Wind und Höhen getrotzt

Im 11 Grad kalten Wasser schwimmen, 7500 Höhenmeter überwinden, mit verletzten Bändern das Schilthorn erklimmen. Migg Scherrers Mission: Sieben Extremtriathlons in einer Saison.

Stephanie Sonderegger
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Beim «Celtman!», einem Extremtriathlon in Schottland, war der Gaiser Migg Scherrer vor allem von der mystischen Stimmung fasziniert. (Bild: pd)

Beim «Celtman!», einem Extremtriathlon in Schottland, war der Gaiser Migg Scherrer vor allem von der mystischen Stimmung fasziniert. (Bild: pd)

TRIATHLON. Migg Scherrer lässt sich gerne auf Experimente ein. Der 41jährige Gaiser liebt das Abenteuer und lebt für den Sport. Er ist Tauch- und Skilehrer, führte für kurze Zeit ein Hotel in Malaysia und durchquerte mit Pferden die Mongolei. In diesem Jahr hatte er sich einem besonderen Projekt gewidmet: der Teilnahme an sieben extremen Triathlons innert kurzer Zeit. Ein Vorhaben, das den gebürtigen Toggenburger nicht nur körperlich, sondern auch mental forderte.

Dank Bruder zum Triathlon

«Ich bin über meinen Bruder auf die Idee mit dem Triathlon gekommen. Er ist 2008 am <Ironman> in Zürich gestartet», sagt Migg Scherrer, der in Kirchberg aufgewachsen und seit bald fünf Jahren in Gais zu Hause ist. Er sei darauf an einigen Triathlons mit unterschiedlichen Distanzen gestartet und stetig besser geworden. «Irgendwann waren die grossen Anlässe nicht mehr reizvoll», so Scherrer. Die Lust auf ein neues Abenteuer war gross, deshalb startete der Elektro- und Informatikingenieur 2014 zum ersten Mal an einem Extrem-Triathlon, dem «Swissman» vom Tessin ins Berner Oberland.

Eine etwas andere Tour

Begeistert vom Extremtriathlon meldete sich Migg Scherrer direkt für den nächsten «Swissman», aber auch für den «Celtman!» in Schottland, den «Gigathlon» im Kanton Aargau, den «Inferno» im Kanton Bern und den «Transvorarlberg» in Österreich an. Da die Anzahl der Teilnehmenden oft begrenzt sei, habe er nicht mit allen Anmeldebestätigungen gerechnet, sagt er: «Da stand ich vor der Frage: <Was machst du jetzt?>» Ende letzten Jahres sei dann die Idee gereift, eine sogenannte «Tour Extreme 2015» zu absolvieren – mit dem Ziel, bei jedem Rennen unter den ersten 10 bis 20 Prozent aller Teilnehmenden zu landen. Zur Vorbereitung reiste Migg Scherrer dreimal für jeweils zwei Wochen in ein Trainingscamp auf den kanarischen Inseln. Zudem reduzierte er sein Arbeitspensum, um sich verstärkt auf die anstehenden Rennen zu konzentrieren. «Ich habe 10 bis 20 Stunden pro Woche trainiert, mit längeren Einheiten an den Wochenenden», so Scherrer. Zu den Trainingseinheiten gehörte das Schwimmen, das Radfahren und das Laufen. Mental hingegen habe er sich nicht speziell vorbereitet: «Ich habe die Fähigkeit, abschalten zu können und brauchte somit keine Unterstützung.»

Trotz Verletzung gestartet

Am 20. Juni startete Migg Scherrer in sein Abenteuer: Bei Wind und Wetter kämpfte er sich beim «Swissmann» über mehrere Schweizer Pässe, beim «Celtman!» durch elf Grad kaltes Wasser, und beim «Gigathlon» durch die sommerliche Hitze. Doch bevor er sich auf den «Inferno»-Triathlon vorbereiten konnte, entdeckte seine Partnerin Caroline Zollinger den «Megathlon», ein weiteres Multisport-Abenteuer im Bodenseeraum. «Den haben wir dann noch kurz eingeschoben», sagt er. Dann ging es in die Vorbereitung für den Ausdauer-Wettkampf in den Berner Bergen. «Dazu war ich im Alpstein unterwegs», sagt der Triathlet, «und zog mir eine Verletzung an den Bändern zu.» Das Aus für das ambitionierte Projekt? Nicht für Migg Scherrer. Mit Schiene startete er zehn Tage später und schaffte es trotz mentalen Hürden auch ins Ziel – nicht unter die ersten 20 Prozent, «aber das stand unter diesen Umständen im Hintergrund». Nach dem «Inferno» ging es mit dem «Transvorarlberg» zum vermeintlich letzten Triathlon – wäre da nicht die Einladung des «Evergreen Endurance»-Triathlon in Frankreich eingetroffen. «Er gilt mit 7500 Höhenmetern als der weltweit härteste Iron-Distanz-Triathlon», so Scherrer. 19 Stunden benötigte der 41-Jährige für das letzte, aber vor allem das härteste Rennen seiner «Tour Extreme 2015». «Es war eine geniale Herausforderung», sagt er.

Nächste Rennen geplant

Herausforderungen strebt er auch künftig an. «Ich will mich auf Rennen mit Mehrtages-Etappen konzentrieren», sagt Migg Scherrer. Für ein achttägiges Mountainbike-Abenteuer in Portugal seien er und seine Partnerin bereits angemeldet. «Sie ist als Unterstützung ein genauso wichtiger Bestandteil, wie ich es als Athlet bin.» Und dass Abenteuer gemeinsam mehr Spass machen, das weiss er schon lange.