Wir entscheiden über Stromversorgung

Leserbrief zum Ausstieg aus dem Atomstrom

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Leserbrief zum Ausstieg aus

dem Atomstrom

Die Bedrohung durch das Atomunglück hat die Tragik der Naturkatastrophe in Japan in unserer Wahrnehmung weitgehend verdrängt. Die Diskussion um die Sicherheit der eigenen Atomkraftwerke (AKW) ist neu entbrannt, der Ruf nach dem Ausstieg aus dem Atomstrom bis weit in bürgerliche Kreise laut geworden.

Unabhängig von Ideologien ist wohl klar: Unsere AKW sind heute genauso sicher oder unsicher wie vor dem Unglück in Japan. Es ist scheinheilig, so zu tun, als wäre uns das «Restrisiko» gerade bewusst geworden. Wir vertrauen auf eine Technik, die im Unglücksfall irreparable Schäden hinterlässt, Leben auf Jahrhunderte verunmöglicht und im «Normalfall» radioaktiven Abfall produziert, den wir nicht zu entsorgen wissen. Und so stellt sich wohl nur eine Frage: Bis wann erreichen wir eine Stromversorgung ohne AKW? Rund 40 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz liefern AKW, das sind rund 9 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Um das Jahr 2020 müssen die AKW Mühleberg sowie Beznau 1 und 2 ihren Betrieb altershalber einstellen und die Atomstrom-Importverträge mit Frankreich laufen aus. Aus diesen Gründen hat das Bundesamt für Energie bereits 2007 eine Gesamtbetrachtung der Energieversorgung bis 2035 dargelegt (www.bfe.admin.ch – Energieperspektiven) und zeigt in einem Szenario auf: Die Stromversorgung kann ohne neue Atom- und Gaskraftwerke sichergestellt werden. Aus Sicht der Umweltverbände ist das Szenario sogar noch vorsichtig.

Ebenso gibt es Berechnungen, die zum Schluss kommen, dass die Deckung des Stromverbrauchs nur mit Atomstrom möglich ist. Diese Zahlen vertreten vor allem die grossen Energieversorger und AKW-Betreiber (Alpiq, Axpo und BKW). Sie unterschlagen dabei, dass Uran nicht «nachwächst», der Uran-Abbau zu bleibenden Umweltschäden sowie CO2-Emissionen führt und neue AKW die Kosten massiv überschreiten (Bsp. Finnland).

Hochrechnungen sind nur im besten Fall Ausdruck einer möglichen Sichtweise. Oft dienen Studien der Zementierung wirtschaftlicher Interessen. Und da wir Zahlen für und gegen Atomstrom finden, müssen und können wir selber über die künftige Stromversorgung entscheiden – im Wissen um die Konsequenzen.

Eine Energiezukunft ohne Atomstrom basiert in erster Linie auf einem intelligenten Strom-Mix aus umweltfreundlichen, einheimischen Energieträgern: Solarstrom, Biomasse (Holz und Biogas aus organischen Abfällen), Optimierung der Wasserkraft, Windkraft und mittelfristig tiefe Geothermie (Erdwärme).

Das zweite Standbein bildet die Steigerung der Energieeffizienz bei Geräten, Beleuchtung und Motoren. Der sauberste Strom ist immer der, den wir nicht brauchen.

Wir haben es in der Hand, aus dem Atomstrom auszusteigen. Wir können als Privatpersonen und als Unternehmer ans Stromsparen im Alltag beitragen und die Nutzung erneuerbarer Energien vorantreiben, sei es mit dem Bezug von Ökostrom oder dem Bau einer (Solarstrom-)Anlage. Und wo hätten wir die bessere Unterstützung als im «energietal toggenburg».

Wir können als Bürgerinnen und Bürger die Rahmenbedingungen bei Abstimmungen und Wahlen beeinflussen – denn politische Massnahmen wie Förderprogramme, Effizienzvorschriften, Lenkungsabgaben oder Anpassungen beim Landschaftsschutz sind allenfalls für eine «atomfreie» Stromversorgung unumgänglich.

Gaby Roost

für die SP Toggenburg

Mosnang