«Wir kamen mit dem Velo»

Die ehemaligen «Eidgenossen» im Appenzeller Kantonal-Schwingerverband: Heute Hans Rechsteiner, Herisau. 1966 fand in Frauenfeld schon einmal ein Eidgenössisches Schwingfest statt; Rechsteiner erkämpfte damals einen Kranz.

Bruno Eisenhut
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Herisau. Wer Hans Rechsteiner kennt, sieht das Allgemeinbild der Schwinger nicht unbedingt bestätigt. Gross und stark sollen sie sein, die Schwinger. Der Herisauer war während seiner aktiven Schwingerzeit eines davon sicher nicht, denn mit seinen 74 Kilo und einer Körpergrösse von 1,74 Metern zählte der heute pensionierte Landwirt zu den kleinen Athleten im Teilnehmerfeld.

Der Preis: Wein und Zigarren

Dennoch kann Hans Rechsteiner auf eine eindrückliche Schwingerkarriere zurückblicken. Im Alter von 17 Jahren zerrten ihn Kollegen aus der Nachbarschaft ein erstes Mal mit ins Schwingtraining. «Das Training war damals noch schwach besetzt», erinnert sich Rechsteiner. «Ein Einwärmen gab es nicht, wir kamen mit dem Velo und legten gleich los mit Schwingen», so der Herisauer weiter. 1961 bestritt er sein erstes Kantonales Schwingfest.

Am Thurgauer Kantonalen Schwingfest, welches er später noch zweimal gewinnen sollte, reichte es nicht in den Ausstich. Eine Flasche Wein und eine Packung Zigarren sei damals der Preis gewesen, erinnert sich Hans Rechsteiner.

Erster Eindruck überwältigend

Den Durchbruch zum Erfolg schaffte der bescheidene Rechsteiner in den folgenden Jahren. Dank einem Trainingsplatz zu Hause auf dem Heuboden wurde das Training intensiviert. 1964 erkämpfte sich der stetige Schaffer seinen ersten Schwingerkranz.

Mit drei weiteren Exemplaren in derselben Saison bestätigte er seine enormen Fortschritte. Diese Erfolge waren für Hans Rechsteiner und seine Trainingskollegen Bestätigung über die eingeschlagenen Trainingsmethoden. Die Infrastruktur wurde verbessert, der heutige Schwingplatz in der Langelen in Herisau war die nächste Steigerung.

Für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Frauenfeld 1966 qualifizierte sich Hans Rechsteiner, der mittlerweile dank seiner Zielstrebigkeit und seinem technischen Können zu einem Spitzenschwinger im Nordostschweizerischen Verband heranreifte, unter anderem durch den Sieg am Thurgauer Kantonalen Schwingfest. «Der erste Eindruck am ESAF war für mich überwältigend», erinnert sich Hans Rechsteiner. Schon damals ging ein ESAF vor über 30 000 Zuschauern über die Bühne. Mit vier Siegen belegte der kleine Appenzeller nach Wettkampfhälfte die Ranglistenspitze.

Die grosse Herausforderung bestand nun darin, den einen nötigen Sieg für den angestrebeten Kranzgewinn noch zu realisieren. Dieses Kunststück vollbrachte Hans Rechsteiner im siebten Gang, nachdem er zuvor den späteren Festsieger und Schwingerkönig Ruedi Hunsperger an den Rand einer Niederlage gebracht hatte.

Gefeiert wurde dieser sportliche Erfolg in typisch Rechsteiner'scher Manier. Nicht überschwenglich, einfach erfreut über das Erreichte. Am folgenden Tag ging Rechsteiner wieder seiner täglichen Arbeit nach.

«Schon mit einigen Blessuren und Schmerzen», wie Rechsteiner mit einem Lächeln erzählt.

«Nie Probleme mit Niederlagen»

An Schwingfesten ist Hans Rechsteiner heute noch oft anzutreffen. Dabei verfolgt er das sportliche Geschehen auf dem Platz genau. Die Freude am Schwingsport hat Rechsteiner über all die Jahre nie verloren. Dies zeigt auch sein Engagement nach seiner Aktivzeit. 1970 bestritt er sein letztes Aktivschwingfest.

Danach war er lange Jahre technischer Leiter des Schwingklubs Herisau und des Appenzeller Kantonal Schwingerverbandes.

Die Einstellung im Schwingsport überträgt Rechsteiner bis heute auch ins tägliche Leben. Nie überschwenglich, aber auch nie zu Tode betrübt, so bewältigt der Herisauer sein Leben. «Ich hatte nie Probleme mit Niederlagen», beteuert der pensionierte Landwirt. Natürlich habe auch er lieber gewonnen als verloren. Vom Eidg. Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld (20.

bis 22. August) erhofft sich Rechsteiner einen Kranznachfolger aus dem Appenzeller Kantonal-Schwingerverband.