WIMMET: Die Trauben wurden doppelt gebeutelt

In den vergangenen Tagen hat Landwirt Matthias Tobler aus Wolfhalden die Trauben an seinem Rebhang ernten lassen. Doch der Frost im vergangenen April hat seine Spuren hinterlassen. Deutlich. Der Grossteil der Ernte ist vernichtet.

Astrid Zysset
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Vier Tage dauerte der Wimmet in diesem Jahr.

Vier Tage dauerte der Wimmet in diesem Jahr.

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Deprimierend sei die Ernte in diesem Jahr, seufzt Matthias Tobler. Der Landwirt aus Wolfhalden betreibt auf dem ­Buechberg in Thal einen 120 Are grossen Rebberg. Seit Generationen sei dieser im Besitze seiner Familie. Doch so schlecht wie in diesem Jahr war die Ernte noch nie ausgefallen. «Besonders für unsere Helferinnen und Helfer ist es mühsam, die verbliebenen Trauben in den Reben auszumachen. Der Aufwand ist gross, der Ertrag jedoch niedrig.» Tobler selbst nimmt den Ernteausfall eher gelassen. «Das ist die Natur. Manchmal gibt sie, manchmal nimmt sie. Damit muss man lernen zu leben.»

«Genommen» hat die Natur heuer reichlich: Noch 13 Prozent der weissen, 18 Prozent der blauen und 40 Prozent der Cabernet Sauvignon-Trauben sind übrig. Der Rest wurde Opfer des Wetters. Im vergangenen April kam in einer Nacht der Frost zurück. Unter Minus vier Grad Celsius reichen aus, um verheerende Schäden in den Reben anzurichten. «Ich erinnere mich noch gut an jene Nacht. Schlafen konnte ich damals wirklich gut», so Tobler. Das böse Erwachen folgte aber schnell und zwar, als der Landwirt ein paar Tage später durch den Rebberg schlenderte. Triebe an den Reben waren braun geworden, verfaulten und fielen ab. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Reben weniger Blüten hatten. Kurzum: Rund 60 Prozent der Ernte hatte der Frost vernichtet. Damit aber nicht genug. Vor rund fünf Wochen folgte ein Hagelschauer, der den Reben weiter zusetzte. Die verbliebene Ernte schrumpfte nochmals um die Hälfte. «Normalerweise haben wir hier keine Hagelschäden. Unser Rebberg ist von der Lage her ein wenig dagegen geschützt», so Tobler. Andere Winzer am Buechberg hätten regelmässig mit jenem Niederschlag zu rechnen. Sie haben dementsprechend Hagelnetze angebracht. Eine Massnahme, die auch Tobler für die kommende Saison in Betracht ziehen will. Allerdings hat er noch Vorbehalte wegen des Pflanzenschutzes und ob die Netze auch starkem Wind standhalten würden.

Finanzieller Schaden: 40000 Franken

Was der Hagel hinterlassen hat, ist heute noch deutlich sichtbar: Die Blätter an den Reben sind braun und durchlöchert. Zumindest diese, die dem Wetter von Westen her schutzlos ausgeliefert waren. Bei den andern sieht es besser aus. Die Anzahl Öchsle – diese Masseinheit gibt Auskunft über den Zuckeranteil im Traubensaft – würde sich «im guten Durchschnitt» der letzten Jahre bewegen, so Tobler. Die blauen weisen 95 Grad Öchsle auf, die weissen 83. Wie hoch der Öchsle-Grad bei den Cabernet Sauvignon-Trauben sein wird, weiss Tobler noch nicht. Er rechnet aber auch hier nicht mit einem Ausreisser nach oben oder unten. Rund 100 Sonnentage hatten die Trauben gehabt. Normalerweise würde während der Olma-Zeit geerntet. Die letzten zwei Wochen waren aber nicht optimal. Es hatte viel geregnet. Eine Winzerweisheit besage zudem: Wenn weniger Trauben an den Reben hängen, ist die Reife weiter fortgeschritten. Und es sind deutlich weniger Trauben in diesem Jahr. Geerntet wurden in den letzten Jahren 2,5 Tonnen Trauben pro Tag. Heuer sind es 250 Kilogramm. 6000 Flaschen Wein kann Tobler jeweils in seiner hauseigenen Kelterei auf seinem Hof in Wolfhalden produzieren. In diesem Jahr sind es aber nur etwa 1500. Die finanziellen Einbussen: circa 40000 Franken. Ob dieses Minus in der Kasse durch die Schweizer Stiftung «fonds suisse» ausgeglichen wird, ist noch unklar. «Fonds suisse» hat angekündigt, Landwirte, die durch den Frost im April besonders betroffen waren und Ernteausfälle hinnehmen mussten, finanziell zu unterstützen.

Nächstes Jahr wird der Rebhang vielleicht beheizt

Zu Lieferengpässen würde es aber aufgrund der niedrigeren Anzahl Flaschen bei Tobler nicht kommen. Denn: «Im letzten Jahr hatten wir eine ausgesprochen gute Ernte. 8000 Flaschen konnten wir produzieren.» Damit könne die heuer geringe Menge ausgeglichen werden. Acht verschiedene Weine stellt der Landwirt her und verkauft sie auf seinem Hof und in Dorfläden. Als Nebenerwerb. Hauptberuflich setzt er auf Mastviehzucht, Pferdehaltung und Holzproduktion. «Unsere Existenz ist aufgrund des Ernteausfalls darum nicht bedroht», so Tobler. Und was ihm schon sein Vater gelehrt habe: Es gebe beim Winzern keine drei Jahre nacheinander, bei denen immer eine gute Ernte eingefahren wird. Einbussen gehörten dazu. Ganz so locker nimmt Tobler die schlechte Ernte dann aber doch nicht. Er gibt zu, dass er es bereue, in jenem April nicht doch kurzfristig den Rebhang beheizt zu haben. «Wir hätten kleine Feuer machen können. Mittels Ventilatoren hätte dann die Wärme durch die Rebstöcke geblasen werden können.» Der Wolfhaldener lässt den Blick entlang der Reben schweifen und seufzt: «Ja, das hätten wir wirklich tun sollen.»

Wenig Ausfall aufgrund von Schädlingen

Immerhin: Der diesjährige Wimmet hatte für Tobler auch seine Lichtblicke. Der Schädlingsbefall sei in diesem Jahr minimal gewesen. Ein Prozent Ernteausfall aufgrund von Mehltau, ein Prozent wegen der Kirschessigfliege. Das ist wenig. «Ich hatte in diesem Jahr erstmals zu 100 Prozent mit einem Bio-Pflanzenschutzmittel gespritzt. Das scheint gewirkt zu haben.» Er habe retten wollen, was noch zu retten war. Ab dem 1. Mai wird der diesjährige Wein in Flaschen gefüllt. Dann soll er aber noch zwei, drei Monate lagern. Geniessen könne man ihn denn im kommenden Sommer.