«Windspitzen von 215km/h»: Lolita, Petra, Sabine und Tomris halten die Appenzeller Bahnen auf Trab – ein Windwarnsystem ist in Arbeit

Seit Januar wird der Bahnbetrieb auf der Strecke von Weissbad nach Wasserauen immer wieder eingestellt. Die präventiven Massnahmen werden zum Teil wegen Vorfällen in der Vergangenheit getroffen.

Eva Wenaweser
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Erika Egger-Fässler, die Marketing-Leiterin der Appenzeller Bahnen.

Erika Egger-Fässler, die Marketing-Leiterin der Appenzeller Bahnen.

Bild: Benjamin Manser

10 Tage – genau so lange ist der Bahnbetrieb der Appenzeller Bahnen von Weissbad nach Wasserauen seit Januar tageweise immer wieder eingestellt. Angefangen hat es mit dem Randtief Lolita Ende Januar, dort wurde der Betrieb am 28. und 29. Januar eingestellt. Weiter ging es mit dem Sturmtief Petra, woraufhin vom 2. bis zum 5. Februar keine Züge auf dieser Strecke verkehrten. Diese Woche sorgten dann das Orkantief Sabine und Tomris für den Ausfall des Bahnbetriebs am 10., 11., 12. und 14. Februar. Aufgrund der bekannten exponierten Windlage auf dieser Strecke ist man aber laut Erika Egger, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen, gut organisiert.

«Der Bahnbetrieb wird in diesem Abschnitt präventiv ab gemessenen Winden von 70km/h eingestellt.»

Ein regionaler Wind, auch «Laseyer» genannt, erreicht Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Wegen der speziellen Begebenheiten sei der eingestellte Bahnbetrieb somit eine Vorsichtsmassnahme für die Kunden und die Mitarbeiter. 2015 ist laut Egger das letzte Mal ein Wagen bei Wasserauen aus den Schienen gekippt. Im Januar 2007 hob der «Laseyer» aber sogar einen Steuer- und einen Personenwagen aus den Schienen – wobei ersterer bereits ein Gewicht von rund 20 Tonnen hat.

Dieser Zug der Appenzeller Bahnen entgleiste 2007 bei Wasserauen.

Dieser Zug der Appenzeller Bahnen entgleiste 2007 bei Wasserauen.

Bild: Reto Martin

Weil es in den letzten Tagen immer wieder starke Stürme gegeben habe, sei es daher zu riskant, den Bahnbetrieb wieder aufzunehmen.

«Am Montag haben wir in diesem Sektor Windspitzen mit 215km/h gemessen.»

Beschwerden von Fahrgästen gebe es keine: «Die Kunden können es aufgrund der Vorfälle in der Vergangenheit gut nachvollziehen. Ausserdem wird der Fahrplan mit Ersatzbussen aufrechterhalten», sagt Egger. Der einzige Unterschied sei es, dass die Leute in den Bus steigen müssen, anstatt in den Zug.

Projekt «Windwarnsystem»

(pd/evw) Wie von Egger erwähnt, werde der Betrieb zwischen Weissbad und Wasserauen ab Winden mit 70km/h, vom Bahnbetrieb auf Busse umgestellt. In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass der Betrieb aufgrund dieser präventiven Entscheidungskriterien zur Sicherheit der Fahrgäste und dem Fahrpersonal eingestellt wurde, und sich dann rückblickend zeigte, dass es nicht notwendig gewesen wäre. Die Appenzeller Bahnen sind nun an einem Projekt mit dem Namen «Windwarnsystem» dran – mit verschiedenen Forschungspartnern, wie der ETH Zürich und Meteo Schweiz. Ziel sei es, ein System zu entwickeln, mit dem die Zusammenhänge zwischen Windvorhersagen, Wettermodellen und effektiven Seitenwinden präziser berechnet werden können. Dazu soll ein Algorithmus entwickelt werden, mit dem genauere Prognosen möglich sind. In einem weiteren Schritt soll dann ein Prototyp einer Warnplattform entwickelt werden, auf Basis dieses Algorithmus. Damit werde die heutige Entscheidungsgrundlage optimiert und man könne präziser den Bahnbetrieb auf Busbetrieb umstellen. Das Projekt wurde im Dezember 2019 gestartet und dauert ca. 1.5 Jahre. Laut Egger rechnen die Appenzeller Bahnen frühestens im Sommer 2021 mit einer Umsetzung.