Winter wirds den Rauchern zeigen

Auch im Toggenburg ist jetzt fertig geraucht in Gaststätten. Dort wo das Rauchverbot schon seit Oktober 2008 umgesetzt wird, ist das Thema keines mehr. Wo die Gemeinden zu lasch mit Ausnahmeregelungen umgingen, wird noch heftig lamentiert.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen

Toggenburg. Jeder Raucherin, jedem Raucher ist nun klar: In der Beiz wird nicht mehr geraucht ausser es hat ein Fumoir. «Eigentlich die beste Lösung, wenn sie nur für alle gelten würde», lamentieren Gäste in den Landbeizen des Thur- und Neckertals. Es scheint, als legten die Unzufriedenen seit eineinhalb Jahren die selbe Platte auf. Nur galt der Zorn im Oktober 2008, als das Rauchverbot im Kanton St.

Gallen eingeführt wurde, den Gemeinden, die es mit Ausnahmeregelungen sogleich wieder ausser Kraft setzten. Dabei widersetzten sich die Gemeinden der Obrigkeit nicht, sondern nahmen einfach die vorgesehenen Ausnahmen in Anspruch.

Streng aber konsequent

Heute gilt der Ärger den Kantonen, die nicht das strenge – aber letztlich konsequenteste – Gesetz St. Gallens anwenden, sondern die Regelung auf Bundesebene. Die erlaubt das Rauchen in allen Wirtschaften, die kleiner als 80 Quadratmeter sind.

Es sind zwar immer weniger, in der Toggenburger Nachbarschaft gehören die Kantone Thurgau und Appenzell Innerrhoden dazu. Doch der Zorn vor allem der Wirte in den ländlichen Gegenden ist noch immer nicht verraucht. Hans-Ulrich Zeller von der «Linde» Nesslau: «Wir werden uns dran halten. Die Leute sitzen jetzt alle draussen, sie sagen aber, dass sie künftig einfach weniger lang bleiben werden, wenn das Rauchen im Freien wegen der Witterung nicht mehr möglich ist.

» Zeller hat die Hoffnung auf die Wiederaufhebung des Rauchverbots noch nicht aufgegeben. Er legt in seiner Gaststube Unterschriftenbögen für die «Volksinitiative für ein liberales Rauchergesetz» auf (siehe Kasten).

Eine statt drei Stangen

Statt drei Stangen Bier trinke man dann halt nur noch eine oder zwei, habe man Zeller «angedroht». Die «Linde» Nesslau gehört zu denjenigen Wirtschaften, die die Rauchverbots-Ausserkraftsetzung bis zum allerletzten Tag ausgereizt haben.

Noch am Mittwoch stand vor der Linde das Schild «Raucherbeiz». Seit dem 1. Juli bleibt dem Wirt nichts anderes als das Verbot zähneknirschend zu akzeptieren: «Wir werden es im Herbst sehen.»

Auch Heiner Gross vom «Peanuts» in Wattwil fürchtet den Herbst: «Wir haben zwar ein Raucherräumchen, aber wenn wir dort nicht bedienen dürfen, ist es nicht attraktiv für die Gäste, genauso wenig wie draussen stehen.

» Wenn der Umsatz im Herbst zusammenschmilzt, meint Gross, werde er ganz einfach das Pub schliessen und die Schlüssel auf die Gemeinde bringen: «Sollen sie mal probieren, unter den heutigen Verhältnissen noch zu wirten.»

Verbot wird umgesetzt

Ein Blick in die Toggenburger Gastroszene zeigt: Das Rauchverbot wird umgesetzt. Nirgends mehr steht seit Donnerstag ein Aschenbecher auf dem Tisch.

Zu hoch scheint den Wirtinnen und Wirten die Busse, die droht, wenn ein Gast beim Rauchen erwischt wird. Nicht nur der Gast bezahlt dann die 100 Franken, sondern auch der Wirt, aber der zehn Mal mehr, wird in der Szene herumgereicht. Man habe von Razzien in Wil gehört, wo das der Fall gewesen sei. Wil hat damit unfreiwillig ein präventives Signal bis ins Obertoggenburg gesendet.

Mindestens eine Wirtschaft aber gibt es noch im Toggenburg, wo offiziell noch zwei Jahre weiter geraucht werden darf. Die Wirtin: «Die Gemeinde meint wahrscheinlich, dass ich bis dann sowieso gestorben bin, darum hat sie mir diese Bewilligung gegeben.» Verraten wird der Ort hier nicht – das betreffende Gasthaus könnte sich wahrscheinlich vor Zulauf kaum mehr retten.