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«Wir haben viel versucht»

Noch anderthalb Monate können in der Weberei Graf in Krinau Heimtextilien gekauft werden. Wenn der Totalausverkauf am 30. Juli endet, geht auch die über 150jährige Geschichte des Unternehmens zu Ende.
Ruben Schönenberger
In der Weberei Graf in Krinau werden noch bis Ende Juli Vorhänge genäht. (Bild: Ruben Schönenberger)

In der Weberei Graf in Krinau werden noch bis Ende Juli Vorhänge genäht. (Bild: Ruben Schönenberger)

KRINAU. «Es sind mehrere Gründe, die zum Entscheid geführt haben», sagt Inhaberin Renata Ruoss zum Ende der Weberei Graf in Krinau. Früher sei es noch üblich gewesen, sich Vorhänge zu kaufen. Heute hätten viele Leute Rollläden, die Nachfrage nach Vorhängen sei auch deshalb weggebrochen. Durch die schlechter werdende Wirtschaftslage im vergangenen Jahr hätten sich die Probleme akzentuiert.

Viel versucht und investiert

Ruoss sieht keinen Weg, wie dieses Schicksal hätte vermieden werden können. «Wir haben viel versucht, haben immer wieder investiert, Werbung geschaltet und auch eine neue Webseite erstellt. Ohne nachhaltigen Erfolg.» Hildegard Amstutz, in der Weberei im Verkauf, der Lagerbewirtschaftung, im Büro und dem Zuschnitt tätig, stimmt ihr zu. «Auch das Gebäude wurde immer wieder renoviert und neu eingerichtet.» Der Standort ist denn auch fast das einzige, was über die Jahre gleich geblieben ist. Vor über 150 Jahren als reine Weberei gestartet, wurde in den 1980er-Jahren das Geschäft mit Vorhängen aufgenommen. Gewebt wurde da in Krinau schon nicht mehr. In den 1990er-Jahren integrierte man eine Näherei im Gebäude. Vorher hatten das Heimarbeiterinnen dezentral erledigt.

Seit 1988 in Familienbesitz

Die Familie Ruoss kam 1988 in den Besitz der Weberei. Zuerst wurde sie von zwei Brüdern geführt, bevor Marcel Ruoss 2006 die alleinige Leitung übernahm. Nach seinem Tod vor zwei Jahren übernahm seine Frau Renata Ruoss das Geschäft. «Ohne meine Mitarbeiterinnen wäre es wohl schon da nicht mehr weitergegangen. So konnten wir immerhin noch zwei Jahre weitermachen.» Ein Fakt, der auch der Lernenden im Betrieb zugute kommt. Sie kann so ihre Ausbildung gerade noch abschliessen, bevor die Weberei die Türen schliesst. Sowieso hätte die Schliessung für keine der Mitarbeiterinnen zu Problemen geführt, wie Ruoss und Amstutz versichern. Definitiv gefallen ist der Entscheid zur Schliessung der Weberei Graf zu Beginn dieses Jahres. «Das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben hat einfach nicht mehr gepasst. Das war zwar nicht der alleinige Grund, aber schliesslich der ausschlaggebende», blickt Ruoss auf den Jahresbeginn zurück. «Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen.»

Totalausverkauf bis Ende Juli

Auch wenn Ruoss mehrheitlich von Vorhängen spricht, die nicht mehr nachgefragt würden, auch die anderen Produkte der Weberei Graf seien nicht mehr profitabel gewesen. Deshalb können neben Nacht- und Tagesvorhängen bis zum 30. Juli auch weitere Heimtextilien wie zum Beispiel Tischläufer zu reduzierten Preisen bezogen werden.

Für das Inventar und die zum Schluss nicht verkauften Materialien sind teilweise bereits Lösungen gefunden worden. Wie viel aber wirklich übrig bleibt, ist offen. Wegen dem absehbaren Ende und den günstigen Preisen sei die Nachfrage zuletzt gestiegen. Dementsprechend sei auch die Näherei sehr gut ausgelastet. Und das wird sie bis zum 30. Juli auch bleiben. Danach geht in Krinau eine über 150jährige Geschichte definitiv zu Ende.

www.weberei-graf.ch

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