Willkommen an der Weltspitze

Triathlet Manuel Küng läuft bei der erstklassig besetzten Dubai Challenge 70.3 für viele überraschend auf Platz drei ins Ziel. Im Klassement scheint der Bütschwiler als Neunter auf. Dies stimmt ihn zuversichtlich und zeigt, dass sich sein Aufwand lohnt.

Urs Huwyler
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Triathlet Manuel Küng gehört seit der Dubai Challenge zur erweiterten Weltklasse. (Bild: Urs Huwyler)

Triathlet Manuel Küng gehört seit der Dubai Challenge zur erweiterten Weltklasse. (Bild: Urs Huwyler)

TRIATHLON. Am Abend vor dem Ironman 70.3 in Dubai hätte Manuel Küng unterschrieben, wäre ihm im Weltklassefeld eine Plazierung unter den besten zehn angeboten worden. Umso mehr freute sich der Bütschwiler Triathlet, als dann nur die beiden Ex-Weltmeister Terenzo Bozzone (Nzl) und Michael Raelert (De) nach 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Velofahren und 21,1 Kilometer Laufen schneller unterwegs waren. «Ich habe zu Beginn der aktuellen Saison vorne mithalten können. Das stimmt mich zuversichtlich und zeigt, dass sich der grosse Aufwand lohnt», kann der schnellste Schweizer nach den Wintermonaten mit zweimal fünf Wochen Training auf Gran Canaria sportlich eine positive Bilanz ziehen.

Es soll deshalb zuerst über die in Dubai erbrachte Leistung berichtet werden. Manuel Küng stieg bei stürmischen Verhältnissen inmitten der Spitzengruppe aus dem Wasser, auf der zweiten Hälfte der Radstrecke vermochte sich das Trio Bozzone/Raelert/Küng vom Rest abzusetzen und sorgte dadurch für eine Vorentscheidung. Im Halbmarathon vermochte kein Verfolger bis auf die Podestplätze nach vorne zu laufen. Ergab vermeintlich die Ränge eins bis drei für das Trio. «Schwimmen und Rad Weltklasse, Laufen deutlich besser als früher», lautete das Disziplinen-Fazit des immer schneller und konstanter werden Toggenburgers.

Vier Strafminuten

Damit beginnt der zweite Teil der Geschichte. Im Wüstensturm von Dubai folgten die Spitzenleute mit «Gring ache» logischerweise der vorausfahrenden Polizei-Eskorte und den beiden Schiedsrichter-Motorrädern. Doch die motorisierten Begleiter waren wegen der umgeblasenen Schilder in einem Kreisel falsch abgebogen, so dass Küng und Co. kurze Zeit die Strecke verliessen. Die Jury brummte fünf Athleten eine vierminütige Zeitstrafe auf. Damit rutschte Manuel Küng auf Platz neun zurück. Ganz wohl dürfte es den «Richtern» nicht gewesen sein. Sonst hätten sie das Quintett – und damit den Sieger – disqualifizieren müssen.

Die Jury-Rechnung für die (Rückenwind)Abkürzung war zudem weit überrissen, und die Bestraften ärgerten sich verständlicherweise, dass sie nicht durch Eigenverschulden vom rechten Weg abkamen, sondern durch Offizielle falsch geleitet wurden. Über Kommentare, die bestraften Triathleten seien selber schuld, weil sie die Strecke nicht gekannt hätten, kann Manuel Küng maximal den Kopf schütteln. «Normalerweise fahre ich jede Strecke ab. Doch bei diesem Verkehr als Vorbereitung aufs das Rennen 90 Kilometer durch Dubai zu pedalen, ist ein Ding der Unmöglichkeit», fügt er an.

Hohes Preisgeld

Nachdem Triathleten wie andere Profisportler einen Teil ihrer Einkünfte möglichst aus Preisgeldern erzielen müssen, schenkt die Rückversetzung von Platz drei auf neun ein. Dubai gehört zu den wenigen Wettkampforten, wo es mit der entsprechenden (Weltklasse)Leistung mehr als einen Sportgeschäft-Gutschein zu gewinnen gibt. Statt 20 000 Dollar (Preisgeld total 300 000 Dollar) werden es bei Manuel Küng nun «nur» 2000 sein. Für ihn wäre es ohne Kreisel-Eskorte das erste richtig hohe Preisgeld gewesen. Was er darüber denkt? Genau.

Im Zentrum steht allerdings seine sportliche Entwicklung. Vor zwei Jahren schien sich der 28jährige Ex-Schwimmer nicht sicher, ob er es bis an die erweiterte Weltspitze schaffe, sich der Aufwand lohne. Diese Zweifel sind auch wegen einer noch professionelleren Einstellung verflogen. Inzwischen hat er alle nationalen Grössen von Wild bis Schildknecht mindestens einmal geschlagen, und die internationalen Stars müssen den Swiss Boy zumindest aus den Augenwinkeln beobachten. Manuel Küng hat in Dubai Weltklasseluft geschnuppert und spürt (wie die Konkurrenz), was für ihn möglich sein könnte.

Neues Team

Seit Mitte Januar gehört er zum «Triathlon Team Koach» und fährt ein BMC-Rad. Trainiert wird er weiterhin durch den Tschechen Lubos Bilek (Kirchzarten), der seit Jahren den 70.3-Weltmeister und Hawaii-Vierten Sebastian Kienle (De) coacht. «Nach zwei Wochen zu Hause kann ich drei Wochen mit Sebastian auf Lanzarote trainieren. Dies bringt mich bestimmt weiter», freut sich Manuel Küng auf die nächste Herausforderung.

Was ein in der Weltklasse angekommener Triathlet trainieren sollte, hört sich etwa so an: «Das Programm setzt sich aus 20 Kilometer Schwimmen, 400 Kilometer Radfahren und 100 Kilometer Laufen zusammen. Wobei ich momentan noch etwas weniger laufe. Wöchentlich sind dies 30 bis 35 Stunden. Deshalb bin ich froh, dass mein Trainer immer wieder Erholungsphasen einbaut.» Und, wäre anzufügen, den kommunikativen Manuel Küng nicht in einen Einzelkämpfer mit zementierten Strukturen umzubauen versucht.

Aber zurück zur Dubai Challenge. Sie gehört zur «Triple Crown Serie». Die beiden andern 70.3 Ironmans finden im Oman und in Bahrain statt. Die Preisgelder sind identisch. Für den neuntklassierten Dritten gibt es zwei Schienen: Entweder bereits in diesem Jahr das Projekt «Hawaii Ironman» in Angriff nehmen oder unter anderem noch zweimal im Mittleren Osten hinter andern Motorradpiloten zu starten.

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