«Wir sind Anwälte guter Baukultur»

Eva Louis ist die neue Obfrau des Heimatschutzes Appenzell Ausserrhoden. Sie fordert, dass die Baugesetzrevision intensiver von Fachleuten begleitet wird. Eine hohe Bauqualität stärke die Identität und den sozialen Zusammenhalt.

Michael Genova
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Seit Anfang Mai ist die Architektin Eva Louis aus Stein neue Obfrau des Ausserrhoder Heimatschutzes. (Bild: mge)

Seit Anfang Mai ist die Architektin Eva Louis aus Stein neue Obfrau des Ausserrhoder Heimatschutzes. (Bild: mge)

STEIN. Sieht man in Eva Louis' Büro in der Langenegg aus dem Fenster, fällt der Blick auf ein Bauernhaus. «Das ist ein gutes Beispiel für eine sanfte Renovation», sagt die Architektin. Das sei nicht selbstverständlich, denn es gebe einen wachsenden Druck auf historische Bauten. Vor allem 100jährige Bauernhäuser ausserhalb der Bauzone seien bedroht. Die Gründe dafür sieht Eva Louis im zunehmenden Raumbedarf und der fehlenden Bereitschaft, der historischen Bausubstanz Sorge zu tragen. «Wenn wir nicht achtgeben, droht uns eine baukulturelle Lücke.» In 20 bis 30 Jahren könnten dann Bauzeugen aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts fehlen.

Studium in Krakau und Zürich

Seit Mai ist Eva Louis neue Obfrau des Heimatschutzes Appenzell Ausserrhoden. Die gebürtige Polin studierte Architektur in Krakau und an der ETH Zürich. Vor 33 Jahren kam sie der Liebe wegen in die Schweiz. In Stein führt sie ein Büro für Architektur, Innenarchitektur und Lichtdesign. Als Architektin ist Eva Louis lokal tätig, konzipierte zum Beispiel die Erweiterung der Bergstation der Kronbergbahn und war für den Umbau der Gebärabteilung des Spitals Herisau verantwortlich. Von 2000 bis 2007 war Eva Louis Mitglied des Gemeinderates Stein und präsidierte die Bau- und Strassenkommission.

Fachleute für Gesetzesrevision

Der Heimatschutz begrüsst den jüngsten Entscheid des Ausserrhoder Regierungsrats, das revidierte Baugesetz zurückzuziehen. «Die Reihenfolge war falsch», sagt Obfrau Eva Louis. Zuerst brauche es in den Gemeinden eine Diskussion darüber, wie man die Dorfzentren aufwerten könne. Danach müssten zuerst der Richtplan und erst in der Folge Baugesetz und die Bauverordnung behandelt werden. Eva Louis fordert zudem, dass die neue Baugesetzrevision intensiver als bislang von Fachleuten begleitet wird.

Der strittigste Punkt im neuen Baugesetz ist die geplante Abschaffung der kommunalen Ortsbildschutzzonen. Der Heimatschutz kritisierte dieses Vorhaben bereits im Mai in einer ausführlichen Stellungnahme. «Bislang ist es lediglich eine Annahme, dass eine Abschaffung der Ortsbildschutzzonen die Bautätigkeit in den Dörfern fördern würde», sagt Eva Louis. Eine klare Analyse habe bislang gefehlt. Sie hoffe nun, das die Resultate der Diskussion in die Teilrevision des Baugesetzes einfliessen werden.

Wie aber soll die alte Bausubstanz in den Dörfern erneuert werden? «Wir sind nicht gegen den Abbruch von Gebäuden, sofern die Entscheide überlegt sind», sagt Eva Louis. Der Umgang mit historischer Bausubstanz könne man nicht vom zeitgenössischen Bauen trennen. Für Louis beschränkt sich die Ortsbildpflege nicht auf den Erhalt von Einzelobjekten. Wichtig seien auch Dorfstrukturen, Plätze und Aussenräume. Dem Heimatschutz sei es ein Anliegen, die Dörfer als Ensemble zu bewahren; als Einheit, in der sich die Einwohner wohl fühlen. «Wir sind die Anwälte guter Baukultur», so Eva Louis. Eine hohe bauliche Qualität stärke die Identität und den sozialen Zusammenhalt in den Dörfern.

Herisau fehlt Vision für Zentrum

Kritisch beurteilt Eva Louis den geplanten Neubau der Migros in Herisau. «Zurzeit fehlt der Gemeinde eine Vorstellung der baulichen Entwicklung im Dorfzentrum.» Der Heimatschutz kritisiert den geplanten Abbruch des geschützten Brühlhofs und das Volumen des Neubaus. «Man kann nicht einfach eine Shopping-Mall ohne Rücksicht auf die lokalen Gegebenheiten ins Dorfzentrum stellen», sagt Eva Louis. Es sei beides möglich: Die Realisierung des Migros-Neubaus und der Erhalt des Brühlhofs.