«Einmalige Chance für Heiden», «zu grosse finanzielle Belastung»: So fallen an der öffentlichen Versammlung die Reaktionen zum geplanten Bushof-Projekt aus

Für 8,2 Millionen Franken soll am Bahnhof Heiden eine ÖV-Drehscheibe entstehen. An einem Informationsanlass stellen die Appenzeller Bahnen, die Gemeinde und Postauto Ostschweiz das Vorhaben vor.

Jesko Calderara
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So könnte der neue Bushof in Heiden dereinst aussehen.

So könnte der neue Bushof in Heiden dereinst aussehen.

Visualisierung: PD
Thomas Baumgartner ist Direktor der Appenzeller Bahnen.

Thomas Baumgartner ist Direktor der Appenzeller Bahnen.

Bild: APZ

Für den Direktor der Appenzeller Bahnen (AB) ist der Handlungsbedarf am Bahnhof Heiden erheblich. «Fahrgäste können nicht mal ebenerdig in den Zug gelangen», sagte Thomas Baumgartner am Montagabend an der öffentlichen Versammlung im Kursaal zum geplanten Bushof. Diesen Mangel gilt es, bis 2023 zu beheben, so schreibt es das Behindertengleichstellungsgesetz vor. Am Bahnhof soll deshalb für 8,2 Millionen Franken eine eigentliche Drehscheibe für die Heiden-Rorschach-Bahn und die Postautos realisiert werden. Mit 4,7 Millionen Franken übernehmen die AB den Hauptteil der Investitionssumme. Der Kostenanteil der Gemeinde beläuft sich auf brutto 3,5 Millionen Franken, vom Kanton werden 700'000 Franken erwartet. Die Heidler Stimmberechtigten entscheiden am 27. September über die Kreditvorlage.

Baumgartner hat an der bestehenden Infrastruktur noch weitere Mängel ausgemacht. «Mit der Bedachung gewinnen wir keinen Schönheitspreis», sagte er vor den 110 Anwesenden. Auch die Gleisanlage muss erneuert werden. Das Hauptproblem ist jedoch ein anderes. Wie in Herisau oder Gais gibt es auch in Heiden eine grössere Fläche, welche die AB nicht mehr benötigen. Dort soll nun ein Bushof mit vier Haltekanten und einem überdachten Umsteigebereich gebaut werden. Um den dafür notwendigen Platz zu schaffen, werden zusätzlich die beiden Gleise seewärts verschoben. Geplant ist zudem eine behindertengerechte Toilette. Hinter dem ehemaligen Hotel Krone wollen abgesehen davon zwei private Investoren eine Park-and-Ride-Anlage realisieren.

Wirtschaftlichkeit soll verbessert werden

Die involvierten Partner erhoffen sich vom Bushof-Projekt Unterschiedliches. Baumgartner nannte die Verbesserung der Kostendeckung und eine höhere Frequenz als Ziele. Baumgartner sagte:

«Wir wollen, dass in Heiden Schwung reinkommt.»

Die Verlegung der Postautos bringt auch den Reisenden und der Bevölkerung Vorteile, wie die beiden Vertreter der Postauto Ostschweiz im Kursaal darlegten. So wird die Seeallee entlastet, weil nur noch die Linie 120 von St. Gallen nach Heiden dort durchfährt. Darüber hinaus sind drei neue Haltestellen (zwei beim Kirchplatz und eine beim Freihof) sowie ein eigentlicher Dorfbus geplant, bei dem man etwa von Grub herkommend bis zum Spital sitzen bleiben kann.

Für das Bushof-Projekt sprach sich am Infoabend auch Regierungsrat Dölf Biasotto aus. Er setzte diese Abstimmung in Zusammenhang mit jener in Herisau. An beiden Orten gehe es um die Neugestaltung zweier überregional wichtiger Eingangstore, sagte Biasotto.

In ihren Ausführungen warnten Gemeindepräsident Gallus Pfister sowie Gemeinderat und Projektleiter Hans-Peter Häderli vor einer Ablehnung der Vorlage. In diesem Fall müsste die Gemeinde den Kirchplatz bis 2023 behindertengerecht umbauen. Unter anderem wären eine Erhöhung und Überdachung der Busperrons notwendig. Der Kirchplatz werde so zu einem reinen Bus- und Verkehrsplatz, sagte Häderli. «Die Zentrumsentwicklung wird dadurch beeinträchtigt oder gar verunmöglicht.» Zudem müssten der Dorfbrunnen aufgehoben oder zumindest versetzt und die Fahrbahnen verbreitert werden. Kostenpunkt: Rund 2,5 Millionen Franken, also nur 300'000 Franken weniger als der neue Bushof.

Gallus Pfister, Gemeindepräsident Heiden.

Gallus Pfister, Gemeindepräsident Heiden.

Bild: APZ

Bushof bringt Mehrverkehr

In der Fragerunde fielen die Reaktionen zum Vorhaben höchst unterschiedlich aus. Mehrere Redner hoben die «einmaligen Chancen» hervor, welche sich durch das Projekt für Heiden ergeben. Postautos gehörten an den Bahnhof, sagte beispielsweise CVP-Kantonsrat Werner Rüegg. Dadurch könne man den Kirchplatz zu dem machen, was er eigentlich sei. Ähnlich argumentierte der Unternehmer Heiri Heller. Seiner Ansicht nach wären die Rahmenbedingungen für Feste und Anlässe auf dem Kirchplatz ohne Postautos besser. Grundsätzlich findet auch alt Regierungs- und AB-Verwaltungsrat Köbi Frei den Bushof «unterstützenswert». Er bemängelte jedoch die fehlende Transparenz zur finanziellen Tragbarkeit der Investition.

Es gab auch kritische Stimmen. Eine Frau befürchtet auf der Bahnhofstrasse künftig ein Chaos, wenn dort nebst den Postautos noch Lastwagen zur Firma Elektro-Material AG verkehren. Im Bereich der Bahnhofstrasse werde es tatsächlich zu Mehrverkehr kommen, sagte Pfister. Gemäss dem Gemeindepräsidenten wären es täglich rund 130 Kurse, die zum Bahnhof oder von dort wegfahren. Dazu gibt es, wie schon heute, rund 30 Lastwagenfahrten im Zusammenhang mit dem Unternehmen Elektro-Material AG. Der Bushof sorge dafür andernorts für Entlastung, etwa an der Poststrasse, betonte Pfister. Eine Rednerin warnte wiederum vor den zu hohen Belastungen, die man künftigen Generationen aufbürde. Zudem waren die engen Kurven beim Bahnhof sowie die Verkehrssicherheit auf der Rosentalstrasse ein Thema.