Windenergie auf dem Prüfstand

Seit November werden auf dem Krinauer Älpli Windmessungen durchgeführt, welche der Ermittlung des Windpotenzials zur Energiegewinnung im mittleren Toggenburg dienen. Ein Projekt, das aber auch Skepsis hervorruft.

Nadine Rydzyk
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Der Mast auf dem Krinauer Älpli dient der Ermittlung des Windpotenzias als Energielieferant. (Bild: pd)

Der Mast auf dem Krinauer Älpli dient der Ermittlung des Windpotenzias als Energielieferant. (Bild: pd)

KRINAU. In Partnerschaft mit der Groupe E Greenwatt AG aus dem Kanton Freiburg erarbeitet die Thurwerke AG seit April vergangenen Jahres die Umsetzbarkeit von Windenergieprojekten im Toggenburg. Für die Erfassung des Windpotenzials sind in einem ersten Schritt Windmessungen erforderlich, welche von der Wega Energiemanagement GmbH ausgeführt werden. Diese hat Ende November 2014 auf dem Älpli in Krinau eine entsprechende Messanlage aufgebaut. «Es ist geplant, die Messungen 12 Monate zu betreiben, um einen guten Überblick über den Jahresverlauf zu erhalten. Sollten die Ergebnisse durch aussergewöhnliche Wetterereignisse verfälscht werden, könnte auch eine Verlängerung um weitere 12 Monate ins Auge gefasst werden. Es ist uns ein Anliegen, fundierte Kenntnisse der Windverhältnisse zu erhalten», erklärt dazu Thomas Grob, Präsident der Thurwerke AG. Ergebnisse liegen aus diesem Grund bislang noch nicht vor. «Dafür muss eine längere Periode gemessen werden. Ohne diese würden falsche Rückschlüsse auf die Windverhältnisse gezogen», so Thomas Grob.

Offene Fragen

Die dafür eingesetzte Messantenne auf dem Land des Landwirtschaftlichen Vereins Untertoggenburg sowie die Aussicht auf eine mögliche Windenergieanlage werden im Dorf sehr unterschiedlich positiv aufgenommen. Wenig begeistert ist beispielsweise Roland Mühlethaler, der sich zunächst einmal schlecht informiert gefühlt hat. «Wir haben nicht gewusst, was da hingestellt wurde. Auf einmal war diese Antenne da und wir haben zunächst vermutet, dass es sich um eine Mobilfunkantenne handelt. Der Empfang ist allerdings nicht besser geworden, also konnte es das nicht sein», erläutert er, dass die Aufklärung der Bevölkerung durchaus besser hätte sein können. Daraus resultieren weitere Fragen, die sich ihm bei diesem Thema stellen: «Es ist fraglich, ob der Aufwand in angemessener Relation zum Ergebnis steht», hält er mit Blick auf die sogenannte «graue Energie» fest. «Mich würde interessieren, was es für ein finanzieller und vor allem auch energetischer Aufwand ist, eine solche Anlage aufzubauen, zu betreiben und irgendwann auch wieder zu entsorgen. Also welche graue Energie dafür aufgebracht werden muss und ob der Ertrag in der Energiegewinnung dies wieder herausholt», bringt er Bedenken an, die es abzuwägen gilt. Eine potenzielle Windkraftanlage auf dem Krinauer Älpli findet aber durchaus auch Befürworter vor Ort. «Ich denke, dass es keine schlechte Idee ist», zeigt sich beispielsweise Jakob Wickli überzeugt. «Wenn man Strom will, aber keine Atomkraft, dann muss man sich Alternativen überlegen. Da ist Windenergie eine gute Möglichkeit.» Er könnte sich deshalb gut vorstellen, dass in Krinau auf diese Weise ein Beitrag geleistet werden kann. «Mittlerweile haben viele auch Photovoltaikanlagen installieren lassen. Das ist sicher gut, aber in der Nacht passiert nichts. Die Windkraft hat den Vorteil, dass auch dann Energie erzeugt werden kann», weiss er um einen Vorteil einer möglichen Anlage auf dem Älpli. Als störend empfindet er die Windenergieanlagen generell nicht. «Die neuen Anlagen machen praktisch keinen Lärm und an diesem Standort sollte dies ohnehin kein Problem sein.» Roland Mühlethaler wiederum ist hierbei ebenfalls kritischer: «Optisch ist eine Windenergieanlage an dieser Stelle sicher auch kein Bijou. Begeisterung löst das bei mir jedenfalls nicht aus», fasst er zusammen. Und auch Jakob Wickli räumt ein, dass es eine Veränderung der Landschaft nach sich ziehen würde, «aber das muss man am Ende in Kauf nehmen, wenn unsere Stromversorgung auch in Zukunft gesichert sein soll.»

Messergebnisse abwarten

Doch ob in Krinau eine Windenergieanlage installiert werden wird, ist in der Tat noch Zukunftsmusik und die entsprechende Entscheidung nicht zuletzt von den Ergebnissen der nun laufenden Messung abhängig. «Die wichtigste Voraussetzung für jeden Windstandort ist genügend Wind. Wir möchten in diesem Gebiet Messwerte für die Evaluation des Windpotenzials im mittleren Toggenburg erarbeiten. Ein konkretes Projekt ist bisher weder verhandelt noch in Bearbeitung. Nach Vorliegen der Messwerte kann das weitere Vorgehen definiert werden», lässt Thomas Grob wissen. Auch die mögliche Menge des durch eine Windenergieanlage erzeugten Stroms kann noch nicht abgeschätzt werden. «Das hängt von den Windverhältnissen und der daraus resultierenden, für den Standort geeigneten Technik ab», erklärt Thomas Grob.

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