Urnäscher Gemeindepräsident Peter Kürsteiner nach dem Konkurs der Intracosmed AG: «Wir haben von nichts gewusst»

Die Intracosmed AG gilt mit ihren 78 Arbeitsplätzen als einer der grössten Arbeitgeber der Gemeinde Urnäsch. Gemeindepräsident Peter Kürsteiner bedauert die Betriebsschliessung.

Alessia Pagani
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Der Betrieb der Intracosmed AG mit 78 Arbeitsplätzen steht still. Das Unternehmen ist einer der wichtigsten und grössten Arbeitgeber Urnäschs. Bild: Ralph Ribi (23. Juli 2019)

Der Betrieb der Intracosmed AG mit 78 Arbeitsplätzen steht still. Das Unternehmen ist einer der wichtigsten und grössten Arbeitgeber Urnäschs. Bild: Ralph Ribi (23. Juli 2019)

Der Schock sitzt tief. Gestern hat die Intracosmed AG in Urnäsch Konkurs angemeldet. Der Betrieb ist eingestellt, die Zukunft der Arbeitnehmer ungewiss. Eine Nachfolgelösung wird mithilfe von Investoren gesucht. Wie diese aussehen wird, ist unklar. Sicher ist einzig, dass eine allfällige Auffanggesellschaft kleiner würde (siehe Ausgabe vom Mittwoch, 24. Juli 2019). Für die Gemeinde kommt die Meldung unerwartet:

«Wir haben nichts vom drohenden Konkurs gewusst»,

sagt Gemeindepräsident Peter Kürsteiner in einer ersten Stellungnahme. Kürsteiner hat schwierige Tage hinter sich: Nach dem «Rossfall» ist es die zweite Konkursmeldung eines Urnäscher Betriebs innert Wochenfrist. «Wir bedauern den Konkurs. Es hängt viel am Unternehmen Intracosmed», so Kürsteiner.

Urnäsch ist zwar die flächenmässig grösste, allerdings eine ressourcenschwache Gemeinde Ausserrhodens. Der Wegfall der Intracosmed AG trifft Urnäsch hart: «Die Intracosmed hat als Arbeitgeber für Urnäsch eine sehr grosse Bedeutung», sagt Peter Kürsteiner. In Urnäsch seien hauptsächlich kleinere Gewerbebetriebe ansässig.

«Industriebetriebe wie die Intracosmed AG haben wir kaum. Das macht die Lage für Urnäsch noch schlimmer.»

Wertschöpfung geht 
verloren

78 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bei Intracosmed angestellt. Ähnlich grosse Arbeitgeber gibt es im Hinterland wenige, in Urnäsch sind dies unter anderem noch die Tisca Tischhauser AG oder die Firma Altherr, Bedachungen und Fassadenbau. Peter Kürsteiner äussert Bedauern auch im Hinblick auf die Intracosmed-Mitarbeiter:

«In Urnäsch eine neue Stelle zu finden, ist nicht einfach.»

Ob und wie viele der Arbeitnehmer selber aus Urnäsch stammen, vermag der Gemeindepräsident nicht zu sagen, er verweist aber auf die Wertschöpfung durch Auswärtige: «Sie haben durch Einkäufe oder Restaurantbesuche Geld nach Urnäsch gebracht. Dies fällt nun weg.» Und wie reagiert denn nun die Gemeinde, wenn ein derart wichtiger Arbeitgeber zu verschwinden droht?

«Uns sind die Hände gebunden, wir können nichts machen. Unser Handlungsspielraum ist sehr gering»,

sagt Peter Kürsteiner. «Wir werden aber versuchen, alle Urnäscher, die ihre Anstellung allenfalls verlieren, bei der Stellensuche zu unterstützen, soweit uns dies möglich ist.»

Mit dem Konkurs und der Betriebsschliessung der Intracosmed AG geht eine langjährige Geschichte zu Ende: Das Unternehmen wurde 1963 in Horgen gegründet und siedelte 1991 nach Bühler über. 2004 folgte der Umzug nach Urnäsch. Bereits vor zwei Jahren stand die Intracosmed AG kurz vor dem Konkurs. Der Gemeindepräsident gibt sich trotz der jetzigen Entwicklung zuversichtlich:

«Wir haben Hoffnung und sind zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird und das die Arbeitsplätze nicht aus Urnäsch verschwinden.»