WINTERSAISON: «Gutes Erlebnis ist beste Werbung»

Der Tourismus ist ein Wirtschaftszweig, der das oberste Toggenburg überlebensfähig macht, sagt Max Nadig, Präsident von Toggenburg Tourismus. Daher bewundert er den Mut für die geplanten Investitionen.

Sabine Schmid
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Max Nadig würde es begrüssen, wenn der Staat die touristischen Leistungsträger besser unterstützen würde. (Bild: sas)

Max Nadig würde es begrüssen, wenn der Staat die touristischen Leistungsträger besser unterstützen würde. (Bild: sas)

Sabine Schmid

sabine.schmid

@toggenburgmedien.ch

Der starke Frankenkurs und der fehlende Schnee kurz vor Weihnachten sind Herausforderungen für die Tourismusdestination Toggenburg.

Max Nadig, wo waren Sie zuletzt in den Ferien?

Ich war im Südtirol in den Ferien.

Würden Sie auch ins Toggenburg in die Ferien gehen, wenn Sie nicht in der Nähe wohnen würden?

Ja. Die Unterschiede sind nicht gross, beide Regionen sind bergig und ländlich. Das Südtirol ist sicher ein Mitbewerber des Toggenburgs.

Mit welchen Argumenten kann man Gäste wie Sie überzeugen, ihre Ferien im Toggenburg zu verbringen?

Mit dem, was wir immer hervorheben: die Landschaft, die Natur, die heile Welt, das Brauchtum. Das Toggenburg hat zudem den Vorteil, dass es nahe bei den Agglomerationen liegt.

Die Frankenstärke wird immer wieder als Nachteil für den Tourismus genannt. Ist es schwieriger geworden, das touristische Feld zu beackern?

Das Problem besteht nicht erst seit der Frankenstärke. Im Vergleich zum angrenzenden Ausland sind bei uns die Kosten für das Personal und die Warenkosten doppelt so hoch, wir bauen auch teurer. Dazu ist nun der starke Franken gekommen. So ist es für den Schweizer Tourismus extrem anspruchsvoll geworden.

Gibt es Möglichkeiten, diese Nachteile wettzumachen?

Die Leistungsträger müssen von der Infrastruktur und dem Angebot her mindestens dasselbe bieten wie die Mitbewerber. Dazu sind sie zu noch besseren Dienstleistungen als die Mitbewerber verpflichtet, damit die Gäste kommen.

Wie kann man das potenziellen Gästen rüberbringen?

Ein zufriedener Gast, der zu Hause begeistert vom Aufenthalt im Toggenburg erzählt, macht es aus. Im Zentrum steht der Leistungsträger mit einem Aha-Erlebnis für den Gast, eine tolle Werbung vermag dies niemals wettzumachen.

Wie schätzen Sie diesbezüglich die Leistung der Toggenburger Leistungsträger ein?

Unterschiedlich. Es gibt einige die es in ihren Segmenten sehr gut machen, andere sind weniger stark. Wenn die Rahmenbedingungen schlechter sind, braucht es halt eben einen grösseren Effort. Im Grossen und Ganzen bewundere ich das Engagement der Leistungsträger in einem für sie schwierigen Umfeld.

Zu den Leistungsträgern zählen nicht nur die Hotels, sondern auch Restaurants, Museen und die Bergbahnen. Wie beurteilen Sie die Investitionen und die Investitionsvorhaben der Bergbahnen?

Die Toggenburger haben die schlechte Eigenschaft, dass sie sich eher schlechtreden. Aber im Tal sind zukunftsgerichtete Projekte für über 100 Millionen aufgegleist. Das ist ein Zeichen, dass die Leistungsträger an die Zukunft glauben. Das gibt es kaum in anderen Destinationen.

Welche Rolle sehen Sie da für Toggenburg Tourismus?

Unsere Hauptaufgabe ist es, die Leistungsträger zu motivieren, zu coachen und zu unterstützen. Ich bin sehr dankbar, dass so viele touristische Unternehmer an eine Zukunft des Tourismus im Tal glauben.

Macht das die Arbeit für Toggenburg Tourismus einfacher?

Unsere Rolle hat sich gewandelt. Früher war die Tourismusorganisation die Werbeagentur einer Destination. Heute reicht das nicht mehr. Die Tourismusorganisationen müssen nahe bei den Leistungsträgern sein und sie unterstützen, wenn sie am Angebot und an der Dienstleistungsqualität arbeiten. Denn die beste Werbung ist es, wenn die Gäste ein positives Erlebnis nach Hause nehmen, von dem sie ihren ­Verwandten und Bekannten berichten.

Im vergangenen Winter, wie auch jetzt, warten die Toggenburger auf Schnee. Wie wichtig sind die Feiertage Ende Jahr für das touristische Jahr?

