Willkommene Arbeitskräfte

Juni 1940, die Soldaten der belgischen Armee werden in Bronschhofen interniert. Kaum war die deutsche Armee von Belgien her in Frankreich einmarschiert, kam Ende Juni das französische 45. Armeekorps in der Juragegend zur Internierung in unser Land.

Drucken
Teilen

Juni 1940, die Soldaten der belgischen Armee werden in Bronschhofen interniert. Kaum war die deutsche Armee von Belgien her in Frankreich einmarschiert, kam Ende Juni das französische 45. Armeekorps in der Juragegend zur Internierung in unser Land. Nebst ihnen kamen auch polnische, holländische und belgische Soldaten. Im Schulhaus unserer Gemeinde Bronschhofen wurde eine grössere Gruppe Soldaten und Offiziere einquartiert. Das Schweizervolk schätzte es und war dankbar, dass statt der deutschen Armee Flüchtlinge in unser Land und in unsere Dörfer kamen. Wer eine Arbeitskraft brauchte, konnte sich melden. Zu uns kam der Soldat mit dem Namen Lussy. Er hatte lange Haare und einen Bart. Er trug aber nebst einem guten Willen auch Läuse und ebenso viele Flöhe mit sich. Aber das bemerkten wir erst später. Mein Meister Albert Dobler, der gerade im Urlaub war, und meine Wenigkeit, waren offenbar für die Begleiter gute Wirte. Wir mussten uns radikal, sogar mit Rasierschaum und Messer, entlausen. Die Matratze verbrannten wir hinter dem Haus. Lussy wurde abgelöst. Weil die Internierten auch flämisch sprachen, konnten wir uns gut verständigen und dabei unser Französisch aufbessern. Die Internierten waren nette und gern gesehene Arbeitskräfte. Schweizweit wurden auch Soldaten aus Polen einquartiert. Auch sie wurden auf Bauernhöfen, in Waldrodungen, Entwässerungen und im industriellen Mehranbau eingesetzt, zum Beispiel im Rheintal und in der Linthebene.

Durch die Niederlage Frankreichs 1940 und den Eintritt Italiens in den Krieg war die Schweiz durch die Kriegsparteien eingeschlossen. Die Reduzierung der Gras- beziehungsweise Milchwirtschaft zugunsten des Ackerlandes auch in traditionellem Grasgebiet war überlebenswichtig. Es mussten vermehrt Kartoffeln und Getreide angebaut werden. Die guten und ertragreichen Naturwiesen umzubrechen, tat weh. So reservierte halt anfänglich mancher Landwirt dazu nicht gerade die besten Landstücke. Der neue Ackerbauer musste in Sachen Anbau, Düngung und Pflege ganz Neues erlernen. Die Landwirtschaftlichen Schulen platzten aus allen Nähten. Herrn Egli, unserem Ackerbaulehrer in Flawil, gelang es, die jungen Bauern für den Ackerbau zu begeistern. Nach der Winterschule wurden fortschrittliche Ackerbaubetriebe in den Kantonen St. Gallen und Thurgau als Staatsbetriebe bevorzugt. Wir Schüler sprachen von den Gutsbetrieben Brunegg und Schloss Castell in Tägerwilen, von der Steinegg, vom Lindenhof und Adelberg in Pfyn. Die Mundpropaganda auch für Privatbetriebe kursierte ebenfalls in unseren Schulzimmern. Für gar viele war es aber nur eine Zwischenzeit bis zum Antritt in die Rekrutenschule. Ich kam 1942 auf den Staatsbetrieb der Psychiatrischen Klinik bei Wil.

Josef Dähler, Mammern