«Wir sind vom Velofahren angefressen»

Das Velomuseum Rehetobel hat mit einer Dauerausstellung die neuen Räume im ehemaligen Feuerwehrdepot an der Heidenerstrasse eingeweiht. Vorstandsmitglied François Cauderay erklärt im Interview das neue Konzept und erinnert an die Zeit, als Rehetobel zu den progressivsten Gemeinden gehörte.

Michael Genova
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François Caudray will künftig nur noch 25 der über 300 Sammelobjekte ausstellen. (Bild: pd)

François Caudray will künftig nur noch 25 der über 300 Sammelobjekte ausstellen. (Bild: pd)

Herr Cauderay, was zeichnet die überarbeitete Ausstellung am neuen Standort aus?

François Cauderay: Mit der neuen Ausstellung wollten wir eine qualitative Verbesserung erreichen. Früher waren wir eher eine begehbare Sammlung. Die Ausserrhoder Museumskoordinatorin Isabelle Chappuis hat uns ermuntert, den Standard des Museums zu verbessern. Im Obergeschoss befindet sich neu eine Dauerausstellung. Zusätzlich werden wir auf der Hälfte der Fläche die ausgestellten Objekte regelmässig austauschen. Neu ist auch, dass wir die Ausstellung didaktischer gestaltet haben. Wir zeigen nur noch 25 von über 300 Objekten.

Steht die Ausstellung unter einem bestimmten Thema?

Cauderay:Wir haben das Thema der sogenannten «Randonneure» aus den 1930er-Jahren aufgegriffen. Die vornehme Gesellschaft entdeckte damals das Radwandern. Sie bewegte sich bereits wieder weg vom Auto und fuhr mit dem Velo ins Grüne zum Picknicken. Dafür entwickelte man spezielle Velos, die leichter waren und dicke Reifen hatten. Einige davon haben wir ausgestellt.

Können Besucher die historischen Velos auch ausprobieren?

Cauderay: Ja, das ist Teil unseres Konzepts. Wir haben nicht nur Ausstellungsobjekte, denn das Fahrrad ist schliesslich ein Gebrauchsartikel. Ein Hochrad haben wir nachgebaut, weil wir es so besser reparieren können. Auf einigen Original-Velos lassen wir unsere Besucher aber auch fahren – vier- bis fünfmal pro Jahr ist das zu vertreten.

Kann jeder lernen, mit einem Hochrad zu fahren?

Cauderay: Jeder durchschnittlich begabte Velofahrer lernt es in wenigen Minuten. Es ist allerdings etwas gefährlich, weil man von hoch oben herunterfallen kann.

Früher befand sich das Museum im Gaden an der Holderenstrasse, heute im alten Feuerwehrdepot an der Heidenerstrasse. Beides sind historisch bedeutsame Gebäude.

Cauderay:Das ehemalige Feuerwehrhaus wurde 1874 erbaut. Rehetobel war damals sehr progressiv und die erste Gemeinde mit einer zentralen Feuerwehr. Im Untergeschoss des Depots befand sich eine Turnhalle für die Feuerwehrleute. Dort konnten sie trainieren, um fit zu bleiben. Der Bau des Gebäudes fällt zeitlich mit dem Aufkommen der ersten Velos zusammen. Es war eine Zeit des Aufbruchs, der Glaube an die Technik war gross. Insofern ist der Standort auch historisch passend.

Sie sammeln seit 30 Jahren Velos. Woher kommt diese Faszination?

Cauderay: Das ist ein Virus. Wenn man ihn einmal hat, bringt man ihn nie mehr los. Meine Vorstandskollegen und ich sind Gleichgesinnte, die vom Velofahren angefressen sind. Deshalb ist das Museum entstanden.

Öffnungszeiten: Nur auf Anmeldung, Gruppen ab 10 Personen, Telefon 071 877 17 70, www.velomuseum-rehetobel.ch

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