Wenn kein Schnee liegt, fehlen den Bergbahnen wichtige Einnahmen und der Hotellerie die Gäste, die kurzfristig buchen. Der vergangene Winter hat aber gezeigt, dass es schnell anders wird, wenn der Schnee fällt. Je später aber der Schnee fällt, je schwieriger ist es, den Rückstand aufzuholen.

Ist das Toggenburg noch immer eher eine Winter- als eine Sommerdestination?

Im Winter kann noch immer mehr verdient werden als im Sommer. Die Gästeausgaben sind aktuell im Winter deutlich höher als im Sommerhalbjahr.

Aber für Sie ist der Sommer gleich wichtig?

Ja, der Sommer wird immer wichtiger. Denn gerade mit der Klangwelt sehen wir, dass man auch im Sommer Wertschöpfung generieren kann. Man muss allgemein den Gästen die Gelegenheit bieten, Geld auszugeben.

Ist es nicht ein dünner Grat zwischen der Natürlichkeit und dem Versuch, dem Gast möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen?

Wir müssen stets einen ausgewogenen Weg finden, diese Natürlichkeit zu erhalten und Angebote zu kreieren, für die der Gast bereit ist zu zahlen. Aus meiner Sicht ist der Tourismus ein Wirtschaftszweig, der das oberste Toggenburg überlebensfähig macht. Im heutigen tourismuswirtschaftlichen Umfeld braucht es Mut, um zu investieren, da die Renditeaussichten nicht auf der Hand liegen.

Heisst das, wer im Toggenburg investiert, ist ein ­Idealist?

Tourismusunternehmen in den Berggebieten, sei es Hotellerie oder Bergbahnen, stehen betriebswirtschaftlich vor echten Herausforderungen. Speziell die Ferienhotellerie hat im Vergleich zur Stadthotellerie mit hohen unternehmerischen Risiken zu leben. Ohne staatliche finanzielle Starthilfen oder Impulsen wird es für sie oft sehr schwierig. Ähnliches gilt auch für die Bergbahnen. Die Bergbahnen Wildhaus beantragen beispielsweise für ihre Investitionen NRP-Gelder von Bund und Kanton. Die Toggenburg Bergbahnen AG will ohne solche Mittel auskommen. Ich bewundere diesen unternehmerischen Mut, habe aber auch für die Wildhauser und allenfalls Hoteliers viel Verständnis, wenn sie solche Mittel beantragen. Ohne gezielte staatliche Unterstützung als Starthilfe oder Geldgeber ohne Renditeerwartung wird es für den Tourismus im Berggebiet schwierig.

In Wildhaus gibt es Pläne, ein neues Hotel zu bauen. Kann das erfolgreich sein?

Ja. Dieses Projekt wird vom Kanton und der Gemeinde unterstützt. Ähnliche Unterstützungsmöglichkeiten müssen aber allen touristischen Leistungsträgern mit einem zukunftsgerichteten Projekt offen stehen.

Toggenburg Tourismus will auch die Parahotellerie ankurbeln und hat mit Berg&Bett eine Firma gegründet, die Ferienwohnungen und -häuser vermietet und verwaltet. Ist der Start aus Ihrer Sicht geglückt?

Ja, aber wir haben den Durchbruch noch nicht geschafft. Wir müssen mit guter Arbeit überzeugen, dass noch mehr Ferienwohnungsbesitzer mitmachen. Das würde wiederum willkommene zusätzliche Wertschöpfung generieren.

Zuerst geht es also darum, die Ferienhausbesitzer zu überzeugen.

Ja, das Potenzial wäre vorhanden, aber bis jetzt sind nur wenige Besitzer bereit, ihre Zweitwohnung zu vermieten, und sie können sich das anscheinend leisten. Als Tourismusorganisation haben wir aber ein Interesse daran, dass möglichst viele vermietet werden.

Weil die Nachfrage be- steht?

Ja, genau. Wir bieten für beide Seiten einen guten umfassenden Service von der Anreise über die Abreise mit dem Putzen und der Wäsche erledigen, zudem geben wir dem Gast nützliche Informationen.

Die Dienstleistung gibt es ja bereits durch private Anbieter an anderen Destinationen, da müssen Sie das Rad nicht neu erfinden.

Nein, aber wir von Toggenburg Tourismus stehen mehr im Fokus als Private, und die wenigsten Firmen in anderen Destinationen bieten die ganze Servicekette. Darum müssen wir einen guten Job machen, sonst werden wir keinen Erfolg haben.

Was wünschen Sie sich, so kurz vor Weihnachten, für den Tourismus?

Ich wünsche mir eine positive Grundhaltung zum Tourismus von der Bevölkerung im Toggenburg. Man kritisiert häufig, bevor die Touristiker eine Chance haben, sich zu beweisen.