Windenergie von der Hochalp?

Die Hochalp, der Hochhamm und der Suruggen kommen als Standorte für Windparks in Frage. In Urnäsch wurde darüber informiert, was in Sachen Windenergie aktuell läuft. Der Gemeinderat wünscht sich ein Mitspracherecht.

Mea Mc Ghee
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Bildtext: Auf dem Guetsch oberhalb Andermatt wurde am Montag, 25. Oktober 2004 nach grossem technischen Aufwand das hoechstgelegene Windkraftwerk der Welt fertig erstellt. Es wird bald fuer das Elektrizitaets Werk Ursern einheimischen Strom fuer das Urserntal liefern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bildtext: Auf dem Guetsch oberhalb Andermatt wurde am Montag, 25. Oktober 2004 nach grossem technischen Aufwand das hoechstgelegene Windkraftwerk der Welt fertig erstellt. Es wird bald fuer das Elektrizitaets Werk Ursern einheimischen Strom fuer das Urserntal liefern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

URNÄSCH. Wie hoch ist der Kilowattstundenpreis für Strom eines Windkraftwerks? Wie käme der Strom von der Hochalp ins Dorf? Wie hoch ist die Lärmbelastung durch ein Windrad? Solche Fragen wurden aus dem Kreis der gut 60 Besucher den Referenten gestellt. Gruppierungen und Parteien aus Urnäsch hatten am Freitag die Informationsveranstaltung mit dem Titel «Was passiert auf der Hochalp in Sachen Windenergie» organisiert, um der Bevölkerung eine Diskussionsgrundlage zu bieten.

Potenzial für Windpark

Fakt ist, dass nach dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie mittelfristig Energie aus erneuerbaren Quellen generiert werden muss. Fakt ist auch, dass Ausserrhoden aktuell 44 Prozent des Stroms aus Kernkraft bezieht. Da das Potenzial von Wasserkraftwerken nahezu ausgeschöpft ist, habe der Kanton jenes von Windkraftanlagen geprüft, so Hans Bruderer, Chef des Ausserrhoder Amtes für Umwelt. Nach Analysen konzentrierte man sich auf die Standorte Suruggen, Hochhamm und Hochalp. Windmessungen zwischen dem Sommer 2013 und September 2014 ergaben auf der Hochalp einen Jahresmittelwert von 5 Metern pro Sekunde – genügend Wind, um einen Windpark zu betreiben. Voraussetzungen für eine solche Anlage müssten im kantonalen Richtplan geschaffen werden.

Die Vernehmlassung zur Richtplannachführung lief bis Ende August. Der Gemeinderat Urnäsch sei gegen einen Windpark auf der Hochalp, so Gemeindepräsident Franz Sandholzer. Als Hauptgründe nannte er die exponierte Lage, den massiven Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild, touristische Nachteile und die Störung der Wildruhezone. Offen sei, wer als Investor auftreten und wie eine Anlage zurückgebaut würde. «Bei einer Aufnahme der Interessengebiete im Kantonalen Richtplan hätte das Urnäscher Stimmvolk kein Mitspracherecht», bemängelt der Gemeindepräsident. Ein Einspracherecht haben die Gemeinde und betroffene Privatpersonen aber gegen eine zu schaffende Nutzungszone für erneuerbare Energie. Und gegen ein konkretes Projekt könnten Grundeigentümer im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens rekurrieren.

Windparks dürften nur nach einer Interessenabwägung gebaut werden, sagte Hans Bruderer. Zu berücksichtigen gelte es unter anderem das Windpotenzial, die Erschliessung, Natur- und Landschaftsschutz, Lärmschutz, Flugsicherheit, Militärische Interessen, Vogelschutz oder den Tourismus.

Eindrückliche Dimensionen

Gemeinderat Thomas Thym hat einen Windpark im Schwarzwald besucht. Er beschrieb die Dimensionen und berichtete unter anderem von Schattenwurf, Lärmbelastung, Betonfundamenten in der Grösse vom Keller eines Einfamilienhauses.

Dann wurden knapp 20 Fragen aus dem Publikum beantwortet: Der Kilowattstundenpreis für Strom aus Windenergie liege bei 12 bis 16 Rappen. Die Stromleitungen würden wohl unterirdisch verlegt. Würde man alle geeigneten Dächer im Kanton mit Photovoltaikanlagen ausrüsten, könnten 60 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Bei einem Abstand von 300 Metern zu dauerhaft bewohntem Gebiet wäre der Lärmschutz gewährleistet. Der Kanton werde nie als Investor auftreten…

Franz Sandholzer sagte zum Schluss: «Ziel ist es, erneuerbare Energien zu nutzen, die nach Urnäsch passen.»

Referierten über Windenergie und den möglichen Standort Hochalp: Hans Bruderer, Chef des kantonalen Amtes für Umwelt, Urnäschs Gemeindepräsident Franz Sandholzer und Gemeinderat Thomas Thym. (Bilder: ky/mc)

Referierten über Windenergie und den möglichen Standort Hochalp: Hans Bruderer, Chef des kantonalen Amtes für Umwelt, Urnäschs Gemeindepräsident Franz Sandholzer und Gemeinderat Thomas Thym. (Bilder: ky/mc)

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