«Wir können es nicht einfach so lassen»: Warum Wolfhalden das ehemalige Pfarrhaus umnutzen will

Der Gemeinderat Wolfhalden will das denkmalgeschützte Haus im Dorfzentrum für rund 1 Million Franken sanieren. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden am 29. November zudem über den neuen Schulvertrag mit Grub.

David Scarano
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Dorf 2 in Wolfhalden: Von aussen noch hübsch, für die Gemeinde ist das ehemalige Pfarrhaus aber finanziell belastend.

Dorf 2 in Wolfhalden: Von aussen noch hübsch, für die Gemeinde ist das ehemalige Pfarrhaus aber finanziell belastend.

Bild: APZ

Es steht in unmittelbarer Nähe zur reformierten Kirche und ist eines der prägenderen Gebäude im Dorfzentrum von Wolfhalden: Die Rede ist vom ehemaligen Pfarrhaus, das allerdings seit Ende Dezember 2015 für die Gemeinde eine finanzielle Belastung darstellt.

Seit dem Auszug der Raiffeisenbank generiert die Liegenschaft Dorf 2 praktisch keine Erträge, die für einen ordentlichen Unterhalt nötig wären. Aktuell sind in der denkmalgeschützten Liegenschaft die Schul- und Gemeindebibliothek sowie der Mittagstisch untergebracht.

Ohne Plan B

Der Gemeinderat will das historische Gebäude nun umnutzen. Am
29. November befindet das Stimmvolk der Vorderländer Gemeinde an der Urne über den beantragten Baukredit in der Höhe von 1,089 Millionen Franken. An der öffentlichen Versammlung am Mittwochabend mit rund 20 Anwesenden im Kronensaal löste das Projekt diverse Fragen aus, auch grundsätzlicher Natur.

Gemeindepräsident Gino Pauletti

Gemeindepräsident Gino Pauletti

Bild: PD

Unter anderem wollte eine Votantin wissen, ob der Gemeinderat einen Platz B besitze, falls die Bevölkerung den Kredit ablehne. Gemeindepräsident Gino Pauletti antwortete mit einem Nein. Man müsse dann nochmals über die Bücher. Für Pauletti ist aber klar:

«Wir können das Haus nicht einfach so lassen. Wir müssen Einnahmen generieren.»

Dem jetzigen Bauprojekt ist eine Hausanalyse vorausgegangen. Diese zeigte laut Abstimmungsedikt auf, dass für die längerfristige Werterhaltung Instandsetzungsarbeiten in der Höhe von 300000 Franken nötig wären. Diese Kosten würden unabhängig einer Umnutzung anfallen.

Drei Wohnungen entstehen

An der Versammlung stellte der von der Gemeinde beauftragte Heidler Architekt Ueli Sonderegger das Bauprojekt vor. Insgesamt vier Architekturbüros waren von der Arbeitsgruppe eingeladen worden.

Im ersten und zweiten Stock sind je eine 3,5-, im dritten unter Einbezug des Dachstockes eine zweistöckige 4,5-Zimmer-Wohnung vorgesehen. Ergänzt werden diese jeweils mit einem Balkon. Die bisherigen Einheiten werden rundum erneuert. Der grösste Eingriff wird laut Sonderegger bei den Nasszellen und den Küchen vorgenommen.

Teilnehmer der Informationsversammlung interessierten sich auch für Details, etwa bei der Schallisolierung. Sonderegger sagte, man könne bei einem solchen Projekt nicht die Qualität eines Neubaus erwarten, es zeichne sich durch andere Qualitäten aus. Die Mischung aus historischen und neuen Elementen mache den Charme aus.

Stimmt das Volk dem Kredit zu, sollen die Bauarbeiten gemäss Sonderegger im Herbst 2021 beginnen, die Wohnung 2022 bezugsbereit sein. Bibliothek und Mittagstisch würden in anderen Gemeindeliegenschaften untergebracht werden.

Neuer Schulvertrag mit Grub

Am 29. November kommt in Wolfhalden auch der neue Vertrag für die gemeinsame Sekundarstufe I mit Grub an die Urne. Wie der zuständige Gemeinderat Heiko Heidemann sagte, sei der aktuelle nicht mehr zeitgemäss. Die beiden Vorderländer Gemeinden arbeiten seit Jahrzehnten im Bereich der Sekundarstufe zusammen. Der Ursprungsvertrag datiert von 1976. Gruber Schüler besuchen die Oberstufe in Wolfhalden. Über den neuen Vertrag sagte Heidemann:

Gemeinderat Heiko Heidemann

Gemeinderat Heiko Heidemann

Bild: PD
«Unser Anliegen war es, miteinander und auf Augenhöhe die Schule gemeinsam zu betreiben.»

Unter anderem erhält Grub nun festen Einsitz und Mitspracherecht in der Wolfhälder Schulkommission. Überarbeitet wurde auch der Kostenschlüssel. Der bisherige Rabatt von 15 Prozent für Grub entfällt, dafür beteiligt sich Wolfhalden an den Transportkosten. Unter dem Strich spart die Gemeinde Wolfhalden rund 80000 Franken im Jahr.

Die beiden Gemeinden hatten im Vorfeld alternative Kooperationen geprüft, etwa mit Heiden und Walzenhausen. Man entschied sich aber, die bewährte und laut Heidemann im Kanton einmalige Zusammenarbeit fortzusetzen. Grub stimmt zeitgleich über den Schulvertrag ab.

Ein Minus, das zu verkraften ist

Als dritte und letzte kommunale Vorlage kommt am 29. November der Voranschlag 2021 an die Urne. Die Budgetierung sei für den Gemeinderat jeweils sehr schwierig, wie Pauletti ausführte. Die fehlende Einsicht in die Steuerdaten nannte der Gemeindepräsident «eine Katastrophe». In diesem Jahr kommt die Coronapandemie und deren Folgen erschwerend hinzu.

Der Voranschlag rechnet mit um 4,6 Prozent tieferen Einnahmen gegenüber dem Vorjahr. Am Ende resultiert bei Ausgaben von 9,7 Millionen Franken ein Minus von knapp 850000 Franken. Das ist in Wolfhalden nicht ungewöhnlich, gingen die Voranschläge der vergangenen sieben Jahre jeweils von einem Rückschlag aus. In der Jahresrechnung resultierte aber am Ende immer ein Ertragsüberschuss. Ob es auch diesmal gelingt, ist aber wegen der Pandemie unklar. Dieses Risiko will die Gemeinde aber eingehen. So hält sie an den Nettoinvestitionen von 1,5 Millionen Franken fest, auch um das lokale Gewerbe zu unterstützen, so Pauletti. «Wir können uns ein Defizit leisten», sagte der Gemeindepräsident. Wolfhalden ist aktuell mit einem Eigenkapital von 8 Millionen Franken die «reichste» Gemeinde in Ausserrhoden.