«Wir sind stolz auf unsere Altbauten, aber wir wollen auch mit der Zeit gehen»: Der Trogner Gemeinderat hält trotz Widrigkeiten an der Neugestaltung des Bahnhofs fest

Die Entscheide des kantonalen Amts für Bau und Volkswirtschaft haben die Neugestaltung des Trogner Bahnhofs im Zeitplan zurückgeworfen. Der Gemeinderat will die Entscheidung nicht anfechten. Er steht weiterhin hinter dem Bauvorhaben der Appenzeller Bahnen, weil dieses auch für die Gemeinde zweckdienlich ist.

Miguel Lo Bartolo
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Das geschichtsträchtige Bahnhofsgebäude soll im Zuge einer Neugestaltung des Bahnhofareals abgebrochen werden.

Das geschichtsträchtige Bahnhofsgebäude soll im Zuge einer Neugestaltung des Bahnhofareals abgebrochen werden.

Bild: Hanspeter Schiess

«Es geht um mehr als nur den Bahnhof», sagt Trogens Gemeindepräsidentin, Dorothea Altherr. Nachdem das Departement für Bau und Volkswirtschaft Ausserrhoden vor zwei Wochen das Baugesuch für die Neugestaltung des Bahnhofareals zur Neubeurteilung an die Baubehörde zurückgewiesen hatte, beriet der Gemeinderat in einer Sitzung über das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit.

Gemäss Altherr sei man sich einig, an der Neugestaltung festhalten zu wollen. Denn das Projekt der Liegenschaftsbesitzer, der Appenzeller Bahnen, werde im Gemeinderat als «sinnvolle Lösung» angesehen. Dies, weil sich damit nämlich gleich mehrere langjährige Problemherde auf einmal beseitigen liessen.

Dorothea Altherr, Gemeindepräsidentin Trogen

Dorothea Altherr, Gemeindepräsidentin Trogen

Bild: APZ

Da wäre zum Beispiel eine Mauer, die zurückversetzt werden muss, weil sie das Einkehren des Postautos erschwert – ein Problem, das eigentlich schon lange hätte behoben werden müssen. Kostenpunkt: rund 1 Million Franken. Hinzu kommt die Gestaltung eines behindertengerechten Einstiegs, der im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes bis spätestens 2023 sowohl für den Bus- als auch für den Bahnhof gewährleistet werden soll. «Und dann führen wir noch seit Jahren Diskussionen wegen mangelnder Geschäftsflächen im Dorfkern», sagt Altherr.

Zurück auf Feld 1

Das Grossprojekt der Appenzeller Bahnen würde laut der Gemeindepräsidentin all diese Mankos beheben – «und zwar zu einem Bruchteil der eigentlichen Kosten für die einzelnen Bauarbeiten, die teilweise von der Gemeinde getragen werden müssten», wie sie sagt. Die Mauer würde zurückversetzt, ein erhöhtes, behindertengerechtes Perron errichtet und grosszügige Ladenfläche und/oder beispielsweise Praxisräume im neuen Bahnhofsgebäude zur Verfügung gestellt werden.

Eine Visualisierung des «neuen Bahnhofs».

Eine Visualisierung des «neuen Bahnhofs».

Bild: PD

Altherr sagt:

«Es ist ein Glücksfall, dass die Appenzeller Bahnen überhaupt in diese Neugestaltung investieren wollen.»

Von diesem für die Gemeinde attraktiven Gesamtpaket wollen die Rekurrenten indes nichts wissen. Mit ihren Einsprachen haben sie das Bauvorhaben unlängst zurück auf Feld 1 geschickt. Warum aber?

Für die Rekurrenten hat der Erhalt des historischen Bahnhofgebäudes mehr Gewicht als die wirtschaftliche Entlastung der Gemeinde. Die genannten Posten müssten auch ohne die Hilfe der «Appenzeller Bahnen» erledigt werden können, so weit überhaupt notwendig, findet beispielsweise der Rekurrent und stellvertretende Leiter der kantonalen Denkmalpflege St. Gallen Moritz Flury. Er hält fest:

«Für ein attraktiveres Dorfbild zu sorgen, ist in meinen Augen Aufgabe der Gemeinde.»

Natürlich sei es für die Gemeinde bequem, wenn die Appenzeller Bahnen im Zuge der Neugestaltung offene Posten erledigen würden. Das rechtfertige aber nicht den Abbruch des alten Bahnhofgebäudes.

«Gemeinde kann nicht zum selben Schluss kommen»

Flury geht einzeln auf die Posten ein. So sei beispielsweise die Mauer ein Anliegen, das – entgegen der Meinung des Gemeinderats – auf der Prioritätenliste weiter unten stehen müsse. Denn das Einlenken des Postautos beim Bushof sei nicht so gefährlich, wie es dargestellt würde. Klar sei es unschön, dass der Bus für das Wendemanöver auch einen Teil der zweiten Fahrspur einnehme. Der Verkehr auf der Hauptstrasse halte sich aber in Grenzen. Entsprechend sei die millionenteure bauliche Anpassung unverhältnismässig.

Moritz Flury, stellvertretender Leiter der kantonalen Denkmalpflege St. Gallen.

Moritz Flury, stellvertretender Leiter der kantonalen Denkmalpflege
St. Gallen.

Bild: PD

Zu den Läden sagt Flury Folgendes: «Man hatte zu Anfang des Neugestaltungsprojekts prophezeit, dass der Dorfladen in Trogen ohne eine neue Ladenfläche im Bahnhofareal nicht weiter existieren kann.» Der Dorfladen hat indes zwischenzeitlich eine neue Fläche in der alten Post gefunden und besteht heute immer noch. Fehlende Ladenfläche stelle kein akutes, dringendes Bedürfnis dar. Natürlich könnte das Dorfzentrum durch eine Bäckerei oder Metzgerei an Attraktivität gewinnen. Aber eine solche könne man genauso gut im alten Bahnhofgebäude unterbringen.

Das weitere Vorgehen der Baubehörde ist klar: Das Baugesuch –insbesondere der Aspekt der Unterschutzstellung des Bahnhofgebäudes – ist neu zu beurteilen. Die Interessenabwägung der Gemeinde muss ausführlicher dargelegt werden. Flury ist sich sicher:

«Sollte sich die Gemeinde tatsächlich unvoreingenommen mit der ortsbaulichen Tragweite des Projekts und dem Inhalt der eidgenössischen Gutachten auseinandersetzt, ist es ausgeschlossen, dass sie zum gleichen Schluss kommt.»

Mehr Informationen zur Bahnhofneugestaltung des Architekturbüros Bernardo Bader Architekten finden Sie hier.

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