Ausserrhoder Regierungsrat begründet Ablehnung gegen Windpark in Oberegg - Es mache keinen Sinn, diesen zu priorisieren

Gemäss dem Ausserrhoder Regierungsrat Dölf Biasotto sind Windparks derzeit nicht angemessen. Der Kanton stellt sich auch negativ zu einer möglichen Anlage in Oberegg (AI). Die Rolle des Schwarzen Peters weist man aber von sich.

Interview: Roger Fuchs
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Solche Windturbinen in Oberegg werden vom Nachbarkanton Appenzell Ausserrhoden in den nächsten Jahren nicht gestützt. (Bild: Bildmontage: PD)

Solche Windturbinen in Oberegg werden vom Nachbarkanton Appenzell Ausserrhoden in den nächsten Jahren nicht gestützt. (Bild: Bildmontage: PD)

Die Innerrhoder Standeskommission musste sich an der Grossratssession vom Montag viel Kritik anhören für ihre Haltung zum Windparkprojekt in Oberegg. Dass der Standort Honegg-Oberfeld weiterhin «nur» als provisorischer Standort im kantonalen Richtplan bleibt, ist von zahlreichen Rückmeldungen im Rahmen des Einwendungsverfahrens mitbeeinflusst. Darunter auch jene des Nachbarkantons Appenzell Ausserrhoden. «Der Ausserrhoder Regierungsrat lehnt die vorliegende Richtplanänderung zur Ermöglichung von zwei Windkraftturbinen in Honegg-Oberfeld nach einer umfassenden Interessenabwägung ab», schrieb dieser wörtlich.

Regierungsrat Dölf Biasotto.

Regierungsrat Dölf Biasotto.

Dölf Biasotto, Sie haben als zuständiger Ausserrhoder Regierungsrat zur Kenntnis genommen, dass die Innerrhoder Standeskommission nicht den Mut hat, Honegg-Oberfeld als definitiven Windparkstandort zu benennen. Wie fest sieht sich Ausserrhoden in der Rolle des Schwarzen Peters?

Als Schwarzer Peter sehen wir uns überhaupt nicht. Das ist übertrieben. Es ist vielmehr so, dass angesichts der Kleinräumigkeit des Appenzellerlands in Sachen Windkraft eine überkantonale Kooperation gefragt ist.

Und wo bleibt diese Kooperation?

Eine solche gibt es schon seit längerem. Wir haben gemeinsam potenzielle Windkraftstandorte ermitteln lassen. Sowohl in Innerrhoden und Ausserrhoden wurden welche gefunden.

Und warum wehrt man sich denn jetzt, wenn mit dem Gebiet Honegg -Oberfeld exakt für einen solchen Ort sogar ein konkretes Projekt vorliegt?

Das Landschaftsgutachten zum Gebiet Honegg-Oberfeld hat gezeigt, dass sowohl dieser Windpark als auch jener auf dem nahegelegenen Suruggen auf Ausserrhoder Kantonsgebiet gemeinsam weiterentwickelt werden sollen, um die Eingliederung in die Landschaft so gut wie möglich zu optimieren. Die Problematik hierbei ist jedoch, dass diese beiden potenziellen Windparks nicht gleich erschlossen werden können. Ökologisch und ökonomisch macht es folglich keinen Sinn, hier Prioritäten zu setzen.

Die Standorte Honegg-Oberfeld und Suruggen wären demnach getrennt voneinander zu betrachten?

Ja, man kann diese beiden Projekte und Standorte nicht miteinander verbinden. Doch losgelöst voneinander ist es wiederum aus Gründen des Landschaftsschutzes nicht vertretbar. Innerrhoden hätte jedoch die Möglichkeit, an den drei anderen potenziellen Standorten (Sollegg– Neuenalp–Klosterspitz; Ochsenhöhi; Hirschberg–Brandegg) mehrere Windanlagen zu platzieren. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden wäre dabei von der Sichtbarkeit her nicht im gleichen Umfang betroffen wie beim Gebiet Honegg-Oberfeld.

Nun heisst es doch im Ausserrhoder Energiekonzept 2017 bis 2025, dass die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien – dazu gehört der Wind – ausgebaut werden soll. Alles nur leere Worte?

Nein, aber die Ausserrhoder Regierung kommt aktuell zum Schluss, dass Windparkanlagen im Moment nicht angemessen sind. Das Potenzial der Sonne ist viermal grösser als jenes beim Wind und die Auswirkungen von Fotovoltaikanlagen auf das Landschaftsbild und die Umwelt sind überdies viel geringer. Dächer für entsprechende Anlagen sind bereits vorhanden.

Was macht der Kanton, um entsprechende Vorhaben zu unterstützen?

Bei Fotovoltaikanlagen ist es in erster Linie der Bund, der Fördergelder spricht. In zweiter Linie hat aber auch der Kanton Gelder eingestellt, um beispielsweise durch Sonnenenergie gespiesene Batteriespeicher zu fördern. Für Windprojekte wurden im Rahmen des Energiekonzepts keine Gelder eingestellt.

Ab wann geben Sie persönlich der Nutzung von Windkraft eine Chance?

Man muss sich einfach bewusst sein, dass es derzeit noch Energieträger gibt wie Wasser, Biogas oder Holz, deren Potenzial noch nicht ausgenützt ist. Ausserdem ist auf dem Strommarkt dermassen günstiger Strom zu bekommen, dass es heute wirtschaftlich keinen Sinn macht, Windkraftanlagen zu erstellen. Das Risiko einer Stromverknappung sehe ich in den nächsten zehn Jahren nicht.

Heisst konkret: In den nächsten zehn Jahren wird es Ihrer Prognose nach auch keine Windturbinen im Appenzellerland geben?

Nach Abwägen sämtlicher Vor- und Nachteile sind wir im Moment einfach nicht bereit, das heutige Landschaftsbild dafür zu opfern. Die typische appenzellische Landschaft ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität. Wenn dereinst ein Generationenwechsel stattfindet und dabei der Schutzwert der appenzellischen Landschaft nicht mehr so hoch gewichtet wird wie heute, kann es durchaus vorwärtsgehen.