Tage in die zweitletzte Woche des Schuljahres fallen und auch noch Schulreisen anstehen, hatte Ruth Landolt die Zustimmung der beiden Schulgemeinden auf sicher.

2000 Meter über Meer

Einer der Knaben sagt, dass er sich vorgängig über den SAC informiert hatte: «Und natürlich habe ich die Wetterprognosen studiert. Da war zu sehen, dass es sicher regnen, wenn nicht noch schneien würde.» Und so kommt es, dass die Kinder mit ihren prall gefüllten Rucksäcken im Nebel und Regen zügig die 17 Spitzkehren hinauf laufen. Etwa nach drei Viertel des Weges kommt der Gruppe Peter Weber, ein Mitglied des SAC Toggenburg, entgegen und begrüsst sie. Er zeigt den Schülern die Alphütte, in der sie Tags drauf, die Holzschitte für die «Hötteträgetä», abholen können. Mit aufmunternden Worten motiviert er die Schüler und deren Begleiter für die letzten 200 Höhenmeter bis zur Zwinglipasshütte.

Es beginnt zu schneien. Der Lütisburg/Ganterschwil-Gruppe kommen die Schülerinnen und Schüler aus Gähwil entgegen, die am Vortag diesen Weg gegangen sind. Ein kurzer Gruss und es geht weiter, hinauf bis auf 2000 Meter über Meer, zum Ziel: Der SAC Toggenburg Zwinglipasshütte. Am Ziel werden die Schüler von Myrtha und Hans Gut, Agnes Heuberger, Willy Schönenberger und den beiden Höhlenforschern Richi Graf und Roland Lutz begrüsst. Bereits dort angekommen ist die Realklasse aus Nesslau, die frühmorgens den Weg von Wildhaus hinauf auf die Zwinglipasshütte gewandert ist.

Idealisten auf der Hütte

Bereits dampft heisse Suppe in einer grossen Pfanne auf dem Tisch des gemütlichen «Stöblis». Die Ankommenden sind froh über diese wärmende Mahlzeit. Willy Schönenberger erklärt den Schülern, was es auf einer SAC-Hütte zu beachten gebe. «Es gibt hier oben nur wenig Wasser und Strom.» Das Wasser werde über das Dach gefasst und die Sonnenstrahlen werden mittels Sonnenkollektoren erfasst und in Strom umgewandelt. Dann werde alles Material, das es hier oben gibt, von Menschen in die Hütte getragen. «Die Mitglieder des SAC Toggenburg sind Idealisten. Wir sind bemüht, die urchige Atmosphäre zu wahren und hier oben das Moderne etwas abzuhalten», erklärt der ehemalige Sekundarlehrer. Ihnen sei auch wichtig, dass aufeinander acht gegeben und einander geholfen werde.

Appenzeller Höhle

Der Nachmittag ist für die Workshops reserviert. «Vorgängig konnten wir aus verschiedenen Themen auswählen», sagt Ruth Landolt. Da die Höhlenforscher jedoch die ganze Woche auf der Hütte sind, bietet sich dieses Thema für alle an. Auch Willy Schönenberger bietet sich mit der Erdkunde – im Speziellen der Entstehung des Alpsteins – für eine Station an.

Der Dritte im Bunde ist Hans Gut, der den Schülern den Bergfrühling erklären wollte. Das erweist sich dann als schwierig, da der Schnee doch die eine oder andere Blume wieder unter sich begräbt. Zusammen mit Richi Graf und Roland Lutz marschieren die neun Schüler und ihre zwei Begleiter über den Schnee, in Richtung Appenzeller Höhle. Unterwegs stoppt Richi Graf die Gruppe auf einem Schneefeld und erklärt ihnen die Gefahr, die nicht sichtbar ist. «Seht ihr dort drüben diese Felswand. Vor dieser Wand befindet sich eine zehn Meter tiefe Höhle», erklärt er. Er will damit sagen, dass man niemals ein Schneefeld überqueren sollte, ohne zu wissen, was sich darunter befindet.

Bei der Höhle können sich die Kinder entscheiden, ob sie überhaupt hinunter klettern möchten, oder lieber doch nicht. «Nein zu sagen braucht sehr viel Mut», sagen die Höhlenforscher. Unten werden sie von Roland Lutz in der Höhle herumgeführt. Richi Graf erklärt, dass die Höhle zurzeit auf 150 Meter erforscht sei. «Dann gibt es noch ein paar Gänge, die noch zu erforschen sind.» Weiter sagt er auch, dass sich auf der Zwinglipasshütte eine ideale Ausgangslage für sie ergebe. «Innert 30 Minuten Fussmarsch können wir mehrere Höhlen begehen.»

Meeres-Lebewesen

Nach der Erkundung der Höhle führt Willy Schönenberger die Gruppe auf dem teilweise noch schneebedeckten Bergwanderweg in Richtung Altmann. «Ihr werdet erstaunt sein, was ihr da zu sehen bekommt», macht er die Schüler «gwundrig.» Auf einer grossen Felsplatte stoppt er und zeigte auf den Boden: «Was denkt ihr, was sich unter uns befindet?» Erstaunt schauen die Schüler auf den Felsen und entdecken viele kleine Versteinerungen. «Das sind Ammoniten, Lebewesen, die im Meer lebten.» Damit ist er bereits beim nächsten Thema: Wie ist das Alpsteinmassiv entstanden.

Anhand von vorbereiteten Skizzen und Fotos, erklärt Willy Schönenberger den wissenshungrigen Schülern, wie die Erde vor 150 Millionen Jahre ausgesehen hatte und wie die Kontinente sich näher gekommen sind. «Hier, diese Formationen sind jetzt Säntis, Altmann und die Churfirsten.» Weiter erklärt er, dass diese Felsplatte, auf der sie stehen, früher die unterste Schicht – die Molasse oder uns bekannt als Nagelfluh – im Meer gewesen sei. Eines der Kinder bemerkt erstaunt: «Dann stehen wir jetzt auf dem Meeresboden.»

Hötteträgetä Samstag, 29. Juni: Treffpunkt 5.45 Uhr Parkplatz Chuchitobel Wildhaus, 7 Uhr auf der Chreialp oder am Vorabend auf der Zwinglipass-Hütte.

Willy Schönenberger erklärt den aufmerksamen Schülern, wie die Versteinerungen, auf denen sie stehen, zustande gekommen sind.

Willy Schönenberger erklärt den aufmerksamen Schülern, wie die Versteinerungen, auf denen sie stehen, zustande gekommen sind.